In Miami in den USA werden nun zunehmend auch Wohnungslose getestet. Wer infiziert ist, bekommt eine Unterkunft gestellt.
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In Miami in den USA werden nun zunehmend auch Wohnungslose getestet. Wer infiziert ist, bekommt eine Unterkunft gestellt.

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Corona-Krise in den USA: Alle Macht den Gouverneuren

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
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US-Präsident Donald Trump präsentiert einen Plan für die Öffnung des Landes in der Corona-Krise – Verantwortung übernimmt er nicht.

Die Ankündigung klang bombastisch. „Das ist die mit Abstand größte Entscheidung meines Lebens“, hatte Donald Trump gesagt. Als Präsident der USA besitze er die „absolute Macht“, das Land trotz der Corona-Krise wieder zu öffnen: „Unsere Wirtschaft wird größer, besser und stärker als zuvor sein.“

Tatsächlich war es dann eine 18-seitige Folienpräsentation, die Trump am Donnerstagabend vorlegte. Von einem konkreten Zeitplan sind die Kriterien für eine stufenweise Aufhebung der Restriktionen in drei Phasen weit entfernt. Und bindend sind die Richtlinien auch nicht: „Sie bestimmen, was geschieht!“, sagte der Präsident in einer Telefonkonferenz an die Adresse der Gouverneure und delegierte damit die Verantwortung.

„Das wird ein wunderbares Puzzle“

Damit dürften die Ausgangsbeschränkungen, Geschäftsöffnungen und Reiseregelungen in den 50 Bundesstaaten demnächst noch weiter auseinanderfallen. Einige Regionen hätten „einen phänomenalen Job“ gemacht, sagte Trump und bezog sich damit auf Flächenstaaten wie Montana, North Dakota und Wyoming, die jeweils weniger als 500 bekannte Covid-19-Fälle und nur eine einstellige Zahl von Toten zu beklagen haben. Andere Staaten seien „nicht so gut in Form“ – ein Seitenhieb gegen New York mit mehr als 220 000 Infizierten und 16 000 Toten. Allerdings sind die von Trump gelobten Gebiete dünn besiedelt und haben kaum getestet.

Mit rund 680 000 Infizierten und mehr als 34 000 Toten sind die USA weltweit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen. Trotzdem setzt der Präsident nun auf einen regional gestaffelten Abbau der Präventionsbestimmungen. Schon in den kommenden Tagen könnten die ersten Bundesstaaten die Auflagen lockern. „Das wird ein wunderbares Puzzle“, sagte er.

Unter Leitung der Corona-Beauftragten Deborah Birx hat das Weiße Haus Kriterien erarbeitet, die sie den Gouverneuren an die Hand gibt. Die Leitlinien sehen den Abbau aller Einschränkungen des öffentlichen Lebens in drei Phasen vor. Voraussetzung ist, dass in der Region die Zahl der Neu-Infektionen 14 Tage lang rückläufig ist, genügend Krankenhausbetten zur Verfügung stehen und die Gesundheit der Belegschaft bei Rückkehr in die Fabriken oder Büros überwacht wird.

Drei Phasen vorgesehen

In der ersten Phase sollen Ältere sowie Menschen mit Vorerkrankungen weiter zu Hause bleiben. Versammlungen bleiben auf zehn Personen begrenzt. Aber Unternehmen können Teile ihrer Belegschaft zurück an den Arbeitsplatz holen. Restaurants und Kirchen dürfen öffnen, wenn der vorgeschriebene Abstand gewahrt wird. In der zweiten Phase könnten dann Schulen und Kindergärten öffnen. Versammlungen bis zu 50 Menschen gelten als unbedenklich. Die Reiseauflagen entfallen. Danach, in der dritten Phase, gelten die Hygieneregeln weiter. Ansonsten soll das Leben wieder normal laufen.

Für Bundesstaaten an der West- und Ostküste dürfte Trumps Vorstoß zunächst folgenlos bleiben. Kalifornien, Oregon und der Staat Washington haben vereinbart, im Gleichklang vorgehen zu wollen. Eine ähnliche Absprache gibt es zwischen New York, New Jersey und Connecticut. Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, hat die „Stay-at-home“-Verordnung gerade bis zum 15. Mai verlängert. Mindestens so lange gelten die Restriktionen auch in der Hauptstadt Washington. Der Agrarstaat Wisconsin hat seine strengen Auflagen sogar bis zum 26. Mai verlängert.

Antikörper-Tests stehen am Anfang

Demokratische Politiker kritisieren, dass Trump in der Corona-Krise öffentlich Entwarnungssignale aussendet, obwohl in vielen Bundesstaaten der Scheitelpunkt der Pandemie noch bevorsteht. Vor allem fehlt es an Möglichkeiten, die Bevölkerung hinreichend auf eine Infektion zu untersuchen und so frühzeitig Risiken zu erkennen. Bislang sind in den USA 3,5 Millionen Menschen getestet worden, also nur rund ein Prozent der Bevölkerung. In vielen Bundesstaaten werden Patienten erst getestet, wenn sie ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Antikörperuntersuchung steht landesweit ganz am Anfang.

Das haben auch Vertreter der Wirtschaft massiv kritisiert: Viele Manager halten eine Rückkehr ihrer Beschäftigten an den Arbeitsplatz erst für vertretbar, wenn sie wissen, wer infiziert war oder ist. Ohne massive Unterstützung der Washingtoner Regierung könnten die Bundesstaaten die Voraussetzungen dafür unmöglich schaffen, warnte New Yorks Gouverneur Cuomo: „Uns fehlen dazu schlichtweg die Kapazitäten.“

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