+
1989 war General Manuel Noriega noch in Amt und Würden. Heute winkt er nicht mehr so siegessicher.

Diktator Manuel Noriega

Ananasgesicht, eingetrocknet

  • schließen

Das also ist der pockennarbige Mann, der in Panama ein Jahrzehnt lang Angst und Schrecken verbreitet hat. Am Dienstag eskortieren Polizisten ihn vom Pariser Flughafen. Was ist Manuel Noriega für ein Mensch? Von Axel Veiel

Das also ist der pockennarbige Mann, der in Panama ein Jahrzehnt lang Angst und Schrecken verbreitet hat. Am Dienstagmorgen haben Strafvollzugsbeamte ihn vom Pariser Flughafen eskortiert. Doppelagent für Fidel Castro und die CIA, Kokainkönig, General, Diktator - alle Macht, die man in einer Bananenrepublik der 1980er Jahre anhäufen konnte: Manuel Noriega besaß sie.

Wer unter Panamas langjährigem Geheimdienstchef zu leiden hatte, dem hat sich das teigige Antlitz mit der Boxernase und dem Dauerlächeln ins Gedächtnis gebrannt. Als "Ananasgesicht" haben ihn jene beschimpft, die ihm gern Schlimmeres angetan hätten. Erst der Einmarsch der US-Armee 1989, die nach den Worten des damaligen Präsidenten George Bush senior "US-Bürger retten, den Panamakanal-Vertrag sichern und Demokratie bringen" sollte, beendete sein Willkürregime.

In Miami kam der in Ungnade gefallene Verbündete wegen Drogenhandels 17 Jahre hinter Gitter. Zwei Jahre Auslieferungshaft schlossen sich an. Ein Pariser Gericht hatte den Besitzer mehrerer Bankkonten und Luxuswohnungen 1999 in Abwesenheit als Geldwäscher zu zehn Jahren Haft verurteilt. In Anwesenheit des Angeklagten kann das Verfahren nun neu aufgerollt und vom Makel unzureichender Verteidigungsmöglichkeiten befreit werden.

Ganz schnell war es zuletzt gegangen. Die Tinte unter der von US-Außenministerin Hillary Clinton unterzeichneten Auslieferungsanordnung war kaum trocken, da saß Noriega auch schon in der Maschine nach Paris. Aber ist er es wirklich? Gebeugt, ja gebrechlich wirkte der Mann, der da, den Kopf gesenkt, den Schiebetüren des Flughafengebäudes entgegenstrebte. Eine anthrazitfarbene Jacke schlotterte um den gedrungenen Leib. Der Hut mit der Krempe hatte seine Form eingebüßt. Von der Attitüde eines Macho-Militärs, eine Mafiabosses keine Spur.

Hält man sich an die Akten des französischen Justizministeriums, ist Noriega 74 Jahre alt. Sicher ist das aber nicht. Das Geburtsdatum zählt zu den Geheimnissen, die den einst starken Mann Panamas bis heute umgeben. So ist auch nicht geklärt, wie die Amerikaner seiner habhaft wurden. In der päpstlichen Botschaft hatte sich Noriega verschanzt. Aber haben die draußen wartenden US-Soldaten ihn tatsächlich mit Dauerbeschallung zermürbt? Nancy Sinatras "These boots are made for walking" und "You´re my heart, you´re my soul" von Modern Talking sollen in einer Endlosschleife gelaufen sein und den Flüchtigen entnervt aus dem Versteck getrieben haben.

Klarer ist immerhin, was Noriega in Frankreich erwartet. In Begleitung seines Anwalts Yves Leberquier wird er heute dem Haftrichter vorgeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion