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Nach der Bombennacht vom 18. März 1944, Domstraße mit französisch-reformierter Kirche. Aus dem Buch "Überall Flammen!" Offenbach im Bombenkrieg 1940-1945.
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Nach der Bombennacht vom 18. März 1944, Domstraße mit französisch-reformierter Kirche. Aus dem Buch "Überall Flammen!" Offenbach im Bombenkrieg 1940-1945.

Die altvertraute Silhouette ist wieder da

Nach den Bombenangriffen beginnt der Wiederaufbau / Fast 40 Prozent der Wohngebäude Offenbachs sind zerstörtAlte Offenbacher kennen noch die wenigen Reste größerer und kleinerer Wunden, die aus dem Bombenkrieg des Zweiten Weltkrieges der Stadt bis heute geblieben sind. Wie in vielen anderen von der Zerstörung hart betroffenen Städte, verändert auch Offenbach nach dem Krieg sein Erscheinungsbild gegenüber der Vorkriegszeit vollständig.

Von FRANK W. METHLOW

Offenbach · 18. März · Als sich der Rauch am Morgen des 19. März 1944 langsam zu verziehen beginnt, zeigt sich das ungeheure Ausmaß der Schäden des vorangegangenen, nächtlichen Bombenangriffs der Royal Air Force. Rund 15 weitere kleinere und größere Angriffe folgen in den Monaten danach, von Januar 1945 an auch am Tage. Bei Angriffen am 8. Januar und 17. Februar 1945 entstehen nochmals schwere Schäden im Westen der Stadt und im Musikerviertel.

Als sich am 22. Februar drei Besatzungsmitglieder eines bei Offenbach abgeschossenen B-42 Bombers der US-Luftwaffe per Fallschirm retten können, werden sie von deutscher Polizei erschossen. Am Vormittag des 19. März 1945 fallen die letzten Bomben auf Offenbach - am 8. Mai ist der Zweite Weltkrieg endgültig vorbei.

Zwar bleibt der Stadt ein Feuersturm wie in Köln oder Dresden erspart, aber bis zum Kriegsende liegen rund 40 Prozent der Offenbacher Gebäude in Schutt und Asche. Von 8090 Wohngebäuden werden 4887 beschädigt oder vernichtet - die Altstadt ist fast völlig zerstört. Rund eine Million Kubikmeter Trümmer müssen beseitigt werden.

Das Rathaus im Büsing-Palais, das Stadthaus und die benachbarte Schule in der Frankfurter Straße sowie die Friedrich-Schule, die Mädchen Mittelschule in der Bahnhofsstraße und die Gewerbliche Berufsschule sind total zerstört. Nur Trümmer bleiben von der Schlosskirche, der St. Paulskirche und dem Heimatmuseum. Schwer getroffen sind das Isenburger Schloss und das Stadtkrankenhaus sowie die meisten anderen Schulen der Stadt.

Die zurückweichenden deutschen Truppen hatten am 25. März zudem noch rasch die Mainbrücke gesprengt. Aus den ungefähr 81 000 Einwohnern von 1930 sind durch den Krieg weniger als 50 000 geworden.

Am 26. März um die Mittagszeit rücken die Amerikaner in die Stadt ein und besetzen sie praktisch ohne Gegenwehr. Fritz Reinicke wird von ihnen als erster Oberbürgermeister nach dem Krieg kommissarisch eingesetzt.

Die Naphtol-Chemie hat die schwersten Schäden aller westdeutschen Werke der IG-Farben erlitten. Weil das Werk endgültig zerstört werden soll, werden die wenigen noch arbeitsfähigen Anlagen nicht gepflegt und verfallen langsam.

Ein kleines Häuflein ehemaliger Mitarbeiter aber kämpft erfolgreich für den Erhalt. Nach einem Aufbau von Grund auf werden schon 1951 wieder die Produktionszahlen der Vorkriegszeit erreicht. Am 10. August 1947 weihen Oberbürgermeister Johannes Rebholz und die Amerikaner die zunächst provisorisch wieder hergestellte Mainbrücke ein - 1953 wird daraus die Carl-Ulrich-Brücke.

Ganz am Anfang des Wiederaufbaus stehen die Wohnungen - mit der Vorderwaldsiedlung und der Rosenhöhe werden neue Wohngebiete erschlossen. Mitten durch die zerstörte ehemalige Altstadt wird eine neue West-Ost-Achse geschlagen - von der Kaiserstraße weiter nach Westen nutzen die Planer dafür die alte Lokalbahntrasse. 1962 wird daraus die Berliner Straße.

In den Hof des zerstörten Büssingpalais laden der Offenbacher Magistrat und die Militärregierung am 28. Juli 1948 zum ersten Promenadenkonzert ein - über 3000 Menschen folgen dieser Einladung. Und am 6. September 1951 wird am Isenburger Schloss Richtfest gefeiert mit einem eigens gedichteten Vierzeiler: "Die altvertraute Silhouette / ist wieder da, die Türme stehn. / Als wenn sich nicht’s verändert hätte, / so wird man sie in Kürze sehn."

(Zuerst publiziert am 19.März 2004)

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