Donald Trumps Supreme Court-Kandidatin

Supreme Court: Amy Coney Barrett stellt Klimawandel infrage

  • vonMirko Schmid
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Die Anhörung von Amy Coney Barrett geht weiter. Die Demokraten gehen Donald Trumps Kandidatin hart an. Kamala Harris schafft es, Barrett ein verräterisches Statement zu entlocken.

  • Die Anhörungen von Amy Coney Barrett, US-Präsident Donald Trumps Nominierung für den Supreme Court, beginnt.
  • Wird Amy Coney Barrett bestätigt, könnte das weitreichende Folgen über Generationen für Fragen der Ethik wie Abtreibung, Gesundheit und Rechte von Homosexuellen in den USA haben.
  • Das ganze Bild rund um den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika: Trump News

Update vom Donnerstag, 15.10.2020, 13:01 Uhr: Während ihrer Anhörungen weigert sich Amy Coney Barrett, die Supreme Court-Kandidatin von Donald Trump, immer wieder, selbst grundlegendste Fragen der Mitglieder des Justizausschusses des Senats zu beantworten. Ihre Begründung: Verwandte Fragen könnten zur Entscheidung vor den Obersten Gerichtshof der USA kommen, sie wolle kein Urteil vorwegnehmen. Senatorin und Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris schaffte es dennoch, ihr eine erschreckende Ansicht abzutrotzen.

Die ehemalige Staatsanwältin Kamala Harris schafft es, Amy Coney Barrett als Zweiflerin am Klimawandel zu entlarven

Um herauszufinden, ob Amy Coney Barrett „wissenschaftliche Beweise“ in ihrer Rolle als Richterin am Supreme Court in Betracht ziehen würde, stellte die ehemalige Staatsanwältin und aktuelle Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris ihr eine Reihe unumstrittener Fragen, unter anderem: „Akzeptieren Sie, dass COVID-19 ansteckend ist?“ und „Akzeptieren Sie, dass Rauchen Krebs verursacht?“ Nachdem Barrett beide Fragen bejahend beantwortet hat, fragt Harris sie: „Glauben Sie, dass der Klimawandel stattfindet und die Luft, die wir atmen, und das Wasser, das wir trinken, bedroht sind?“

Amy Coney Barrett: Klimawandel eine „sehr umstrittenen Angelegenheit der öffentlichen Debatte“

Die Antwort von Donald Trumps Kandidatin Amy Coney Barrett: „Ich habe mich schon gefragt, worauf Sie damit hinauswollen.“ Anschließend weigert sie sich, ihre Meinung zu dieser „sehr umstrittenen Angelegenheit der öffentlichen Debatte“ abzugeben. Eine Weigerung mit Aussagekraft. Denn genauso wie es wissenschaftlich keine ernsthafte Debatte darüber gibt, ob COVID-19 ansteckend ist und ob Rauchen Krebs verursacht, gibt es innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft keine ernsthafte Debatte über die Existenz des Klimawandels.

Update vom Mittwoch, 14.10.2020, 17:09 Uhr: Am dritten Tag der Anhörungen von Amy Coney Barrett versuchen die republikanischen Senatoren die Anstrengungen der Demokraten, die politische Gefahr einer Wahl der Kandidatin von Donald Trump hervorzuheben, ins Leere laufen zu lassen. Die Kandidatin habe klare persönliche Standpunkte, diese aber - wie zum Beispiel die Ansicht, Abtreibung sei „barbarisch“ - würden keine Rolle für ihre Arbeit am Supreme Court spielen.

Der republikanische Senator John Cornyn (Texas) spielt ihr die Bälle dabei besonders gefällig zu. Auf seine Nachfragen betont Amy Coney Barrett, dass sie keiner Agenda, keinen Wählern und keiner öffentlichen Meinung unterworfen sei. „Der Grund dafür, dass Richter am Supreme Court auf Lebenszeit ernannt werden, ist, dass diese ohne den Druck der Öffentlichkeit Recht sprechen können sollen“, sagt Barrett.

Die Demokraten befürchten dennoch, dass eine rechte Mehrheit am Supreme Court, die durch die Ernennung Barretts gestärkt würde, bürgerliche Freiheiten wie das Recht auf Abtreibung und Rechte von Homo- und Transsexuellen infrage stellen könnte. Außerdem sei „Obama Care“, die erschwingliche Krankenversicherung für alle Amerikanerinnen und Amerikaner, in Gefahr. Amy Coney Barrett, die Kandidatin von Donald Trump für den Supreme Court, gilt als ultraorthodoxe und erzkonservative Katholikin.

