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Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht mit US-Präsident Biden am Telefon in seinem Büro. Foto: Uncredited/Ukrainian Presidential Press Off/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht mit US-Präsident Biden am Telefon in seinem Büro.

Ukraine-Konflikt

„Amerika ist weit weg“: Die Ukraine sucht andere Verbündete

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan gelten als Männerfreunde: Dennoch setzt die Ukraine im Konflikt mit Russland inzwischen vor allem auf die Türkei.

Für die konsequente, harte und entschlossene Unterstützung“, mit der der US-Präsident gegenüber Wladimir Putin die territoriale Unversehrtheit der Ukraine verteidigt habe, hat Kiew am Freitag Washington gedankt. Aber nach Ansicht von Fachleuten klingt echte Begeisterung anders als die höfliche Formulierung aus dem Präsidialbüro Wolodymyr Selenskyjs.

„Amerika ist weit weg, Amerika konzentriert sich auf China“, sagt der Kiewer Politologe Wadim Karassjow der Frankfurter Rundschau. Für die Ukraine sei es vorteilhafter, sich nicht auf die USA, Frankreich oder Deutschland zu verlassen, sondern auf Großbritannien und vor allem auf die Türkei. Angesichts der erst am Donnerstag neu gemeldeten russischen Truppenbewegungen Richtung ukrainischer Grenze und einer gewissen Enttäuschung gegenüber den westlichen Schutzmächten sucht Kiew anderswo Unterstützung. Deutschland und die EU machen seit Jahren gemeinsame Sache mit dem russischen Pipelineprojekt Nord Stream 2, das die ukrainischen Gasröhren überflüssig macht. Und Biden erklärte nach seinem Videogipfel mit Putin offen, kein US-Soldat werde die Ukraine im Fall eines russischen Angriffs verteidigen.

Die Türkei aber beliefert die Ukraine seit 2019 mit Bayraktar-Kampfdrohnen. Im Oktober zerstörte eine von ihnen eine russische Haubitze im Donbass. Im vergangenen Jahr hatten die türkischen Drohnen im Bergkarabach-Krieg Moskaus armenischen Verbündeten schwere Verluste zugefügt. Nach Angaben des ukrainischen Militärexperten Iwan Jakubez besitzt sein Land derzeit zwölf Bayraktar und hat weitere 48 bestellt. So eine Schwadron könnte auch massiv eingesetzten russischen Panzern arg zusetzen.

Wladimir Putin beschwerte sich Anfang des Monats wegen des Bayraktar-Einsatzes im Donbass persönlich bei Recap Erdogan. Der aber bietet sich Russen und Ukrainern wiederholt als Vermittler an. Aus dem russischen Außenministerium verwahrte man sich mit dem formalen Argument dagegen, Russland sei ja keine Konfliktpartei.

„Tatsächlich akzeptiert der Kreml Erdogan nie als Vermittler, weil es die Ukraine als sein ausschließliches Interessensgebiet betrachtet“, sagt Karassjow. „Er will unbedingt eine Situation wie in Aserbaidschan verhindern.“ In der Ex-Sowjetrepublik schwangen sich die Türken im vergangenen Jahr zur militärischen Schutzmacht auf, Russland musste sich die Vermittlerrolle im Karabach-Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien mit Ankara teilen.

Ankara expandiert

In Kiew ist man sich bewusst, dass die Autokraten Putin und Erdogan als Männerfreunde gelten. „Den Türken geht es vor allem ums Geld“, sagt ein krimtatarischer Aktivist anonym. „Deshalb verkaufen sie uns auch Waffen.“ Aber Erdogan müsse auch Rücksicht auf eine Diaspora von drei bis fünf Millionen krimtatarischer Wähler:innen in der Türkei nehmen, für die die Annexion der Krim durch Russland ein rotes Tuch sei. Kiew hofft auf wachsende Konkurrenz zwischen Moskau und Ankara. Zum einen im Schwarzen Meer, wo Moskau immer lautstärker eine militärische Vorherrschaft beansprucht, obwohl die Türkei den Bosporus kontrolliert. Aber auch im Kaukasus und in Zentralasien, wo Ankara seit Jahrzehnten und mit Erfolg kulturell, wirtschaftlich, aber auch militärisch expandiert.

Und im November posierte Erdogan mit einer Landkarte, wo große Teile Russlands als pantürkisch eingezeichnet waren. „Ob als Vermittler oder Verbündeter“, sagt Karassjow, „ist die Türkei für die Ukraine ein Gewinn.“

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