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Keine Kaltreserve: Alte AKWs werden nicht als Stromreserve dienen.
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Keine Kaltreserve: Alte AKWs werden nicht als Stromreserve dienen.

Atomkraft

Aus für alle Alt-AKW

Die Bundesnetzagentur will die acht stillgelegten Atomkraftwerke nicht für Stromengpässe nutzen. Stattdessen sollen konventionelle Kraftwerksblöcke im Südwesten die Stromversorgung sicherstellen.

Die Bundesnetzagentur will keines der acht stillgelegten Atomkraftwerke bis 2013 zur Überbrückung möglicher Stromengpässe im Winterhalbjahr nutzen. Statt eines Atommeilers sollen konventionelle Kraftwerksblöcke im Südwesten als Reserve dienen, wenn es im Winter wegen der Stilllegung von acht Atomkraftwerken zu Stromengpässen kommen sollte. Das gab der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Mittwoch in Berlin bekannt. Mit der Verabschiedung der neuen Energiegesetze hatte die Behörde den Auftrag erhalten, bis zum 1. September zu entscheiden, ob einer der im Zuge des Atommoratoriums stillgelegten Atomreaktoren zur Sicherung der Netzstabilität vorübergehend weiter in Bereitschaft gehalten werden soll.

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hatte sich zuvor bereiterklärt, die Erlaubnis zu erklären, dass in einem Kohlekraftwerk in Mannheim fünf statt bisher vier Blöcke gleichzeitig in Betrieb sein dürfen.

Zudem werde mit zwei weiteren Kraftwerkblöcken im Rhein-Neckar-Raum sichergestellt, dass genug Reserveleistung zur Verfügung stünden, betonte die Netzagentur. Damit ist das Aus für alle acht Meiler endgültig. Die Bundesländer hatten zuvor darauf gedrungen, auf ein AKW als „Kaltreserve“ zu verzichten.

Grünen legen Alt-AKW als Kaltreserve ab

Zuvor hatte es lebhafte Debatten darüber gegeben, wie Strom-Engpässe auf dem Weg zur Energiewende überwunden werden sollen. Die Grünen forderten die Bundesregierung auf, die von ihr als mögliche Notreserve bei Strommangel vorgesehen Alt-Atomkraftwerke einem intensiven vergleichenden Sicherheitscheck zu unterwerfen. „Es kann nicht sein, dass acht AKW stillgelegt werden, weil sie zu unsicher sind, eines davon dann aber einfach wieder ans Netz gehen darf“, sagte die Atomexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, der Frankfurter Rundschau.

Die acht Kraftwerke, die mit dem Fukushima-Moratorium abgeschaltet wurden, entsprächen sämtlich nicht dem Stand der Technik. „Wenn man überhaupt zu dieser Notmaßnahme greift, muss das technisch relativ beste AKW ausgesucht und vorher nachgerüstet werden“, ergänzte sie.

Anfang August hatte die die Bundesnetzagentur auf Anfrage mitgeteilt, dass die AKW-Variante für die Kaltreserve noch nicht aus dem Rennen sei. Die Prüfung, ob auch Gas- oder Kohlekraftwerke den Job übernehmen könnten, laufe allerdings noch. „Es gibt noch keine Tendenz“, sagte eine Sprecherin der FR.

Die Grünen lehnten schon vor der Entscheidung der Bundesnetzagentur ein Alt-AKW als Kaltreserve ab. „Das ist nicht nur zu unsicher, sondern mit rund 50 Millionen Euro Kosten pro Winter auch zu teuer und unzuverlässig“, sagte Kotting-Uhl. So brauchten abgeschaltete AKW mehrere Tage bis Wochen, bis sie Strom liefern können.

„Die Bundesregierung führt mit der AKW-Kaltreserve aber auch ihre eigene Argumentation ad absurdum“, so die Abgeordnete. Denn nur eines könne gelten: „Entweder die AKW sind sicher oder sie sind es nicht nicht.“ Es müsse verhindert werden, dass die Netzagentur das AKW allein nach Kriterien der regionalen Stromverteilung bestimmt.

Das Bundesumweltministerium hatte in einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage geschrieben, „zusätzliche sicherheitstechnische Betrachtungen“ seien beim Thema Kaltreserve „nicht erforderlich“ gewesen. Auch der AKW-Reservebetrieb müsse „den geltenden Betriebsvorschriften entsprechen“. Zudem gebe es „hinreichend Betriebserfahrungen“ zu „mehrmonatigen Stillständen mit anschließender Aufnahme des Leistungsbetriebs“.

Nuklearexperte Christoph Pistner vom Öko-Institut bezeichnet den Einsatz eines AKW als Kaltreserve nur als „allerletzte Möglichkeit, wenn die Kapazitäten bei konventionellen Kraftwerken zu klein sind und Maßnahmen zur Steuerung des Stromverbrauchs nicht ausreichen.“ Industriebranchen wie der Aluminiumindustrie haben angeboten, ihre Werke, die große Mengen Elektrizität verbrauchen, bei drohenden Stromengpässen vom Netz zu nehmen. AKW eigneten sich nur bedingt als Notkraftwerke, meint Pistner. „Entweder, man hält sie über Monate praktisch betriebsbereit, um sie schnell hochfahren zu können.“ Das sei sehr aufwendig und teuer. „Oder man fährt sie richtig herunter, entlädt eventuell sogar die Brennstäbe. Dann braucht man eine Vorwarnzeit von Wochen oder Monaten und aufwendige Prüfungen, bevor das AKW wieder Stromliefern kann.“ Beides sei alles andere als optimal.

Länder wollen Debatte beenden

Klar ist indes: Die Standortländer sind wenig erbaut von der Aussicht, die gerade beendete AKW-Debatte neu führen zu müssen. Die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg, wo gleich zwei der Kaltreserve-Kandidaten stehen, wehrt ab: Ein Atomkraftwerk so zu nutzen, mache technisch keinen Sinn, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums der FR. „Deswegen kommt weder Neckarwestheim 1 noch Philippsburg 1 dafür in Frage.“

Auch Bayern mauert. Für eine Diskussion über die Reaktivierung von Isar 1 gebe „es überhaupt keinen Anlass“, sagte Umweltminister Markus Söder (CSU) jüngst. In Bayern seien derzeit noch vier von fünf leistungsstarken AKW in Betrieb. Damit sei die Stromversorgung gesichert.

Das hessische Umweltministerium verweist auf die Entscheidungskompetenz der Netzagentur. In Sicherheitsfragen werde man aber „keinen Rabatt geben“. Es stehe dann eine Bewertung an, ob bei Biblis B Nachrüstungen nötig sind, sagte ein Sprecher des Ministeriums. (mit dpa)

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