Demokraten stellen klar: Die Ernennung Barretts hat politische Gründe

Senator Dick Durbyn, Demokrat aus Illinois betont, dass die Republikaner Amy Coney Barrett in Rekordzeit durch den Ernennungsprozess auf den Richterstuhl am Supreme Court durchdrücken wollen. Während die Nachfolge von Antonin Scalia erst nach 10 Monaten geregelt worden sei, würde Barrett nun mitten im Prozess einer laufenden US-Wahl ernannt. Er könne sich nicht daran erinnern, dass es so etwas in der modernen Geschichte der USA je gegeben hätte.

Durbyn macht klar: „Das ist ein politischer Prozess. Eine Woche nach Ihrer Ernennung wird über Obama Care entschieden. Es ist klar, dass der leere Richterstuhl im Supreme Court deswegen schnellstmöglich besetzt werden soll.“

Update vom Mittwoch, 14.10.2020, 10:18 Uhr: Am zweiten Tag ihrer Anhörungen vor dem Justizausschuss des US-Senats hat sich Amy Coney Barrett zum Thema Rassismus geäußert. Es sei unumstritten und offensichtlich, dass „Rassismus in unserem Land fortbesteht“, bilanzierte die Kandidatin von Donald Trump für den frei gewordenen Platz am Supreme Court. In ihrer eigenen Familie sei der gewaltsame Tod von George Floyd „sehr emotional“ aufgenommen worden.

„Wie Sie sich vorstellen können, war das für meine Familie sehr, sehr persönlich, da ich zwei schwarze Kinder habe“, antwortete Barrett dem demokratischen Senator Dick Durbin aus Illinois auf die Frage, welchen Einfluss das Video auf sie hatte. Als das Video von Floyds Mord veröffentlicht wurde, seien Barretts Ehemann und ihre Söhne auf einem Campingausflug gewesen, sie selbst habe das Video mit ihren beiden Töchtern in ihrem Schlafzimmer gesehen. Dort hätten sie zusammen geweint. Anschließend habe sie den Moment genutzt, um mit ihren Töchtern über Rassismus zu sprechen.

Donald Trumps Kandidatin Barrett: Als Richterin sei das Thema Rassismus nicht ihre Aufgabe

„Meine Kinder hatten bis zu diesem Zeitpunkt in ihrem Leben den Vorteil, in einem Kokon aufzuwachsen, in dem sie noch keinen Hass und keine Gewalt erlebt haben“, so Amy Coney Barrett. „Es war schwer hinzunehmen für Vivian, dass ein Risiko für ihren Bruder oder den Sohn besteht, den sie eines Tages haben könnte. Es war ein längeres Gespräch. Es ist ein schwieriges Thema für uns, so wie es das für Amerikaner im ganzen Land ist.“

Selbst Einfluss auf die Bewertung von Rassismus-Debatten könne sie aber nicht nehmen, beteuerte Amy Coney Barrett: „Es handelt sich um heiß umkämpfte politische Fragen, die den ganzen Sommer über in den Nachrichten diskutiert wurden. Aussagen oder ausführliche Diagnosen zum Problem des Rassismus gehen weit über das hinaus, was ich als Richterin tun kann.“ In den sozialen Medien wird Barrett vorgeworfen, ihre „ich habe schwarze Kinder-Karte“ auszuspielen, um von strukturellen Rassismusproblemen abzulenken.

+++ 20:38 Uhr: Am zweiten Tag ihrer Anhörung vor dem US-Senat drückte sich Richterin Amy Coney Barrett um klare Aussagen herum. Zu stark diskutierten Themen wie dem Gesundheitssystem, dem Recht auf Abtreibung oder der gleichgeschlechtlichen Ehe ließ sie ihre Positionen offen. Barrett machte lediglich klar, dass keine Verbindlichkeit zwischen ihr und dem Weißen Haus oder Senatoren dazu bestehe, wie sie in jeweiligen Fällen entscheiden würde. Richterliche Entscheidungen beruhten auf dem Gesetz. Barrett sagte: „Richter können nicht eines Tages aufwachen und sagen ‚Ich habe eine Agenda, ich mag Waffen, ich hasse Waffen, ich mag Abtreibung, ich hasse Abtreibung‘ und sich wie eine Königin benehmen und der Welt ihren Willen aufdrängen“.

