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 Anatoli Tschubais (65)  ist von Donnerstag an nach 12 Jahren wieder ohne Job.
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Anatoli Tschubais (65) ist von Donnerstag an nach 12 Jahren wieder ohne Job.

Karriereende

Russland: Ehemaliger Reformer Anatoli Tschubais kehrt der Politik den Rücken

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Vom Chefreformer zum unsichtbaren Liberalen – der russische Politiker Tschubais hat eine schwankende politische Karriere hinter sich.

  • Der Politiker Anatoli Tschubais spielte nach dem Zerfall der Sowjetunion eine wichtige Rolle.
  • Unter Präsident Jelzin trieb Anatoli Tschubais in Russland wichtige Reformen voran.
  • Bei Russlands Staatskonzern Rossnano muss Anatoli Tschubais nach zwölf Jahren seinen Hut nehmen.

Moskau - Anatoli Tschubais, einst Chef-Reformer des neuen Russlands und sein erster politischer Sündenbock, hat nach zwölf Jahren wieder einen Job verloren.

Russlands Staatskonzern Rosnano: Anatoli Tschubais nimmt Abschied

Er schäme sich nicht für das, was er geschafft habe. „Ja, natürlich, wir haben Fehler gemacht. Ja, natürlich, nicht alles ist gelungen“, sagte Anatoli Tschubais zu seinem Abschied. Es klang, als rede er nicht allein über den staatlichen Innovationskonzern Rosnano, dessen Leitung der Petersburger am Donnerstag nach über zwölf Jahren abgeben musste. Sondern über all die Ämter und Projekte, die der gelernte Maschinenbauingenieur und erklärte Liberale seit dem Fall der Sowjetunion 1991 im russischen Staat gemanagt hatte.

Tschubais‘ Abgang aus Rosnano besitzt nach Ansicht der Politologen höchstens noch symbolische Bedeutung. „Seine Arbeit dort hatte keinerlei Einfluss mehr auf den Staat und mögliche Reformen“, sagt Dmitri Trawin, Modernisierungsforscher der Europäischen Universität in Sankt Petersburg. „Der Job war für ihn ein ehrenhafter und glänzend honorierter Vorruhestand.“

Name: Anatoli Borissowitsch TschubaisGeburtsort: Baryssau, BelarusKinder: Aleksej Chubais, Olga Chubais
Geburtsdatum: 16.06.1955Ehepartnerin: Avdotʹja A. SmirnovaAusbildung: Moskauer Energetisches Institut

Eine politische Galleonsfigur in Russland: Anatoli Tschubais

Anatoli Tschubais, 65, gehörte zu den politischen Schlüsselfiguren der Neunziger Jahre. Unter Jelzin war er mehrmals Vizepremier, Finanzminister, dann Chef der Kremlverwaltung. Zusammen mit seinen liberalen Gesinnungsgenossen Jegor Gaidar und Boris Nemzow führte er in Russland die Marktwirtschaft ein. Tschubais war der große Macher der umstrittenen Privatisierung nach 1991.

Er organisierte 1996 den siegreichen Präsidentschaftswahlkampf des schon unpopulären Boris Jelzin. Aber er wurde auch zum ersten politischen Sündenbock des neuen Russlands, sein alternder Gönner Jelzin feuerte ihn wiederholt. Und 1996 wurde ein Jelzin-Spruch aus einer politischen TV-Puppen-Show Volksmundwahrheit: „Schuld an allem ist Tschubais.“

Anatoli Tschubais hat in Russland einige Machtübergaben erlebt

Aber Tschubais überlebte die Machtübergabe von Jelzin an dessen ganz und gar nicht liberalen Nachfolger Wladimir Putin. Der Beatlesfan Tschubais protestierte im Gegensatz zu seinem später ermordeten Freund Nemzow nicht öffentlich gegen die brutale Kriegsführung in Tschetschenien oder die Gleichschaltung des Oppositions-TVs unter dem neuen Staatschef. Und schon 1996, als der Petersburger Vizebürgermeister Putin nach den verlorenen Lokalwahlen ohne Job gewesen war, hatte ihm Tschubais geholfen, einen neuen Posten in der Moskauer Präsidialverwaltung zu finden. „Aus Dankbarkeit“, so Trawin, „hat Putin ihm angesehene Posten gelassen.“ Aber politisch hätten Tschubais und andere Liberale im Kreml schon 20 Jahre keine Rolle mehr gespielt.

Jetzt heißt es, Tschubais könnte sich künftig der Entwicklung erneuerbarer Energien in Russland widmen. Oder der Erschließung der russischen Arktis. Mit anderen Worten: Thematisch wie geografisch rückt der scheidende Reformer weiter an die russische Peripherie. (Stefan Scholl)

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