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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert die Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo und hat anlässlich des 20. Jahrestages der Einrichtung zu Protesten aufgerufen. (Archiv)
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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert die Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo und hat anlässlich des 20. Jahrestages der Einrichtung zu Protesten aufgerufen. (Archiv)

20. Jahrestag von Guantanamo

Amnesty fordert Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo: Löst Biden sein Versprechen jetzt ein?

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Als Vizepräsident versprach Joe Biden bereits 2009 das Haftlager Guantanamo zu schließen. Amnesty International fordert zum 20. Jahrestag des Lagers nun die Einlösung.

Berlin – 20 Jahre nach der Eröffnung des US-Gefangenenlagers Guantanamo hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ausdrücklich die Schließung der umstrittenen Haftanstalt von Präsident Joe Biden gefordert. Die Organisation verurteilt die anhaltenden Verstöße gegen Menschenrechte, Folter, Willkür und Verwahrlosung der Gefangenen in der Einrichtung. Das Haftlager auf einer Militärbasis der USA in Kuba sei ein „rechtloser“ Ort, sagte der Amerika-Experte von Amnesty International in Deutschland, Matthias Schreiber, der Nachrichtenagentur AFP. Das Lager stehe exemplarisch für all die Menschenrechtsverletzungen, die die USA im „Kampf gegen den Terror“ 2001 begangen haben.

Anlässlich des 20. Jahrestags der Eröffnung des Lagers organisierte Amnesty International am Samstag (08.01.2022) Proteste in zahlreichen deutschen Städten und in anderen Staaten. Die ersten Gefangenen waren am 11. Januar 2002 nach Guantanamo gebracht worden. Das Lager war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet worden, um mutmaßliche, islamistische Terroristen ohne Prozess festhalten zu können.

Schließung von Guantanamo: Obama scheiterte, Trump hielt es offen

Insgesamt waren fast 800 Menschen zeitweise in dem Gefangenenlager inhaftiert, derzeit sind es noch 39 Gefangene. Im Juli 2021 entließ die US-Regierung erstmals seit dem Amtsantritt von Joe Biden einen Häftling aus Guantanamo. Der Marokkaner Abdul Latif Nasir war 2002 in einem al-Quaida-Lager in Afghanistan festgenommen und in das Haftlager in Kuba gebracht worden. Das Lager wurde im Laufe der Jahre immer mehr zur Belastung für die US-Regierung. Barack Obama wollte es bereits schließen lassen, scheiterte aber gegen den US-Kongress. Sein Nachfolger Donald Trump wollte das Lager weiter offen halten und Joe Biden, der 2009 unter Obama Vizepräsident wurde, versprach bereits damals die Schließung des Lagers und verfolgt dieses Ziel auch heute.

Er hat nach Angaben seiner Regierung eine „umfassende Überprüfung“ des Camps in Kuba eingeleitet. Den Aktivisten von Amnesty International geht das allerdings nicht weit genug. Sie fordern, dass Bidens Regierung der Schließung des Lagers eine „viel höhere Priorität“ einräumt. Zudem müsse eine umfangreiche Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen in Guantanamo stattfinden und die Verantwortlichen strafrechtlich belangt werden. Bis heute sei keiner von ihnen vor Gericht gestellt werden, genauso wie die Gefangenen keinen Zugang zu „fairen, rechtsstaatlichen Gerichtsverfahren“ bekommen haben, so Schreiber von Amnesty International.

Laut Amnesty International steht Guantanamo für Willkür, Folter und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, die die USA im „Krieg gegen den Terror“ seit 2001 begangen haben. (Archiv)

Für Menschenrechte: Mehr Druck von Deutschland auf US-Regierung gefordert

Der Amnesty-Experte fordert außerdem mehr internationalen Druck auf die US-Regierung und appellierte dabei auch an Deutschland: „Wir würden uns wünschen, dass die Bundesregierung Guantanamo und die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen weiter auf der Agenda hält und von der neuen US-Regierung deutlich und unmissverständlich einfordert, dass das Lager geschlossen werden soll“.

Bereits seit der Eröffnung 2002 ist laut Amnesty International klar, dass das Gefangenenlager Guantanamo keinen rechtsstaatlichen Standards entspricht. Es gebe einen Bericht des Geheimdienstausschusses des US-Senats aus dem Jahr 2014 über illegale Foltermethoden und auch ehemalige Gefangene haben in Gerichtsverfahren von ihrer erlittenen Folter berichtet. Zudem herrsche Willkür und Ungerechtigkeit. Von vorneherein sei das Lager ein verheerendes Signal gewesen, erklärt Sumit Bhattacharyya von Amnesty International. „Ein viel stärkeres Zeichen wäre gewesen zu sagen: Die USA begegnen schweren Verbrechen wie den Anschlägen vom 11. September mit rechtsstaatlichen Standards.“

Mohamedou Ould Slahi ‒ Guantanamo-Häftling Nummer 760 fasste im Interview mit unserer Zeitung zusammen: „Wenn Amerika sagt, dass du ein böser Mensch bist, dann bist du es.“. (iwe mit Agenturen)

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