Dass Barrett sich nicht klar zu ihren Positionierungen äußerte, stieß auf Kritik, auch von der Senatorin Dianne Feinstein, der Vorsitzenden der Demokraten im Justizausschuss.

Das Komitee will dem Vorsitzenden des Justizausschusses des US-Senats, Lindsey Graham, zufolge am 22. Oktober die Nominierung Amy Coney Barretts für den Supreme Court bestätigen.

Donald Trumps Kandidatin Amy Coney Barrett drückt sich um Antworten

+++ 16:50 Uhr: Befragt nach Antonin Scalias Kritik an dem Urteil, das das Recht gleichgeschlechtlicher Paare auf Eheschließung begründete, stützt sich Amy Coney Barret auf die sogenannte „Ginsburg-Regel“. Die Regel stammt von der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg, deren Sitz am Obersten Gerichtshof von Barrett besetzt werden könnte, sollte sie bestätigt werden.

Während Ginsburgs Anhörungen zur Supreme Court-Nominierung 1993 sagte sie den Senatoren: „Es wäre falsch, wenn ich in dieser gesetzgebenden Kammer eine Vorschau darauf geben würde, wie ich über Fragen abstimmen würde, zu deren Entscheidung der Supreme Court möglicherweise aufgefordert wird.“

Amy Coney Barrett verweigert Antworten zu möglichen Entscheidungen des Supreme Courts

Amy Coney Barrett antwortet stattdessen: „Ich habe niemals aufgrund sexueller Vorlieben diskriminiert und würde niemals aufgrund sexueller Vorlieben diskriminieren.“ In den sozialen Medien gibt es sofort Kritik an Barretts Formulierung „sexuelle Vorlieben“ in Bezug auf gleichgeschlechtliche Ehen; dieser Begriff sei antiquiert und diskriminierend.

Zuvor hatte Amy Coney Barrett die „Ginsburg-Regel“ schon genutzt, um eine Positionierung zu einer Verschiebung der Wahl zu umgehen, die Donald Trump ins Spiel gebracht hatte. Trump hatte im Juli vorgeschlagen, die Präsidentschaftswahlen im November aufgrund von Bedenken hinsichtlich eines Wahlbetrugs durch Briefwahlen, für den der Präsident niemals Beweise vorgelegt hatte, zu verschieben. Die Verfassung aber räumt dem Präsidenten keine Befugnis ein, Wahlen zu verschieben. Trump könnte dies nur in Zusammenarbeit mit dem Kongress tun, der durch eine Mehrheit der Demokraten kontrolliert wird.

+++ 15:58 Uhr: Dianne Feinstein, die Vorsitzende der Demokraten im Justizausschuss, befragt aktuell Amy Coney Barrett. Zunächst bittet sie die Kandidatin von Donald Trump, ihre im Saal sitzende Familie vorzustellen. Barrett stellt daraufhin ihre sieben Kinder und ihre sechs Geschwister vor. Die erste Frage dreht sich um die Meinung der Kandidatin zu „Roe gegen Wade“, der wegweisenden Entscheidung, mit welcher der Supreme Court das Recht auf Abtreibung festgeschrieben hatte. Barrett umgeht eine direkte Antwort: Sie zögere, ihre Meinung zu wichtigen Fällen der Vergangenheit abzugeben, bevor sie auf der Richterbank am Supreme Court sitze.

Amy Coney Barrett, Kandidatin von Donald Trump für den Supreme Court, stellt sich den Fragen der Senatoren.

Feinstein wiederholt die Frage leicht variiert, Amy Coney Barrett weicht erneut aus, indem sie schlicht sagt, sie würde das Gesetz befolgen. Feinstein: „Es ist beunruhigend, keine klare Antwort zu bekommen. Das macht es mir schwer.“ Im Jahr 2006 hatte Amy Coney Barrett eine Anzeige unterschrieben, in der „Roe gegen Wade“, also das Recht auf Abtreibung, als „barbarisch“ bezeichnet wurde.

