China

Alles nur gekauft

  • Marina Kormbaki
    vonMarina Kormbaki
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Wie sich China nun als Retter Europas geriert.

Jetzt, da China nach Bekunden seiner Führung aus dem Gröbsten der Corona-Epidemie heraus ist, kennt Pekings Hilfsbereitschaft keine Grenzen. Diesen Eindruck erwecken Nachrichten und Bilder, die staatliche chinesische Medien und Regierungsstellen in Dauerschleife verbreiten. Demnach ist Hilfe aus China dieser Tage besonders in einer Weltgegend gefragt: in Europa.

Ärzte für Italien, Schutzmasken für Belgien, 80 000 Corona-Tests für Deutschland: China tritt in der Pandemie als mächtiger Helfer Europas in Erscheinung. Italien und Spanien, wo die Gesundheitsversorgung angesichts stark steigender Patientenzahlen zu kollabieren droht, nehmen das Hilfsangebot bereitwillig an. Zumal in einer Zeit, da die EU-Nachbarn auf Ausfuhrverbote für Medizingüter und einseitige Grenzschließungen setzen.

Serbiens Ministerpräsident drückte seinen Frust klar aus: „Es gibt keine europäische Solidarität“, sagte Aleksandar Vucic. Er habe daher Chinas Präsidenten Xi Jinping um Hilfe gebeten und „ihm unsere ewige und eiserne Dankbarkeit versichert“. Wo Europa Solidarität vermissen lässt, springt China ein. Die Corona-Krise könnte Pekings Einfluss in Europa erheblich vergrößern.

Lucrezia Poggetti vom Merics-Institut für China-Studien in Berlin mahnt zur Wachsamkeit. „Peking hat eine große Propaganda-Kampagne gestartet, um die europäische Öffentlichkeit von Chinas Versäumnissen im Umgang mit dem Coronavirus abzulenken“, sagt Poggetti. Dank der in großen Mengen verfügbaren Hygieneartikel wisse sich Chinas Regierung als Retter in der Not zu inszenieren: „Es geht um den Ausbau von Soft Power – in der Hoffnung, dass sie sich in Zukunft geopolitisch auszahlt.“

Die Forscherin hat einen genaueren Blick auf die aus China verschickten und verschifften Hilfsgüter geworfen. Dabei handelt es sich meist nicht um staatliche Spenden, sondern um solche des Chinesischen Roten Kreuzes oder von Konzernen wie dem Online-Riesen Alibaba. „Viele der aus China verschickten medizinischen Güter sind nichts weiter als Güter, die europäische Staaten gekauft haben“, sagt Poggetti. Dennoch dürfte sich das Bild von China als Retter bei vielen Europäern nun festigen.

Jürgen Trittin (Grüne) sieht Peking eine Lücke füllen: „Das muss man anerkennen – auch wenn nichts ohne geostrategische Hintergedanken geschieht“, sagt er. Und gibt zu Bedenken: „Wer China nicht in Europa will, muss in Europa solidarischer handeln.“

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