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#allesaufdentisch: Schauspieler Wotan Wilke Möhring im Gespräch mit Anwalt Joachim Steinhöfel.
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#allesaufdentisch: Schauspieler Wotan Wilke Möhring im Gespräch mit Anwalt Joachim Steinhöfel.

Kommentar

#allesaufdentisch - Wotan Wilke Möhring über Corona-Debatte: „Wir sehen uns bei der Zensur“

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Erst wollten sie „alles dicht machen“. Nun soll „alles auf den Tisch“. Hier lesen Sie, was sich die Corona-Kritiker:innen in ihren Videos zurechtschwurbeln. Ein Kommentar.

Update vom Samstag, 2.10.2021: Wotan Wilke Möhring war ebenso wie Volker Bruch bereits bei #allesdichtmachen aktiv. Nun spricht er mit Joachim Steinhöfel, einer der von #allesaufdentisch ausgewiesenen „Experten“, über Meinungsfreiheit. Warum ausgerechnet mit ihm? Steinhöfel ist Anwalt für Medienrecht, zu seinen Mandantinnen zählen unter anderen Birgit Kelle, Matthias Matussek, Akif Pririnçci und der Bundesvorstand der AfD. Als Autor beziehungsweise Gastautor ist er für „Die Achse des Guten“ und „Tichys Einblick“ tätig. Dies nur zur politischen Einordnung.

Über „Meinungsfreiheit und Zensur“ wolle man sprechen, steigt Möhring ein und beteuert, „persönlich“ an die Meinungsfreiheit zu glauben. Bei der #allesdichtmachen-Aktion ist er jedoch auf Probleme gestoßen, weil die Aktion „für viele über dieses Meinungsäußerungsgebaren hinausgeschossen“ sei. Und das, obwohl es sich um eine „Kunstaktion“ gehandelt habe. Damit suggeriert er, er sei in seiner Meinungsfreiheit beschnitten worden, was natürlich nicht der Fall war. Doch zunächst erklärt Steinhöfel dem interessiert dreinblickenden Schauspieler, was Meinungsfreiheit eigentlich meint, um dann auf die „Hassrede“ zu verweisen. Ein „schwammiger“ Begriff, der gemäß Steinhöfel mit dazu beitrage, dass die Leute nicht mehr sagen, was sie eigentlich sagen dürfen.

#allesaufdentisch - Schauspieler Wotan Wile Möhring findet es subjektiv, wann Hass anfängt

Keine Ahnung, in welcher Sphäre sich Herr Steinhöfel aufhält. Das Netz ist nämlich voll von Aussagen, die man mit „Hassrede“ umschreiben könnte und in denen die „Leute“ sehr wohl sagen, was sie denken. Möhring wirft ergänzend ein, dass es eh eine Frage des „Geschmacks“ sei, ob eine Meinung einem gefällt oder nicht. Und überhaupt sei subjektiv, wann „Hass anfängt“. Außerdem „haben wir doch diese Rechtssicherheit“. Steinhöfel klärt auf: Die Bevölkerung sei laut Allensbach-Umfrage der Meinung, dass es um die Meinungsfreiheit schlecht bestellt sei. Das sei das Klima.

Zurückzuführen sei das auch auf „Narrative wie Alternativlosigkeit“: „Den Diskurs praktisch zu verbieten und zu delegitimieren - Alternativlosigkeit heißt: Alles, was alle anderen sagen, ist nicht legitim“, aber: Der „Streit um die Lösung ist das Wesen einer Demokratie“. Puh, wo anfangen? Erstens wurde kein Diskurs verboten, auch wenn das immer wieder aus der Ecke der selbsternannten „Querdenker“ kolportiert wird. Wäre er „praktisch“ verboten, wären die 50 Filmchen längst gelöscht. Und zweitens bedeutet Alternativlosigkeit nicht die Delegitimierung anderer Meinungen. „Alternativlosigkeit“ begründet, wie auch immer man dazu stehen mag, eine politische Handlung wie die Corona-Notbremse, worauf hier abgezielt sein dürfte.

#allesaufdentisch: Steinhöfel vertritt Akif Pririnçci

„In den Bereich der Zensur“ sei man im Fall von Jan Josef Liefers gekommen, als ein (sic) WDR-Rundfunkrat das Ende der Zusammenarbeit mit dem Schauspieler eingefordert hatte. Nein, hier ist nicht von „Zensur“ zu sprechen, wie Möhring suggeriert, denn Liefers hat seinen #allesdichtmachen-Beitrag geleistet und ist als semiwitziger „Tatort“-Kommissar nicht abgesetzt. Möhring setzt gezielt Keywords, um in die Zensur-Richtung zu lenken.