Update vom Dienstag, 13.10.2020, 15:30 Uhr: Der zweite Tag der Senats-Anhörungen von Amy Coney Barrett, der von Donald Trump für den nach dem Tod von Ruth Bader Ginsburg freigewordenen Platz am Supreme Court, hat begonnen. Zum Einstieg spielt der Vorsitzende des Justizausschusses des US-Senats, Lindsey Graham, Kandidatin Barrett erwartungsgemäß die Bälle zu und gibt ihr gefällige Stichworte. Im Mittelpunkt der Befragung steht das Recht auf Abtreibung. Die Kandidatin für einen der Richterstühle am obersten Gerichtshof der USA hat dabei keinerlei Unterlagen vor sich liegen und antwortet frei.

Zuvor hält der Ausschussvorsitzende Graham eine Brandrede gegen Obama-Care, die erschwingliche Krankenversicherung für alle Amerikaner. Diese würde große Staaten wie New York und Kalifornien, beides Hochburgen der Demokraten, bevorteilen und kleinen Staaten finanziell schaden. Sein Bundesstaat wolle kein Obamacare, sein Bundesstaat wolle „South Carolina Care“.

+++ 17.25 Uhr: Senator Joshua D. Hawley (Republikaner) betont vehement die Rolle der Religion in den USA. Ja, Donald Trumps Kandidatin Amy Coney Barrett sei Katholikin. Aber man könne nicht „zu katholisch“ sein, um Richterin am Supreme Court zu werden. Der Glaube gehöre zur Identität der USA und er müsse geachtet werden. Er verurteile alle Angriffe auf Richterin Barrett vor dem Hintergrund ihres Glaubens. Dieser „Test“ ihrer Amtsfähigkeit aufgrund ihres Glaubens müsse ein Ende haben. Der demokratische Senator Richard Blumenthal lässt das nicht gelten und betont, dass Barrett nur nominiert worden sei, um Trumps Ziele wie die Abschaffung von Obamacare umzusetzen. Die Uhr der Moderne dürfe nicht zurückgedreht werden.

Update vom Montag, 12.10.2020, 16:39 Uhr: Die ersten Senatoren und Senatorinnen halten ihre Reden. Der Zeitrahmen beträgt jeweils zehn Minuten. Gleich zu Anfang reden prominente Senatoren wie Amy Klobuchar, die mit brüchiger Stimme die Verfehlungen von Donald Trump aufzählt. Er schere sich nicht um Wahrheit, habe die Wirtschaft bewusst zusammenbrechen lassen, als er die Auswirkungen der Corona-Pandemie wochenlang verschwiegen habe. Soldaten habe er Verlierer und Lutscher genannt, das Land im Stich gelassen. Die Nominierte Amy Coney Barrett lauscht den Reden mit einer schwarzen Maske, die sie nur abzieht, um ab und an einen Schluck Wasser zu nehmen.

Amy Coney Barrett, die Supreme Court-Kandidatin von Donald Trump, lauscht den ersten Reden der Senatoren

Erstmeldung vom Montag, 12.10.2020, 13:54 Uhr: USA - Vor dem Supreme Court marschieren die „Handmaids“ auf. Gekleidet in rote Roben und mit weißen Schirmmützen protestieren Aktivistinnen gegen Amy Coney Barrett. Donald Trump schickt mit der ehemaligen Angehörigen der kleinen christlichen Sekte „People of Praise“ eine erzkonservative Richterin in das Bestätigungsverfahren für den kürzlich frei gewordenen Richterstuhl am Supreme Court - dem höchsten Gericht der USA.

Die „Handmaids“ protestieren gegen Donald Trumps Supreme Court-Favoritin Amy Barrett

2016 wollten die Republikaner erst wählen und den freien Platz am Supreme Court anschließend besetzen

Um den nach dem Tod der links-liberalen Ikone Ruth Bader Ginsburg frei gewordenen Platz am obersten Gerichtshof der USA waren sofort heftige Kontroversen entbrannt. Die Demokraten um Joe Biden fürchten, dass Donald Trump die Verhältnisse des Gerichts mit seiner Nominierung für Generationen nach rechts verschieben könnte, da eine Berufung an den Supreme Court auf Lebenszeit erfolgt.

Dementsprechend verweisen die Demokraten auf das Jahr 2016, als die republikanische Senatsmehrheit sich weigerte, den von Barack Obama nominierten Merrick Garland zu bestätigen und sich auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl beriefen. Die wolle man zuerst abwarten, damit der neu gewählte Präsident den nach dem Tod des konservativen Richters Antonin Scalia frei gewordenen Richterstuhl besetzen könne. Das Volk also solle entscheiden, ob der zu besetzende Platz von Donald Trump konservativ oder von Hillary Clinton eher liberal besetzt werde.

