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Der neue und der alte Ministerpräsident: Horst Seehofer und Günther Beckstein.

CSU-Chef und Ministerpräsident

Alle Macht für Seehofer

Die beiden letzten Konkurrenten um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten geben auf.

Von IRIS HILBERTH

München. Am Wochenende sah sich Horst Seehofer schon am Ziel. Aber er musste sich noch zwei Tage gedulden. Erst dann sollte ihm nach dem Posten des CSU-Chefs auch der des Bayerischen Ministerpräsidenten zugesprochen werden. Am späten Dienstagnachmittag war er dann endlich der einzige Kandidat. Die CSU-Landesleitung meldete, worauf viele schon so lange gewartet hatten: Joachim Herrmann und Thomas Goppel verzichten.

Alles hatte auf eine schnelle Entscheidung hingedeutet, darauf, dass seine Mitbewerber, Wissenschaftsminister Goppel und Innenminister Herrmann, von ihren Karriereplänen abrücken würden. Doch es wurde Dienstag, und der Mann, der schon von vielen auserkoren worden war, die CSU zu retten, wartete noch immer auf die endgültige Zusage.

Denn auch am Vormittag noch hatten Goppel, der Oberbayer, der aus Unterfranken stammt, und Herrmann, der Mittelfranke, der in München geboren wurde, einen Verzicht abgelehnt. Der scheidende Landtagspräsident Alois Glück aber war bereits davon überzeugt, dass es keine Kampfabstimmung bei der Sitzung der CSU-Fraktion am heutigen Mittwoch geben werde. Er erwartete eine Verständigung im Vorfeld darüber, wer Nachfolger Günther Becksteins werden soll. Eine Kampfabstimmung, so Glück, würde die CSU in eine "riskante Situation" bringen.

Die herrschte ohnehin schon. Am Wochenende befanden die Oberbayern, Horst Seehofers solle es richten. Sie sprachen sich als erste für den Bundeslandwirtschaftsminister aus. Und waren damit dem Wunsch des Ehrenvorsitzenden gefolgt. Edmund Stoiber hatte die durch das Wahlergebnis besonders gedemütigten Oberbayern hinter sich geschart, den schwachen Bezirkschef Siegfried Schneider instrumentalisiert und Rache an Beckstein genommen, der ihn 2007 gemeinsam mit Erwin Huber gestürzt hatte. Den mächtigen Oberbayern folgten die Niederbayern, die Münchener, die Oberpfälzer, dann schlossen sich auch die Schwaben an.

So konnte Herrmann fast nur auf seine Mittelfranken setzen. Und das war nicht besonders viel. Zumal sich der Nürnberger Markus Söder auch schon auf Seehofers Seite schlug. Für Goppel hatten sich wenigstens die Unterfranken ausgesprochen. Das mag ein bisschen daran gelegen haben, dass der Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel in Aschaffenburg geboren wurde.

Vor allem aber hatte das taktische Gründe. Wäre Goppel wider alles Erwarten tatsächlich Regierungschef geworden, so wäre er als potenzieller Nachfolger von Landtagspräsident Glück aus dem Rennen gewesen. Das wäre den Unterfranken deshalb zupass gekommen, weil sie auf diesem Sessel gerne ihre Würzburgerin Barbara Stamm sehen würden.

Die Oberfranken hingegen gaben sich zurückhaltend. Man wolle keine "landsmannschaftliche Zerreißprobe", so deren Bezirkschef Karl-Theodor zu Guttenberg. Allerdings: Trennung von Parteiführung und Ministerpräsidentenamt wollten sie schon.

So waren es zum einen die alten Gräben zwischen Nord und Süd, zwischen Altbayern und Franken, die der CSU mehrere Kandidaten bescherten. Dazu kamen persönliche Überlegungen der Beteiligten: Je später sie ihre Kandidatur zurückzögen, desto besser könnten ihre Postenchancen im Machtgefüge sein.

Anders kalkulierte Georg Schmid. Der hatte bereits am Freitag seine aussichtslose Kandidatur aufgegeben und gehofft, so seine Wiederwahl zum Fraktionschef sicherzustellen. Nun aber sieht es danach aus, als müsse Schmid auch diese Ambitionen begraben. Sein Rückhalt ist geschwunden, weil man ihm den Ärger mit dem Rauchverbot anlastet. Auch gelingt es ihm nicht, seine Truppen zusammenzuhalten. Als Beckstein seinen Rückzug erklärte, soll er einen schwachen Auftritt gehabt haben. Nun heißt es, Erwin Huber werde als Fraktionschef gehandelt. Nicht von der Fraktion, aber von Horst Seehofer.

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