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Herzogin Kate und Prinz William in Polen: Aus dem Land stammen Hunderttausende Menschen, die heute in Großbritannien leben. Sie fürchten sich vor dem Brexit.
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Herzogin Kate und Prinz William in Polen: Aus dem Land stammen Hunderttausende Menschen, die heute in Großbritannien leben. Sie fürchten sich vor dem Brexit.

Royals zu Besuch

Vor allem vom Brexit ablenken

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Mit Kind, Charme und Small Talk: Das Geschäft royaler Süßholzraspelei fällt nun in den Aufgabenbereich von Prinz William und Herzogin Kate. Heute landen sie in Berlin.

Dieser Unternehmung gebührt ein dreifaches B. „Britisch“ ist die Diplomatie auf jeden Fall, das bringt die Tatsache mit sich, dass da vier Mitglieder der Windsor-Dynastie auf Reisen gehen. Von „Brexit-Botschaftern“ sprechen die Londoner Boulevardblätter, was den Zweck in kühler Sachlichkeit beleuchtet: Beim Besuch in Polen und Deutschland soll das Prinzenpaar William und Catherine Cambridge diese Woche mit freundlichen Auftritten und schönen Bildern den chaotischen Eindruck wettmachen, den die Politik Großbritanniens derzeit bietet. 

Begleiten lassen sie sich dabei von ihren Kindern, dem knapp vierjährigen George und Charlotte, 2, wodurch sich das dritte B erklären lässt: „Britische Baby-Brexit-Diplomatie“. 

Mag sein, dass sich die beiden Mini-Royals die Bezeichnung als Baby empört verbitten würden. Babys, das sind doch diese völlig hilflosen kleinen Würmer, finden Kleinkinder, als die sich Charlotte und George nun gewiss schon fühlen. Andererseits trifft das Baby-Attribut ganz gut die Vorgehensweise des Londoner Foreign Office: Seit der Brexit-Entscheidung vor Jahresfrist müssen die Windsors unterschiedlicher Generationen unentwegt in eines der 27 EU-Partnerländer reisen, um dort für gut Wetter zu sorgen. 

Ganz naiv, ja geradezu babyhaft setzen die Diplomaten Ihrer Majestät auf den royalen Glamour. Was Außenminister Boris Johnson mit blöden Sprüchen und Brexit-Minister David Davis mit völlig unzureichender Verhandlungsplanung vermasseln, sollen der Charme des Thronfolgers Charles, die stupenden Pferde-Kenntnisse seiner Schwester Prinzessin Anne, einfühlsame Reden von Kate und William oder eben kleine Streiche der Mini-Royals ausgleichen.

Das schwere Geschäft royaler Süßholzraspelei

Als der Premierminister David Cameron vor zwei Jahren die Deutschen umschmeicheln wollte, um auf diese Weise den Brexit zu vermeiden, schickte er noch die Königin höchstselbst auf Staatsbesuch. Doch Elizabeth II, 91, reist immer seltener, nicht zuletzt mit Rücksicht auf den 96-jährigen Prinzgemahl Philip. Und so übernehmen denn die drei nachfolgenden Generationen das schwere Geschäft royaler Süßholzraspelei.

Thronfolger Charles und seine Gattin Camilla, die an diesem Montag ihren 70. Geburtstag feierte, absolvierten im Frühjahr eine Visite in Rumänien, Italien und Österreich. Dazu muss man wissen, dass Wien in der zweiten Jahreshälfte 2018 den EU-Vorsitz führt, also genau zu jener Zeit, wenn die Gemeinschaft die Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen absegnen muss.

Für Kate und William stand im März Paris auf dem Plan, allerdings ohne Kinder. Ob dieses Versäumnis der Grund dafür ist, dass die Franzosen unter ihrem neuen Präsidenten Emmanuel Macron so energisch Banken aus der City of London abwerben wollen? Oder hat die Besuchsdiplomatie natürliche Grenzen, wo es um handfeste wirtschaftliche Interessen geht? 

