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Flüchtlinge an Bord der „Iuventa“ im November 2016.

„Iuventa“

Amnesty ehrt Seenotretter

Menschenrechtspreis für zehn Aktivistinnen und Aktivisten - in Italien droht ihnen Haft.

Die zehnköpfige Crew des Seenotrettungsschiffs „Iuventa“ wird mit dem diesjährigen Amnesty-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Den zehn Aktivistinnen und Aktivisten aus Deutschland, Großbritannien, Portugal und Spanien werde in Italien der Prozess gemacht, obwohl sie nur Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet hätten, monierte die Menschenrechtsorganisation am Dienstag in Berlin. Ihr Fall stehe stellvertretend für alle Helfer, die kriminalisiert würden, weil sie Menschen auf der Flucht in Notlagen nicht im Stich ließen. Die Verleihung soll am 22. April im Berliner Gorki-Theater stattfinden.

Die „Iuventa“ – mit einer wechselnden Besatzung von insgesamt 200 Personen – konnte zwischen Juli 2016 und August 2017 in 16 Missionen mehr als 14 000 Menschen vor dem Tod durch Ertrinken im Mittelmeer bewahren. Am 2. August 2017 wurde das Schiff des Berliner Vereins „Jugend rettet“ im Hafen von Lampedusa von den italienischen Behörden beschlagnahmt.

Seitdem geht nach Angaben von Amnesty die italienische Justiz gegen die Seenotretter vor. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Der Vorwurf lautet auf „Beihilfe zur illegalen Einreise“. Die Indizienlage sei aber mehr als wackelig, meinen die Berliner. Die Behörden hätten das Schiff seinerzeit „verwanzt, Telefonate abgehört, und verdeckte Ermittler eingesetzt“. Das Vorgehen gegen die Besatzung der „Iuventa“ demonstriere sehr anschaulich, was Staaten bereit seien zu unternehmen, um sich ihrer völkerrechtlichen Verantwortung für Menschen auf der Flucht zu entziehen.

Der Einsatz des Schiffs im Mittelmeer war laut Amnesty durch internationales Seerecht gedeckt und erfolgte auf Anweisung der Rettungsleitstelle in Rom. Eine unabhängige Untersuchung von Logbüchern, meteorologischen Daten und Aufnahmen der Agentur Reuters durch die Rechercheagentur Forensic Architecture belege zudem, dass die Vorwürfe der Justiz falsch sind.

Mit dem Menschenrechtspreis zeichnet die deutsche Sektion von Amnesty International alle zwei Jahre Persönlichkeiten und Organisationen aus, die sich unter schwierigen Bedingungen für die Menschenrechte einsetzen. Preisträger 2018 war das von Ärztinnen eingerichtete Nadeem-Zentrum für die Rehabilitierung von Opfern von Gewalt und Folter in Ägyptens Hauptstadt Kairo. (epd)

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