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Alternativer Nobelpreis 2021: Ehrung für Mut und Visionen

  • Thomas Borchert
    VonThomas Borchert
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Aktive aus Kamerun, Indien, Kanada und Russland erhalten den Alternativen Nobelpreis 2021. Die Jury sendet damit politische Mahnungen an die Mächtigen der Welt.

Eine Ehrung für unerschrockene persönliche Initiative, Geschicklichkeit, Ausdauer und erfolgreichen Zusammenhalt: Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr an zwei Aktivistinnen aus Kamerun und Kanada, einen russischen Umweltschützer und an eine indische Basis-Initiative.

„Wir heben damit den Mut von Menschen heraus, der unerlässlich ist für die Durchsetzung von Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, sagte der Direktor der Stiftung Right Livelihood, Ole von Uexküll, bei der Bekanntgabe der Geehrten in Stockholm. Sie hätten durch „visionären Mut“ gezeigt, wie man andere Menschen aktiv mobilisiert, und mit ihren Erfolgen gezeigt, „was eine Zivilgesellschaft alles erreichen kann“.

Alternativer Nobelpreis 2021 für Einsatz gegen sexuelle Gewalt an Kindern

Die Juristin Marthe Wandou (58) aus dem westafrikanischen Kamerun erhält einen der mit umgerechnet jeweils 98 500 Euro dotierten Preise für den erfolgreichen Schutz von mehr als 50 000 Kindern vor sexueller Gewalt vor allem durch die Islamisten der Boko-Haram-Sekte. Der Norden Kameruns sei durch die Arbeit Wandous und ihrer Organisation Aldepa ein „sicherer Ort für Kinder“ geworden, hieß es in der Preisbegründung.

Zum Grundkonzept von Adelpa gehören die Mobilisierung ganzer Gemeinden sowie auch die psychosoziale Betreuung für die Opfer organisierter sexueller Gewalt. Im Zentrum stehen dabei die Schaffung von Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen.

Russischer Umweltaktivist für Engagement gegen Umweltbelastungen ausgezeichnet

Als „phänomenal erfolgreichen Vorkämpfer für den Ausstieg aus der Kohle“ zeichnet die Stiftung den russischen Umweltaktivisten Wladimir Sliwjak aus. Der 48-Jährige habe durch seinen Einsatz in der von ihm mitbegründeten Organisation Ecodefense über drei Jahrzehnte gezeigt, dass „sogar im autoritären Russland Basisaktivitäten wirkungsvoll regierungsamtliche Projekte herausfordern können“.

Beispiele seien der rapide gewachsene lokale Widerstand gegen die Belastungen durch Kohlekraftwerke und den Transport von Kohle in verschiedenen Teilen Russlands. „Unser Preis ist zwei Monate vor der Klimakonferenz in Glasgow ein dringender Appell an alle Staaten mit Kohleförderung,“ erklärte von Uexküll. Sliwjaks Kampagnen richten sich auch gegen die mächtige Nuklearindustrie in seinem Land.

Die kamerunische Juristin Marthe Wandou ist eine von vier Preisträgern.

Als Kämpferin für die Rechte ihres indigenen Volkes, der Wet’suwet’en, erhält die Kanadierin Freda Huson (57, auch Howihkat genannt) einen Alternativen Nobelpreis. Neben dem Widerstand gegen – so die Preisbegründung – „zerstörerische Pipeline-Pläne“ durch das traditionelle Territorium ihres Volkes arbeitet Huson vor allem an der Rückeroberung der brutal zerstörten und mit Vertreibung verbundenen traditionellen Kultur. Huson sagte zum Preis aus Stockholm, die konventionellen Schulen in Kanada hätten versucht, das Indianische in den Kindern zu tilgen. „Wir wollen es ihnen und den anderen Menschen unseres Volkes zurückbringen.“

Die 2005 von den Anwälten Ritwick Dutta und Rahul Chowdhury gegründete indische Umweltorganisation Life (Legal Initiative for Forest and Environment) wird für ihre „innovativen Gesetzesinitiativen“ bei gleichzeitig erfolgreicher Mobilisierung von Bürger:innen ausgezeichnet. Als Beispiel nannte die Jury den erfolgreichen Widerstand gegen die vom britischen Vedanta-Konzern geplante Aluminiumproduktion im Bundesstaat Odisha. Dort hätten lokale Protestaktionen schließlich zu einem „wegweisenden Urteil“ durch Indiens Höchstes Gericht geführt, wonach die Zustimmung der jeweils örtlichen Bevölkerung zur Durchführung derartiger Projekte einzuholen sei.

Alternativer Nobelpreis als Kritik an traditionellem Nobelpreis

Die Alternativen Nobelpreise werden seit 1980 vergeben und verstanden sich zunächst ausdrücklich als Kritik an den traditionellen Nobelpreisen wegen der dort klaren Dominanz westlicher, männlicher und in etablierten Machtstrukturen verankerter Preisträger. In diesem Jahr gingen aus 89 Ländern 206 Nominierungen in Stockholm ein. Zu bisher auch im Westen bekannten Preisträger:innen gehören die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg (2019), der im russischen Exil lebende US-Whistleblower Edward Snowden (2014) und die 2002 verstorbene Autorin Astrid Lindgren (1994).

Vize-Vorsitzende der internationalen Jury ist Monika Griefahn, bekannt geworden als Mitbegründerin von Greenpeace und als SPD-Politikerin. In der kommenden Woche werden in Stockholm und Oslo dann auch die traditionellen Nobelpreise für dieses Jahr verkündet. Als Favorit für den Friedensnobelpreis gilt wegen der Corona-Pandemie die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Rubriklistenbild: © dpa

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