+
Andreas Kalbitz ist AfD-Spitzenkandidat in Brandenburg.

Wahlen in Ostdeutschland

Gut vernetzt mit Neonazis

  • schließen

Der Brandenburger AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz hat eine rechtsextreme Vergangenheit – ein Porträt.

Der Brandenburger AfD-Chef und Landtagswahl-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz ist umtriebig. Und das nicht erst, seit er 2013, wenige Wochen nach Parteigründung, in die AfD eintrat. Netzwerke pflegt der heute 46-Jährige bereits seit seiner Jugend: In München bei der pennalen Burschenschaft Saxonia-Czernowitz, bei der Jungen Union und dann kurzzeitig bei den Republikanern, als diese schon vom Verfassungsschutz beobachtet wurden. Im selben Jahr war er auch Mitglied im rechtsextremen Witikobund, schrieb Texte im „Witikobrief“. 1994 ging er als Soldat auf Zeit zur Bundeswehr, zu den Fallschirmspringern nach Altenstadt. Kalbitz trägt stets einen silbernen Fallschirm-Anstecker am Sakko. Feldwebel-Laufbahn.

Im rechtsextremistischen „Thule-Netz“, über das Mitte der 1990er Jahre Rechtsextremisten kommunizierten, wird der „junge Kamerad“ Kalbitz so charakterisiert: ein „sportlicher, intelligenter, gebildeter und sehr engagierter“ Mann. Der sei kein „Weichei“. Bereits 1993 habe er an einem Lager der „Heimattreuen (deutschen) Jugend“ teilgenommen, ist jetzt zu lesen. So einiges gruben Medien in den vergangenen Wochen über den Kandidaten Kalbitz aus.

Am Freitag bestätigte er Recherchen, wonach er 2007 an einer rechtsextremistischen Demonstration in Athen teilnahm. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet, dass sich Kalbitz damals zusammen mit 13 deutschen Rechtsextremisten in einem Athener Hotel einquartiert hatte. Den Marsch organisierte demnach die griechische „Patriotische Allianz“. „Es ist zutreffend, dass ich vor zwölf Jahren in Athen war“, sagte Kalbitz am Freitag. In dem Hotel wohnte laut „Spiegel“ zusammen mit Kalbitz auch NPD-Chef Udo Voigt. Das belegt dem Bericht zufolge ein Dokument aus der Botschaft in Athen, das eine BKA-Verbindungsbeamtin damals vor Ort verfasste. Neben Voigt werden weitere Führungsleute der NPD und des Parteinachwuchses aufgelistet.

Es war das vorerst letzte Puzzlestück einer rechtsextremistischen Vergangenheit. Im ZDF-„Morgenmagazin“ hatte Kalbitz wenige Tage zuvor noch gesagt: „Es gibt keine rechtsextreme Biografie. Es gibt Bezüge.“ Ein früherer Vorgesetzter aus der Luftlandeschule im bayerischen Altenstadt sagt über seinen früheren Kameraden: „Wenn Kalbitz jetzt auf AfD-Linie ist, muss er sich gehörig nach links entwickelt haben.“

Hat er das? Kalbitz stützt sich zum Teil auf Getreue, die ihn bereits seit der Bundeswehr-Zeit begleiten. Er pflegt beste Kontakte zum neurechten Verleger Götz Kubitschek. Mit Björn Höcke, der Galionsfigur des radikalen AfD-„Flügels“, verbindet ihn ein Bündnis zum gegenseitigen Vorteil.

Im Landtagswahlkampf versucht Kalbitz, die Enthüllungen an sich abtropfen zu lassen, „Die Menschen interessieren sich für Inhalte, die wollen wissen, warum der Bus nicht fährt“, sagt er. Seine Biografie sei nicht wichtig. Doch er beginnt, Fehler zu machen. Als er bei einer Diskussion mit Schülern Greta Thunberg beleidigt, ist die Reaktion verheerend. Die Wahl ist noch nicht gewonnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion