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Zerstörungen in Rakka (Archiv-Bild)

Syrien

Amnesty erhebt schwere Vorwürfe gegen US-Koalition

Angriffe der US-Koalition auf die Terroristenhochburg Rakka in Syrien könnten als Kriegsverbrechen bewertet werden, kritisieren Menschenrechtler.

Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen die USA, Großbritannien und Frankreich im Syrien-Konflikt. Die Koalition unter US-Führung habe bei ihren Angriffen auf die Terroristenhochburg Rakka in Syrien Hunderte Zivilisten getötet, heißt es in einem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Bei den vor einem Jahr begonnenen Militäroperationen auf die Hochburg der Terrororganisation „Islamischer Staat“ seien zudem Tausende Bewohner verletzt worden. Die Angriffe könnten als Kriegsverbrechen bewertet werden.

Zivilisten wurden laut Amnesty nicht ausreichend geschützt

Die hohen Opferzahlen und das Ausmaß der Zerstörung in Rakka ließen daran zweifeln, dass die Streitkräfte der Koalition genug getan hätten, um zivile Opfer zu vermeiden, erklärte der Nahost-Experte der Organisation, Ilyas Saliba. Er beschuldigte das US-Militär des Einsatzes unpräziser Waffen in dicht bewohnten Stadtteilen. Laut Völkerrecht müssten die Kriegsparteien Zivilisten schonen.

Die Streitkräfte der USA, Großbritanniens und Frankreichs hätten zwischen dem 6. Juni und 12. Oktober 2017 Zehntausende Luftangriffe auf Rakka geflogen. Mehr als 90 Prozent davon verantworteten laut Amnesty die US-Einheiten. Die Koalition sowie verbündete kurdische Milizen konnten schließlich den „Islamischen Staat“ aus Rakka vertreiben.

Unabhängige Untersuchungen gefordert

Amnesty forderte die Koalition auf, unabhängige Untersuchungen in die Wege zu leiten und Überlebenden und Hinterbliebenen eine angemessene Wiedergutmachung zu ermöglichen. Deutschland müsse sicherstellen, dass Bilder aus Bundeswehr-Aufklärungsflügen über Syrien, die an andere Koalitionsmitglieder weitergegeben werden, nicht zu unverhältnismäßiger Gewalt gegen Zivilisten führten, verlangte Saliba.

Amnesty-Mitarbeiter sprachen im Februar 2018 vor Ort mit 112 Zeugen und Überlebenden der Angriffe und besuchten 42 Orte in Rakka, an denen Angriffe durch Mörser, Artillerie und Luftstreitkräfte stattgefunden hatten. Im Syrienkonflikt starben seit 2011 Hunderttausende Menschen. Das Regime des Machthabers Baschar al-Assad eroberte große Teile des Landes von Aufständischen zurück. In einzelnen Gebieten herrschen noch Rebellen und Terrorgruppen, der „Islamische Staat“ gilt als weitgehend abgedrängt. (epd)

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