„In einem Rechtsstaat hat jeder das Recht auf einen Anwalt“, scheint sich schließlich Steinhöfer zu rechtfertigen, und ihm ist hier selbstverständlich zuzustimmen. Dennoch hat natürlich auch jeder Anwalt das Recht, sich seine Mandanten auszusuchen. Wer aber beispielsweise einen Akif Pririnçci vertritt, der wegen Volksverhetzung („Moslem-Müllhalde“, „Kinderfickerpartei“) verurteilt wurde, muss sich gefallen lassen, dass die Mandantenauswahl entsprechend gedeutet wird.

#allesaufdentisch - Pseudoironie und das Keyword der Zensur

Fazit: „Wir sehen uns bei der Zensur“, artikuliert Möhring am Schluss seines Beitrags pseudoironisch, weil er natürlich final sein Keyword unbedingt noch einmal unterbringen muss. Steinhöfel sagt teilweise vernünftige Sachen, nämlich, wenn er von dem Sperr-Aktionismus beispielsweise auf Facebook spricht, wo eben häufig nicht zwischen tatsächlicher Hassrede und legitimer Meinungsäußerung unterschieden wird. Allerdings werden auch in diesem Gespräch Inhalte kolportiert, die eine Debatte auf die Basis diverser Verschwörungserzählungen stellen. Und dann wird es halt schwierig, eine zu führen.

Volker Bruch, in Sachen „Corona-Politik“ ja schon länger öffentlichkeitswirksam unterwegs.

#allesaufdentisch - Schauspieler Volker Bruch: Corona-Faktenchecks als Volksverdummung

Update vom Freitag, 1.10.2021: Volker Bruch ist in Sachen „Corona-Politik“ ja schon länger öffentlichkeitswirksam unterwegs. Wer ihn als Schauspieler nicht kannte, kennt ihn als Vertreter von „allesdichtmachen“.

#allesaufdentisch ist der Versuch, den ersten Flopp mit selbst auserkorenen Experten anzureichern, die dann halt sagen, was selbst ernannte Experten so sagen: Der deutsche Journalismus ist im Keller, keine Unterscheidung von Meinung und Bericht. Und natürlich völlige einseitige Berichterstattung. Da musste dann der Herr Matuscheck die Schweizer Schauspielerin Isabell Barth als Statistin inszenieren, die ihren Part als Corona-Medien-Naivchen glänzend gemeistert hat.

Schauen wir auf Volker Bruch. Der TV-Star legt nach und erwähnenswert ist hier: Jan Josef Liefers ist an diesem Projekt nicht beteiligt. Und Til Schweiger auch nicht. Bruch hingegen spricht mit dem Kommunikationswissenschaftler Meyen zum Thema: „Faktencheck“.

#allesaufdentisch: Gesteuerte Presse vom Weißen Haus oder Kanzleramt – Frage der Perspektive

Und jetzt die spannende Frage: „Seit wann gibt es Faktenchecker?“ Sehr lange schon, also bereits vor Corona; Herr Bruch, aber der will ja auf was ganz anderes hinaus. Lustigerweise auf die ganz große Verschwörungserzählung, denn Meyen verweist auf 9/11, wo Faktenerzähler ihre Funktion dahingehend sahen, der Regierung in ihrer Kommunikation auf die Finger zu schauen. Er bleibt schwammig, aber die Botschaft kommt an. Gesteuerte Presse vom Weißen Haus oder Kanzleramt – je nach Perspektive.

Die Teilnehmer:innen der Aktion #allesaufdentisch haben zahlreiche weitere Videobeiträge angekündigt.

#allesaufdentisch: „Faktencheck gekapert“ von der bösen staatsgetreuen Presse

Dann wurde angeblich der „Faktencheck gekapert“, und zwar von der bösen staatsgetreuen Presse, die die Realisierung der Vorhölle als Aufstieg begreift. Meyen erzählt von Faktencheckern, er redet viel, verliert den Faden, und will eigentlich nichts anders kommunizieren, als dass Faktenchecker in Punkto Corona-Leugner einfach nicht wahrhaftig sind. Oder wirklich. Oder wahr.

Letztlich geht es um die Definition von Wahrheit, beziehungsweise darum, dass Fakten, wissenschaftlich begründet, halt gar keine sind. Dass Faktenchecks letztlich nichts anders sind als Volksverdummung. Gut, dass Bruch uns zeigt, dass man mit Blödsinn in den Medien landet. Hier wird der Faktencheck als Instrument diskreditiert, weil dieser den Blödsinn von Corona-Relativierern häufig aufgedeckt hat.

#allesaufdentisch: Schauspieler Wotan Wilke Möhring und Volker Bruch mit wirrer Corona-Kritik

Erstmeldung vom Donnerstag, 30.09.2021: Frankfurt - Sicher erinnern Sie sich noch an die Online-Aktion #allesdichtmachen, als Ende April 2021 fünfzig Schauspieler:innen und zwei Regisseure in kurzen Videos den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit der Corona-Pandemie kommentierten. Die Aktion bekam nicht nur Beifall, sondern wurde teils auch scharf kritisiert. Beispielsweise wurde #allesdichtmachen vorgeworfen, sich den sogenannten „Querdenkern“ anzudienen und Corona-Maßnahmen als auch Covid-19-Patient:innen zu verhöhnen.

Keine fünf Monate später melden sich einige der Protagonist:innen zurück; weitere Künstler:innen sind nun hinzugekommen. Veröffentlicht wurde die neue Aktion von dem Autor und Journalisten Milosz Matuschek. Der war noch im September 2020 als Kolumnist bei der NZZ aktiv, bis seine Kolumne „Was wenn am Ende ‚die Covidioten‘ Recht haben?“ mit seinem Einverständnis auf der Seite des Verschwörungserzählers Ken Jebsen veröffentlicht wurde. Der Sozialwissenschaftler Marko Ković hatte die Kolumne seinerzeit als „recht hanebüchene Corona-Beschwichtigung“ bezeichnet.

Neue Videoreihe #allesaufdentisch mit wirrer Kritik an Corona-Maßnahmen und Medien

„Es reicht: Wir müssen reden“, heißt es jetzt auf der Webseite von Matuschek. „Bekannte Schauspieler und Künstler sprechen mit Experten, die bisher in der öffentlichen Meinungsbildung zu wenig Gehör gefunden haben. Die Themen sind breitgefächert, doch alle verbindet eine handfeste Forderung: Es muss endlich #allesaufdentisch“, wird das Projekt näher erläutert. Er selbst liefert einen Beitrag mit der Schauspielerin Isabell Barth gleich mit und beruft sich dabei selbst zum Medienexperten. Thema: Corona und die Medien.

„Wie frei sind sie als Journalist?“, fragt Barth Gesprächspartner Matuschek. Dass die Frage die Unfreiheit der Medien impliziert, erinnert an die Unterstellung der „Querdenker“, Medien seien vom Staat und der Wirtschaft gesteuert. Kolportiert wird, dass „wir eine Krise des Journalismus haben und eine Krise des Systems“. Der Journalismus würde bezüglich kritischer Berichterstattung hinterherhinken.

Schauspieler Volker Bruch war bei #allesdichtmachen mit dabei.

Meinungsäußerung in Gefahr? Interview mit umstrittenem Anwalt bei #allesaufdentisch

Mit im Boot sind auch der Schauspieler Wotan Wilke Möhring, bekannt als Tatort-Kommissar, und Volker Bruch („Babylon Berlin“). Beide kennt man, wenn nicht aus dem TV, dann von #allesdichtmachen. Gerade Bruch hatte die Aktion im Nachgang immer wieder verteidigt. Und passend zum Thema Medienkritik schlüpfen auch hier die Schauspieler in die Rolle der Journalist:innen und befragen Menschen, die als Experten vorgestellt werden.

Möhring spricht dazu mit dem bekannten Juristen Joachim Steinhöfel, der bereits seit 2018 gegen Sperrungen von Nutzerkonten in den sozialen Medien sowie die Verbreitung von Faktenchecks vorgeht, da diese das Grundrecht der freien Meinungsäußerung bedrohten. Seine eigenen Publikationen, etwa zum Thema Geflüchtete und Asylpolitik, wurden von diversen Medien bereits mehrfach auf ihre Fakten überprüft und häufig als kritisch eigeordnet. „Die Frage, was wahr, falsch, richtig oder unrichtig ist“, sollte dem politischen Diskurs überlassen bleiben, hatte Steinhöfel einst laut Medienberichten gefordert.

„Experte“ gegen Faktenchecks: Wissenschaftler kritisiert bei #allesaufdentisch Anspruch auf Wahrheit

Steinhöfels These im Gespräch mit Möhring ist, dass zunehmend verwendete Begriffe wie „Hassrede“ dafür sorgten, Menschen in ihrer freien Meinungsäußerung einzuschränken. Auch kritisiert er, die Politik würde die Justiz instrumentalisieren, etwa wenn das Bundesinnenministerium ankündige, gegen Hass und Hetze vorzugehen. Steinhöfel sähe darin ein Ministerium, das es sich erlaubt „Leuten zu suggerieren, sie sollen nicht mehr ihre Rechte aus Artikel 5 wahrnehmen“.

Der Schauspieler Wotan Wilke Möhring lässt seine Kinder nicht alles im Fernsehen angucken.

Als Kritiker von Faktenchecks springt im Interview mit Volker Bruch der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Michael Meyen als Experte ein, der erklärt, Faktenchecker seien eine „Reaktion auf das Versagen des Journalismus bei 9/11“ und die Mitglieder des International Factchecking Network, deren Faktenchecks etwa bei Facebook oder Google in Erscheinung treten. Bei den heutigen Faktencheckern geht es seiner Einschätzung nach vor allem darum, die Deutungshoheit über ein Thema zu bekommen. Sein größter Kritikpunkt an Faktenchecks: Wahrheit und Fakten seien grundsätzlich menschengemacht, Faktenchecks solle man sich deshalb also am besten sparen. (Katja Thorwarth)

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