„People of Praise“

Amy Coney Barrett lebte im Haus eines Sektengründers

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Amy Coney Barrett lebte im Haus des Gründers ihrer christlichen Sekte. Das zeigen Recherchen über die von Donald Trump für den Supreme Court nominierte Richterin.

  • US-Präsident Donald Trump hat Amy Coney Barrett als Richterin für den Supreme Court der USA nominiert.
  • Barrett gilt als erzkonservative Christin und ist Mitglied der Sekte „People of Praise“.
  • Als Studentin soll sie im Haus des Sektengründers gelebt haben.

Washington - Nach dem Tod von Richterin Ruth Bader Ginsburg entbrannte eine heiße Diskussion um ihre Nachfolge für den Obersten Gerichtshof der USA. Den Forderungen der Demokraten, mit der Nominierung bis nach der Präsidentschaftswahl am 3. November zu warten, ging Präsident Donald Trump nicht nach. Seine Wahl fiel auf die erzkonservative Amy Coney Barrett.

Dass Barrett Mitglied einer christlich-fundamentalistischen Sekte ist, war bereits bekannt. Neuen Recherchen zufolge soll sie zusammen in einem Haus mit einem der Gründer gelebt haben.

Die 48-jährige Amy Coney Barrett ist Mitglied einer christlichen Sekte.

Von Donald Trump für den Supreme Court nominiert: Amy Coney Barrett lebte in einem Sektenhaus

Die katholische Amy Coney Barrett und ihr Ehemann sind Teil der christlichen Sekte „People of Praise“ aus South Bend (US-Bundesstaat Indiana). Ihre Mitglieder müssen untereinander einen lebenslangen Treueid schwören. Frauen haben sich Männern generell unterzuordnen. Jede Person wird einem Berater zugeordnet: Männer den sogenannten „Köpfen“, Frauen den „Mägden“. Barrett soll selber eine „Magd“ („handmaid“) gewesen sein. So stehe es im Verzeichnis der Gruppe aus dem Jahr 2010, berichtet die „Washington Post“.

Während ihres Studiums lebte die Richterin in einem Haus mit neun Schlafzimmern, das im Besitz von Kevin Ranaghan ist, einem religiösen Gelehrten und Mitgründer der Sekte. Das bestätigte die Ehefrau von Ranaghan gegenüber „The Guardian“. „Sagen wir einfach, dass es eine der besseren Erfahrungen in unserem Leben war. Sie ist solch ein Juwel“, so Dorothy Ranaghan über Amy Coney Barrett. „Aber ich fühle mich nicht wohl dabei, jetzt darüber zu sprechen“, sagte sie. Man habe über viele Jahre Studenten aufgenommen. Mehr darüber erzählen wollte sie jedoch nicht. Auch der Sprecher von „People of Praise“ sagte, dass es „unangemessen“ sei, sich darüber zu äußern. Das Weiße Haus lehnte eine Stellungnahme ebenfalls ab.

Auch Ehemann von Amy Coney Barrett soll im Haus der „People of Praise“ gelebt haben

In dem Haus soll auch Barrets heutiger Ehemann gelebt haben. Selbst sagte sie jedoch nur, dass sie ihn während ihres Studiums kennenlernte. Dokumente sollen zeigen, dass noch weitere Personen, die in Ranaghans Haushalt lebten, später heirateten. Nach ihrer Nominierung für ein Berufungsgericht 2017 soll die Sekte viele Informationen von Barrett von der Website entfernt haben, fand die Nachrichtenagentur „Associated Press“ heraus, darunter auch Fotos von ihrer Familie. Man sei über ihre Privatsphäre besorgt, hieß es in einer Stellungnahme von „People of Praise“.

Öffentlich hat sich Amy Coney Barrett nie zu ihrer Mitgliedschaft bei „People of Praise“ geäußert. Doch Aussteiger erzählen von der strikten Hierarchie und autoritären Strukturen. Eine Frau berichtet über Missbrauch und Folter an ihrem Ehemann. Alle Macht sei vom Anführer der Sekte ausgegangen. Von den Mitgliedern wird stets gehorsam erwartet. Den Treueschwur auflösen darf man nur mit dem Einverständnis der anderen Mitglieder, so Kevin Ranaghan. Heutige Mitglieder der Gruppe behaupten, dass man die „Familie der Familien“ sei und sich gegenseitig materiellen, sowie spirituellen Halt gebe. Man würde die Gruppe nur missverstehen

Amy Coney Barrett könnte die nächste Richterin am Supreme Court werden

Wie „The Guardian“ berichtet, werden die Demokraten bei den anstehenden Anhörungen von Amy Coney Barrett keine Einwände bezüglich ihrer Religion äußern. Ihr Glauben sei kein Thema, hieß es seitens des Justizkomitees. Der Demokrat Richard Blumenthal teilte mit, dass er nicht vorhabe, sie aufgrund ihres „religiösen Glaubens“ oder ihrer „religiösen Zugehörigkeit“ auszufragen. „Ich denke, dass die dienstlichen Argumente gegen sie so stark und überzeugend sind, dass wir uns auf sie fokussieren sollten“, sagte er.

Rubriklistenbild: © Graeme JENNINGS / POOL / AFP

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