Mittagessen, Höflichkeitsbesuch und Gartenparty

Ähnliches Risiko wollten die beiden 35-Jährigen diesmal jedenfalls nicht eingehen, schließlich gilt diese Woche die Reise den Hauptstädten zweier EU-Partner, die aus Londoner Sicht mindestens so wichtig sind wie die Grande Nation: Polen und Deutschland. 

Aus dem mittelosteuropäischen Partnerland sind seit dessen EU-Beitritt 2004 mehrere Millionen Menschen auf die Insel gekommen, um dort zu leben und zu arbeiten. Hängengeblieben sind nach jüngster Zählung des Londoner Unterhauses rund 912 000, andere Schätzungen sprechen von mindestens 1,2 Millionen. Freilich haben der Verfall des Pfundes sowie die ausländerfeindliche Stimmung, nicht zuletzt der bestialische Mord an einem Polen in Harlow, dafür gesorgt, dass der Zuzug aus Warschau, Breslau und Danzig deutlich weniger geworden ist.

Nach den Stationen in Warschau und Danzig kommt das royale Quartett samt allerlei Betreuungspersonal am Mittwoch nach Berlin. Ein Mittagessen bei Kanzlerin Angela Merkel, ein Höflichkeitsbesuch bei Präsident Frank-Walter Steinmeier, abends eine Gartenparty in der britischen Botschaft – angeblich machen sonst eher abgebrühte Berlinerinnen, die für das Ereignis eine Einladung ergattert haben, schon seit Wochen die Hutgeschäfte der Hauptstadt unsicher, um standesgemäß auftreten zu können. Und wer weiß: Vielleicht gibt es ja außer Fish&Chips auch einen Blick auf George und Charlotte zu erhaschen.

Hausherr Sebastian Wood macht pflichtgemäß vorab schon auf Begeisterung und schwärmt von der Jahrhunderte alten Beziehung zwischen den beiden Ländern. Vielleicht wird der Besuch der jungen Prinzen ja zu einem ähnlich „unvergesslichen Erlebnis“ werden wie den Worten von Woods Vorgänger zufolge die Queen-Visite vor zwei Jahren. Offenbar müssen Diplomaten so reden, jedenfalls wenn sie dem Foreign Office angehören. 

Kate und William wollen auf benachteiligte Kinder hinweisen

Inhaltlich nutzen William und Kate ihren Besuch dazu, auf die Anliegen benachteiligter Kinder sowie psychisch Kranker hinzuweisen. Besonders mit ihrer Werbung für mehr Offenheit gegenüber psychischen Störungen haben die jungen Royals in den vergangenen Monaten auf der Insel Furore gemacht. Sowohl William wie sein jüngerer Bruder Harry, 32, stützen sich dabei auf die Erfahrung eines eigenen Traumas: Der Unfalltod ihrer Mutter Diana jährt sich Ende August zum 20. Mal. Zum weiteren Besuchsprogramm gehören der Besuch des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, ein Konzert in der vielgerühmten Hamburger Elbphilharmonie und zwischendurch der allerkleinste Small Talk. 

Zu sehen ist für Polen wie Deutsche eine junge Familie im Umbruch: In diesem Sommer hängt William, Zweiter der Thronfolge, seinen erlernten Beruf als Pilot eines Rettungshubschraubers an den Nagel, um sich endgültig als Vollzeit-Royal in die Pflicht nehmen zu lassen. Genoss das Paar bisher noch die Abgeschiedenheit in Anglesey (Wales) und Schloss Sandringham (Grafschaft Norfolk), steht nun der Umzug in den West-Londoner Kensington-Palast an. Für George beginnt im September der Alltag in einer feinen Privatschule, während Charlotte sich zukünftig in einem Kindergarten vergnügen darf.

Aus Sicht des kleinen Prinzen, soviel dürfte feststehen, ist sowieso nichts am Besuchsprogramm in Polen oder Deutschland so aufregend wie der Tag nach der gemeinsamen Heimkehr am Freitag. An diesem Samstag feiert George nämlich seinen 4. Geburtstag. Und da die Großeltern Middleton bekanntlich einen Online-Vertrieb für Partys aller Art betreiben, wird es an Luftschlangen, Kartonagehütchen und sonstigem Firlefanz gewiss nicht fehlen.

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