+
Andreas Bovenschulte (SPD), war zuletzt Bürgermeister der kleinen Nachbargemeinde Weyhe.

Andreas Bovenschulte

Andreas Bovenschulte: Bandleader in Bremen

  • schließen

Andreas Bovenschulte soll Bürgermeister werden – ein Porträt.

In seiner Jugend träumte er davon, Rockstar zu werden. Daraus wurde zwar nichts, aber bald wird der Hobby-Gitarrist Andreas Bovenschulte zumindest eine Art Bandleader: Der 53-jährige Sozialdemokrat soll künftig den Takt im Bremer Senat angeben - als Bürgermeister der Stadtmusikanten-Stadt. So wünscht es sich der SPD-Landesvorstand, und wenn an diesem Samstag der Landesparteitag dem einstimmigen Vorstandsvotum folgt, dann steht Bovenschultes Wahl durch die Bremische Bürgerschaft Mitte August nichts mehr im Wege.

Jahrelang hat der promovierte Jurist auf dieses Amt spekuliert. Er trug zwar schon seit 2014 den Titel „Bürgermeister“ - aber eben nicht an seinem Wohnort Bremen, sondern nur in der Nachbargemeinde Weyhe. Dort hatte er sich vor fünf Jahren an die Verwaltungsspitze wählen lassen, nachdem seine Hoffnungen zerstoben waren, dass der damalige Bremer Regierungschef Jens Böhrnsen zur Mitte der Wahlperiode sein Amt abgeben würde. Doch Böhrnsen zog sich erst 2015 nach SPD-Verlusten bei der damaligen Wahl zurück - zu spät für Bovenschulte, der in Weyhe nicht gleich wieder aussteigen konnte.

Das Herz schlägt links

So kam es, dass der damalige Bundestagsabgeordnete Carsten Sieling 2015 auf dem Bürgermeisterstuhl landete. Allerdings nur für vier Jahre, denn nach den massiven SPD-Verlusten bei der jüngsten Wahl hat der glücklose 60-Jährige jetzt seinen Abgang angekündigt. So kann Bovenschulte also nach seiner Weyher Landpartie doch noch Großstadt-Regierungschef werden - in der ersten rot-grün-roten Koalition in einem westdeutschen Bundesland.

Der Zwei-Meter-Mann ist mit Sieling befreundet und hat zu Studienzeiten mit ihm in einer Dreier-Wohngemeinschaft gelebt. Das Herz der beiden schlägt eindeutig links, jedenfalls für SPD-Verhältnisse. Doch „Bovi“ hat mehr Ausstrahlungskraft, wirkt kämpferischer, zupackender und redegewandter als der eher blasse, schmächtige Noch-Amtsinhaber. Die Landesvorsitzende Sascha Aulepp nennt ihn einen „erfahrenen Politiker, der brennt für die Herzblut-Themen der SPD“. Und sie lobt seine „Nahbarkeit und Herzlichkeit“.

Sieling ist zwar auch einer von den Netten. Aber Bovenschulte geht aktiver auf andere zu, kümmert sich mehr um sie und ist sich für kein Volksfest zu schade. „In knapp fünf Jahren hat ‚Bovi‘ die Herzen der Weyher erobert“, schrieb die lokale „Kreiszeitung“ über seinen Abschied, bei dem der Kümmerer groß gefeiert wurde. Bürgernah sei er gewesen, lobt ihn die Lokalpresse. Er sei auf Kritiker zugegangen, und wenn sich jemand über Missstände beschwert habe, dann habe er sich schnell um Abhilfe bemüht.

Der rote Riese, Jahrgang 1965, stammt aus einem sozialdemokratischen Elternhaus aus Elze bei Hannover und ist 1984, im Jahr seines Abiturs, selber Genosse geworden. Lange wirkte er eher im Verborgenen, mal als Schriftführer in seinem SPD-Ortsverein, mal als Mitglied der Antragskommission für Bundesparteitage - und beruflich als Jurist im Öffentlichen Dienst.

Die Allgemeinheit nahm von ihm erst Notiz, als er 2010 zum Bremer SPD-Landesvorsitzenden gewählt wurde. Aus jener Zeit sind Zitate von ihm überliefert, in denen er eine „eiskalte Marktgesellschaft“ kritisierte und einen „magersüchtigen Staat“ verhindern wollte. Folgerichtig brachte er eine „Privatisierungsbremse“ auf den Weg: Seit 2013 dürfen öffentliche Unternehmen in Bremen nur noch unter strengen Voraussetzungen verkauft werden. „Bovi“ war auch schon immer ein Kritiker von Hartz IV, forderte die Rücknahme der Rente mit 67, und über die Schuldenbremse ist er auch nicht glücklich.

Sogar die CDU wollte ihn halten

Gut drei Jahre lang blieb er Landesparteichef. 2013 gab er das Amt ab, um sich auf seine Bürgermeisterkandidatur in Weyhe zu konzentrieren, wo er bereits seit 2007 als Erster Gemeinderat arbeitete.

Doch zuletzt zog es den ehrgeizigen und machtbewussten Strategen wieder in den Stadtstaat zurück: Bovenschulte bewarb sich erstmals um ein Bürgerschaftsmandat, und als er Ende Mai tatsächlich ins Parlament gewählt wurde, kandidierte er sofort für den Fraktionsvorsitz - ein Affront gegen den langjährigen Amtsinhaber Björn Tschöpe, der letztlich auf seine Wiederwahl verzichtete, um der Fraktion eine Zerreißprobe zu ersparen. Als nächstes nun also der Aufstieg zum Bürgermeister, eine steile Karriere vom einfachen Abgeordneten zum Regierungschef innerhalb eines Vierteljahres..

In Weyhe wollte sogar die CDU den linken Sozi zunächst nicht gehen lassen, so beliebt war er dort. Aber am Mittwoch verschaffte sie ihm doch noch die nötige Drei-Viertel-Mehrheit für seine vorzeitige Abwahl im Gemeindeparlament.

Seit 20 Jahren ist Bovenschulte mit der SPD-Politikerin Ulrike Hiller verheiratet, sie haben zwei gemeinsame Töchter. Wenn „Bovi“ jetzt vom Fraktionschef zum Bürgermeister aufsteigt, dann ist Hillers Karriere bis auf Weiteres beendet: Sie kann dann nicht länger Bremens Bevollmächtigte beim Bund bleiben - damit es nicht heißt, die Bremer Politik würde von einem Küchen-Kabinett bestimmt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion