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Alles ist in Bewegung

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Von: Peter Rutkowski

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Kleine Frontereignisse fördern den Wandel im Großen. Russland verliert mit jedem Fußbreit Boden an taktischer, strategischer und politischer Beweglichkeit. Und das ist nicht das Ende.

Der 229. Tag der russischen Invasion der Ukraine scheint einer dieser Tage zu sein, an denen nichts Erwähnenswertes an den Fronten geschieht – und alles Leid, aller Horror sich dort niederschlägt, wo man sonst „das sichere Hinterland“ verortet (siehe nebenstehenden Bericht). Was an diesem Montag nicht erwähnenswert erscheint, beinhaltet neben kleinen, aber keinesfalls bedeutungslosen Bewegungen an den Fronten ungezähltes, unbemerktes menschliches Leid. Nur um nochmal daran zu erinnern…

Und was bewegt sich an den Fronten? Tatsächlich bewegt sich dort alles weiterhin so wie schon in den vergangenen Tagen: Im Abschnitt Charkiw stoßen ukrainische Kräfte östlich des Oskil vor, während parallele Gegenstöße ihrer Gegner weiter südlich abgewiesen werden. Die Ukrainer würden eigentlich Gefahr laufen, ihre eigene Front zu „überdehnen“ und damit sich der Gefahr von Flankenangriffen auszusetzen. Aber die offenbar vom politischen Moskau georderten sinnlosen Vorwärtsbewegungen schwächen die längst verbrauchten russischen Einheiten nur mehr. Und je weiter die ukrainischen Streitkräfte entlang der internationalen Grenze nach Osten drängen, umso weniger kann die russische Seite ihre Front versorgen.

Im Süden bei Cherson, in dem Gebiet links des Dnipro-Ufers bis zu dessen Mündung ins Schwarze Meer werden ebenfalls von Kiew Geländegewinne gemeldet. Das taktische Prinzip scheint das gleiche wie bei Charkiw, nur geht es dort nach Süden statt nach Osten. Weshalb russische Einheiten ihre Stellungen aufgeben, bevor sie abgeschnitten oder gar eingekesselt werden. Da Kessel für beide Seiten extrem verlustreich sein können, reicht es den Ukrainern, die Invasoren zu vertreiben.

Aber bei all dem Tun in Nord und Süd übersieht man die Mittelfront. An der scheint nichts zu geschehen. Scheint. Aber südlich von Marjinka und Donezk wird auch gekämpft. Und dort könnte ein vielleicht wagnisreicher – aber wenn erfolgreich, dann gigantischer Propagandacoup gelingen: Wenn die Ukrainer die Fernstraße N20 unter ihre Kontrolle brächten, wäre der Weg nach Mariupol frei. Und das besetzte Gebiet derart zweizuteilen, könnte ein strategischer Vorteil werden.

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