2020 wollen die Republikaner Donald Trumps Favoritin Amy Barrett eilig vor den Wahlen durchboxen

Ein Gedanke, der für die Republikaner nicht mehr zählt. Diesmal wollen sie, wieder kurz vor den US-Wahlen, über Donald Trumps Nominierung abstimmen. Ihre Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen gegenüber den Demokraten gilt als sicher.

Lediglich die Senatorinnen Susan Collins aus Maine und Lisa Murkowski aus Alaska hatten zuletzt Kritik an der Besetzung des offenen Postens am Obersten Gericht so kurz vor der Wahl geäußert. Doch ob sie wirklich gegen Amy Coney Barrett stimmen, ist eher unwahrscheinlich. Selbst eine weitere Abweichlerstimme aus Reihen der Partei des Präsidenten Donald Trump würde nicht reichen, da im Falle eines Pattes im Senat Vizepräsident Mike Pence, selbst fundamental christlich veranlagt, als Vorsitzender des Senats entscheiden würde.

Die Anhörungen von Amy Barrett werden eher politischer Art sein, alle wollen sich im Wahlkampf positionieren

Also geht es für die Demokraten in der nun beginnenden öffentlichen Anhörung von Amy Coney Barrett weniger darum, die Bundesrichterin von Donald Trumps Gnaden am Supreme Court zu verhindern. Viel mehr werden sie die Bühne dafür zu nutzen versuchen, im Wahlkampf öffentlich zu punkten, die eigenen Reihen zu schließen und Donald Trump mit seiner Auswahl weiter in den Umfragekeller zu treiben.

Besonders die Gesundheitspolitik steht im Mittelpunkt. Die Demokraten befürchten, dass eine stramm rechte Mehrheit am Supreme Court Errungenschaften wie „Obama Care“, eine für jeden US-Amerikaner erschwingliche Krankenversicherung, abräumen könnten. Umfragen ergaben zuletzt, dass die Zustimmung zu Obama Care von 50% im Jahr 2017 auf aktuell 57% gestiegen ist. 61 Prozent der Befragten wollen zudem nicht, dass der Supreme Court hier in die Politik eingreift und Obama Care aufhebt.

Neben der Gesundheitspolitik wird das Recht auf Abtreibung ein zentrales Thema der Anhörungen von Amy Barrett

Ein weiteres Thema, das die Demokraten ansprechen werden, betrifft das Recht auf Abtreibung. Das historische Grundsatzurteil „Roe gegen Wade“ aus dem Jahr 1973 besagt, dass Gesetze gegen Abtreibung gegen das Recht auf Privatsphäre und das Postulat der Rechtssicherheit verstoßen. Mit dieser Entscheidung des Supreme Courts, getroffen von sieben der neun obersten Richter gegen die Stimmen von zwei Kollegen, wurde das Recht auf Abtreibung in den USA de facto eingeführt.

Nun befürchten Frauenverbände, Menschen- und Bürgerrechtler sowie die Demokraten, dass Donald Trump mit seiner Verschiebung des Supreme Courts nach rechts dem Furor der klerikalen Rechten nachgegeben haben könnte, die seit jeher die Rolle rückwärts anstreben - und es somit den Bundesstaaten und der Bundesregierung ermöglichen wollen, Abtreibung wieder unter Strafe zu stellen. Eine Horrorvision für die aufgeklärte und liberale Bevölkerungsschicht in den USA.

Die Rechte für homosexuelle Menschen stehen infrage, Amy Barrett war Anhängerin einer christlichen Sekte

Und eine Horrorvision, die von Amy Coney Barretts eigener Vergangenheit getragen wird. Barrett, die mit ihrem Mann teilweise im Haus des Anführers einer ultradogmatischen christlichen Sekte gelebt hatte, gilt als überzeugte Christin mit zum Teil fundamentalistisch-konservativen Ansichten. Sie steht nicht im Verdacht, eine große Freundin von modernen Errungenschaften wie der Homo-Ehe oder dem Recht auf Abtreibung zu sein; an ihr, so die einmütige Vermutung von Beobachtern des Lebenswerkes der Favoritin von US-Präsident Donald Trump, wird ein neuerliches Verbot dieser Bürgerrechte nicht scheitern.

