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Walther Otremba heißt der neue Staatssekretär im Berliner Bendler-Block.

Porträt Walther Otremba

Amtsfremd, aber wertvoll

Walther Otremba heißt der neue Staatssekretär im Berliner Bendler-Block; 58 Jahre, Ökonom, ohne militärische Vorerfahrung. Bei den Chefs sind rasche Wechsel an der Tagesordnung. Von Michael Bergius

Von Michael Bergius

Irgendwie hat es ihm sein früherer und bald wieder aktueller Dienstherr ja vorgemacht. Auch Karl-Theodor zu Guttenberg war nicht vom Fach, als er vor ziemlich genau einem Jahr ins Amt des Wirtschaftsministers gehievt wurde. Seit einigen Monaten ist der smarte Franke Verteidigungsminister und holt sich jetzt Verstärkung. Mit einem Experten für Heer, Luftwaffe, Marine oder zumindest für Wehrtechnik? Weit gefehlt.

Walther Otremba heißt der neue Staatssekretär im Berliner Bendler-Block; 58 Jahre, Ökonom, ohne militärische Vorerfahrung. Bei den Chefs sind rasche Wechsel an der Tagesordnung. Ein Ministeramt kann heute jemand antreten, der gestern weder vom Fach noch von den Feinheiten der ihm künftig unterstellten Bürokratie Nennenswertes verstand. In der Politik sind Alter, Herkunft, Partei- und diverse andere Proporze sowie Gespür die maßgeblichen Qualifikationen.

Da die beamteten Staatssekretäre oft jene sind, die an der Spitze der Ministerien die eigentliche Arbeit verrichten, sind Wechsel hier seltener - und wenn, dann meist ressortnah. Bevor Otremba im Herbst 2006 in die Leitungsebene des Wirtschaftsressorts kam, war der promovierte Volkswirt Chef der Bonner Bundesanstalt für Post und Telekommunikation. Davor arbeitete der CDU-Mann jahrelang im Finanzministerium. Dort war der Holsteiner gerade mal zwei Monate tätig, bevor Guttenberg ihn jetzt zu sich holte.

Mit wenigen Begrüßungsworten lässt sich alles Wichtige sagen. Er freue sich, sagte der Verteidigungsminister, "einen derart erfahrenen und mir sehr gut bekannten Spitzenbeamten und Mann meines Vertrauens für diesen Posten gewonnen zu haben". Otremba war die graue Eminenz, ohne deren Hilfe Guttenbergs glückloser Vorgänger Michael Glos vermutlich als Wirtschaftsminister noch unglücklichere Zeiten verlebt hätte. Und er war es auch, der dem jungen Nachfolger zur Seite stand, als der Amts- und Fachneuling im Februar 2009 Glos beerbte. Der Ordnungspolitiker Otremba hatte erheblichen Einfluss auf Guttenbergs Bremsmanöver bei der umstrittenen Opel-Rettung. Und der Finanzexperte Otremba war es, der im Krisenjahr 2009 staatliche Schutzschirme für Banken und Firmen mitersann. Vermutlich waren es diese Meriten, die den neuen Finanzminister Wolfgang Schäuble im November 2009 veranlassten, Otremba (zurück) zu holen.

Dieses kurze Intermezzo geht jetzt zu Ende. Schäuble dürfte den kompetenten, aber nicht profilierungssüchtigen Staatsdiener vermissen. Guttenberg braucht jetzt vor allem einen, der ein Ministerium wieder auf Vordermann bringt, wo es zuletzt nicht nur in der internen Kommunikation zu häufig zu Pannen kam.

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