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Alternativer Nobelpreis ehrt weltweit Kampf um Menschenrechte

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Von: Thomas Borchert

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Oleksandra Matwijtschuk vom ukrainischen Zentrum für bürgerliche Freiheiten (CCL).
Oleksandra Matwijtschuk vom ukrainischen Zentrum für bürgerliche Freiheiten (CCL). © dpa

In der Ukraine, Somalia, Uganda und Venezuela werden Initiativen ausgezeichnet, die für Demokratie, Recht und Umweltschutz streiten.

Es soll ein Mutmacher angesichts der Flut düsterer Krisen sein: Der Alternative Nobelpreis geht an drei Frauen aus Somalia und der Ukraine sowie an Initiativen in Venezuela und Uganda für „erfolgreiche neue Modelle für ein gesellschaftliches Miteinander“. Die Preisträger:innen hätten gezeigt, so die Stockholmer Stiftung Right Livelihood Award, dass „in Zeiten dysfunktionaler und zerfallender Ordnungen ein Systemwandel möglich und nötig ist“.

Die ausgezeichneten Aktivitäten reichen von der Verteidigung der Menschenrechte über Klimagerechtigkeit, Entmilitarisierung, Verfolgung von Kriegsverbrechen bis zum Einsatz für gerechtere Wirtschaftsmodelle und der Verhinderung geschlechtsspezifischer Gewalt. Stiftungsdirektor Ole von Uexküll kommentiert: „Angesichts des Versagens von Regierungen und des Zusammenbruchs bestehender Ordnungen schaffen sie neue, auf den Menschen ausgerichtete Systeme.“

Ukraine

Erstmals geht der 1980 gestiftete „Right Livelihood Award“ mit der Juristin Oleksandra Matwijtschuk in die Ukraine. Die 38-Jährige arbeitet als Vorsitzende des parallel ausgezeichneten Zentrums für bürgerliche Freiheiten (CCL) für die Durchsetzung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in ihrem Land. Auch ist sie bei der Dokumentation von Menschenrechts- und Kriegsverbrechen aktiv.

Nach der CCL-Gründung 2007 ging es zunächst um Menschenrechte und Demokratie in der von Korruption und autoritären Strukturen geprägten Ukraine. 2013 wurde das Zentrum bekannt durch Rechtshilfe nach der gewaltsamen Niederschlagung der Euromaidan-Proteste. Nach der russischen Krim-Invasion und den Kämpfen im Donbass 2014 begann CCL sofort vor Ort, politische Gefangene zu ermitteln.

Diese Aktivitäten sind seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 in allen besetzten Gebieten intensiviert. Zugleich beharren Matwijtschuk und CCL auf ihren Forderungen an die ukrainische Regierung nach demokratischen Strukturen und zur Verpflichtung auf global geltende Menschenrechtsregeln. Dazu gehört die von Präsident Wolodymyr Selenskyj 2019 versprochene, aber weiter ausstehende Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.

Fartun Adan (r.) und ihre Tochter Ilwad Elman, somalische Menschenrechtsverteidigerinnen.
Fartun Adan (r.) und ihre Tochter Ilwad Elman, somalische Menschenrechtsverteidigerinnen. © dpa

Somalia

Die 53-jährige Somalierin Fartuun Adan und ihre 19 Jahre jüngere Tochter Ilwad Elman erhalten den Alternativen Nobelpreis als „Menschenrechtsverteidigerinnen, die gemeindenahe Projekte zur Friedenskonsolidierung leiten und damit marginalisierten Gruppen lebensrettende Unterstützung bieten“. Mit ihrer Organisation Elman Peace arbeiten sie für die Resozialisierung ehemaliger Kindersoldat:innen und bieten Frauen und Jugendlichen Berufsbildung. Sie setzen damit auch die Arbeit des 1996 ermordeten Ehemanns und Vaters Elman Ali Ahmed fort.

Als Erfolg von Elman Peace hebt die Stockholmer Stiftung die Ausweitung durch das Netzwerk Peace by Africa mit mehr als 60 Organisationen auf dem Kontinent heraus. Fartuun Adan musste nach der Ermordung ihres Mannes mit der kleinen Tochter nach Kanada fliehen. 2006 kehrte sie zurück, 2010 folgte die Tochter. In dem von Bürgerkrieg und Terror schwer heimgesuchten Somalia haben beide auch ein Netzwerk von Krisenzentren für Überlebende von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt aufgebaut.

Aktivistin Lizeth Carolina Vargas Cambero, Venezuela.
Aktivistin Lizeth Carolina Vargas Cambero, Venezuela. © dpa

Venezuela

Die Organisation wird als „Leuchtturminitiative“ ausgezeichnet „für alle, die nach alternativen ökonomischen Ansätzen suchen“. So begründet die Stiftung den Preis für das Netzwerk Cecosesola in Venezuela. Es organisiert die Produktion und Verteilung von erschwinglichen Waren und Dienstleistungen für mehr als 100 000 Familien in dem südamerikanischen Land.

Umweltschützer Dickens Kamugisha aus Uganda.
Umweltschützer Dickens Kamugisha aus Uganda. © dpa

Uganda

Das in Ugandas Hauptstadt Kampala ansässige „Africa Institute for Energy Governance“ (Afiego) setzt sich für die Rechte Betroffener von umweltschädlichen Energieprojekten ein. Hintergrund sind Ölvorkommen in Uganda, die zu Landraub, Vertreibung und Zerstörung geführt haben. Afiego-Geschäftsführer Dickens Kamugisha sagt zum Alternativen Nobelpreis: „Wenn die Regierung weiß, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, die unsere Arbeit für richtig halten, überlegt sie es sich zwei Mal, ob sie uns oder unsere Gemeinschaften angreift.“

Die vier Preise sind mit je einer Million Kronen (91 000 Euro) dotiert und werden am 30. November in Stockholm überreicht. Zu den bisher Ausgezeichneten gehören auch der kongolesische Menschenrechtler und spätere Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

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