Als pikantes Detail gilt, dass Trumps Richterin zu ihrer Zeit in der christlichen Sekte „People of Praise“ als sogenannte „Handmaid“ geführt wurde. Diese „Mägde“ sind innerhalb der Sekte verantwortlich für Aufgaben wie Seelsorge, Beratung in Gemeinschaftsfragen und die Organisation von Hilfe für Gleichgesinnte. Auch wenn die „Handmaids“ in „Woman Leaders“ umbenannt wurden, haben sie nicht viel zu melden in der Sekte. Eine ehemalige Sektenanhängerin bestätigt: „Mein damaliger Ehemann war von der Struktur der Unterwerfung von Frauen sehr angetan.“

Die „People of Praise“ sind laut übereinstimmenden Schilderungen ehemaliger Mitglieder eine streng nach Geschlecht getrennte, patriarchalische Organisation, in der Männer die Oberhäupter der Familie und des Glaubens sind und Frauen zuarbeiten. Der Name „Handmaid“ ist für viele Christen eine Anlehnung an Jesus‘ Mutter Maria, die in der Bibel als „die Magd des Herrn“ beschrieben wird. Die populäre HBO-Fernsehserie „The Handmaid‘s Tale“ brachte den Begriff aber in Verruf. Die Serie selbst ist zwar nicht von den „People of Praise“, sondern von der ebenfalls zeitgenössischen Sekte „People of Hope“ inspiriert, dennoch liegt die Assoziation naturgemäß nicht fern.

Die Anhörung von Amy Barrett ähnelt einer Gerichtsverhandlung - beteiligt sind Senatoren und Zeugen

Beteiligt an der Anhörung des Jutizausschusses, die live übertragen wird und einer Gerichtsanhörung mit Zeugen und harten Verhören ähnelt, werden neben den Zeugen die Senatorinnen und Senatoren sein, die dem Ausschuss angehören. Als eine Art Chefanklägerin wird Dianne Feinstein aus Kalifornien versuchen, Amy Barrett zu „grillen“, wie es in den US-amerikanischen Medien heißt.

Senatoren der Republikaner im AusschussSenatoren der Demokraten im Ausschuss
Lindsey Graham, SCDianne Feinstein, CA
Chuck Grassley, IAPatrick Leahy, VT
John Cornyn, TXDick Durbin, IL
Michael S. Lee, UTSheldon Whitehouse, RI
Ted Cruz, TXAmy Klobuchar, MN
Ben Sasse, NEChristopher A. Coons, DE
Joshua D. Hawley, MORichard Blumenthal, CT
Thom Tillis, NCMazie Hirono, HI
Joni Ernst, IACory Booker, NJ
Mike Crapo, IDKamala Harris, CA
John Kennedy, LA
Marsha Blackburn, TN

Oberster „Verteidiger“ der Kandidatin von Donald Trump wird Lindsey Graham sein. Der Vorsitzende des Justizausschusses war zuletzt mit der Einlassung aufgefallen, dass Schwarze es in seinem Staat South Carolina überall hin schaffen könnten. Einzige Voraussetzung: Sie müssten konservative Werte vertreten. Ob Weiße ebenfalls gewissen Werten verpflichtet sein müssen, um es in South Carolina überall hin zu schaffen, sagte er nicht.

Weitere prominente Mitglieder des Ausschusses sind unter anderem Ted Cruz aus Texas, der Donald Trump 2016 im Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner unterlegen war sowie aufseiten der Demokraten Amy Klobuchar, die 2020 in der demokratischen Vorwahl gegen Joe Biden verloren hatte und - Joe Bidens Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, Kamala Harris.

Harris war 2018 besonders ins Rampenlicht gerückt, als sie Donald Trumps Kandidat für die Nachfolge von Antonin Scalia, Brett Kavanaugh, spektakulär auseinandergenommen hatte. Dem heutigen Richter am Supreme Court wurde von mehreren Frauen sexuelle Belästigung und sexueller Missbrauch vorgeworfen, dennoch wurde er von der republikanischen Mehrheit im Senat letztlich bestätigt.

Die Anhörungen beginnen am Montag (12.10.2020) ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit und werden sich über Tage ziehen. Während Donald Trumps Kandidatin Amy Coney Barrett am ersten Tag ihr Eingangsstatement abgeben wird, sind ab dem zweiten Anhörungstag Zeugen vorgesehen. Die Anhörungen werden im US-TV (beispielsweise CNN) live übertragen. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © POOL/afp

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