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Alle Jahre wieder

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Von: Michael Kopatz

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Werbung ist der stärkste Treiber für Überflusskonsum - auch zu Weihnachten.
Werbung ist der stärkste Treiber für Überflusskonsum – auch zu Weihnachten. © imago

Warum kaufen wir so viel Zeug, um Menschen zu beeindrucken? Ein Ausweg aus dem Luxuskonsum könnte ein Verbot von Werbung sein, die sich speziell an Kinder richtet. Die Kolumne.

Viele Großeltern haben in den vergangenen Wochen wieder verzweifelt nach einem Geschenk für ihre verwöhnten Enkel gesucht. Was soll man denn schenken, wenn die Spielzeugregale schon überquellen?

Einmal angenommen, pädagogisch ambitionierte Eltern machen nicht mit beim Konsumexzess und können auch die Verwandten davon überzeugen. Lieber wenige solide Spielsachen wie etwa Holzbausteine oder Puppen ohne Batterie. Smartphone erst ab 12 Jahren. Nachhaltige Kleidung. Weniger ist mehr. Spätestens in der Schule fühlen sich diese Kinder zurückgesetzt. Die anderen habe so geile Geschenke bekommen. Dieser Widerspruch ist für Kinder kaum auszuhalten.

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Warum kaufen wir so viel Zeug, um Leute zu beeindrucken? Warum schuften wir, um zu shoppen, wenn wir doch zugleich sicher wissen, dass die ganzen tollen Sachen uns nicht glücklicher machen?

Ein maßgeblicher Grund ist zweifellos die Werbung. Sie ist der stärkste Treiber für Überflusskonsum. Und ebenso schlicht ist auch die Gegenstrategie, die Begrenzung von Werbung. Auf diese Weise könnten wir uns effektiv und einfach vor den Folgen fehlgeleiteten Konsums schützen. Den Anfang könnte ein generelles Verbot von Werbung machen, die sich speziell an Kinder richtet. Zudem könnte eine EU-Richtlinie vorgeben, dass nur besonders klimafreundliche und leichte Autos im Fernsehen beworben werden dürfen.

Klingt verrückt? Für Tabak bereits Realität und zwar in der gesamten Europäischen Union. Denn wie soll ich meine Kinder vom Rauchen abhalten, wenn die Werbung überall suggeriert, wie cool die Inhalation von Tabak ist?

Über 22 Milliarden Euro gibt die deutsche Industrie jährlich für Werbung aus. Wie soll man da durch nachhaltige Bildung gegenhalten? Wie harmlos und naiv erscheint es da, wenn Lehrer auf klimafreundliche Formen der Mobilität hinweisen, während die Industrie zugleich auf allen Kanälen und Flächen für absurd schwere Autos mit 2,5 Tonnen und 350 PS wirbt?

Ich plädiere daher nicht für mehr Bildungsarbeit oder persönlichen Verzicht, sondern für Engagement gegen Werbung. Falls es mal eine Demo für Werbeverbote geben sollte, werde ich hingehen. Auch schön wäre mehr satirische Gegenwerbung wie etwa auf der letzten Seite des „Greenpeace-Magazins“. Ich habe darüber schon oft Tränen gelacht. Frohe Weihnachten!

Michael Kopatz ist Dezernent für Klimastrukturwandel in Marburg.

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