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Das Büro der Wahlkommission in der gambischen Stadt Serekunda. Die Eimer im Hof sind Wahlurnen.

Gambia

Der von Allah auserwählte Wunderheiler

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Yahya Jammeh kann angeblich Unfruchtbarkeit, Epilepsie und Aids heilen. Nun lässt sich Gambias Präsident für eine Milliarde Jahre im Amt bestätigen.

So richtig klar ist nicht, warum Yahya Jammeh, Präsident des westafrikanischen Kleinstaats Gambia, diese Abstimmung überhaupt anberaumt hat. „Allah hat mich gewählt“, verkündete der vor 22 Jahren durch einen Putsch an die Macht gekommene Staatschef zum Auftakt des Wahlkampfs Anfang November: „Deshalb kann mich auch nur Allah wieder abwählen.“

Schon zuvor hatte der 51-jährige Ex-Offizier seine Absicht erklärt, mindestens „eine Milliarde Jahre lang“ regieren zu wollen: Was dem Präsidenten, der nach eigenen Angaben Unfruchtbarkeit, Epilepsie und Aids heilen kann, auch nicht schwer fallen dürfte. „Seine Exzellenz Sheikh Professor Alhaji Dr. Yahya Abdul-Aziz Awal Jemus Junkung Jammeh Naasiru Deen Babili Mansa“, so sein offizieller Titel, wird den knapp zwei Millionen Gambiern, ob sie wollen oder nicht, noch ein Weilchen erhalten bleiben.

Der Opposition, die er als „Ungeziefer“ bezeichnet, versprach der Kandidat, sie „neun Fuß in der Erde“ zu begraben. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Dutzende Oppositionsmitglieder wurden im Frühjahr verhaftet, mindestens drei sind vermutlich nach Folter in der Haft gestorben. Was daran so merkwürdig sei, wollte der einstige Leutnant wissen. Es sei doch „völlig normal“, dass Menschen im Gefängnis oder während eines Verhörs ums Leben kämen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der die Todesfälle untersucht haben wollte, könne – so beschied ihm Jammeh – „zur Hölle fahren“: „Niemand kann mir sagen, was ich in meinem Land tun oder lassen soll.“

Es ist das 5. Mal, dass sich der wunderheilende Putschist mit seiner „Allianz für Patriotische Neubesinnung und Aufbau“ (APRC) im Amt bestätigen lässt: Auch die früheren Urnengänge hatten mit wirklichen Wahlen nicht viel gemein. Europäische Beobachter sind bei der Abstimmung auch nicht zugelassen. Und als das staatliche Fernsehen kürzlich Bilder von einer gut besuchten oppositionellen Wahlveranstaltung zeigte, wurde der Chef der Rundfunkanstalt gleich abgesetzt und eingesperrt. Jammeh meinte sich sogar leisten zu können, seinen Wahlkampf wenige Tage vor der Abstimmung aus Respekt vor dem Tod Fidel Castros zu unterbrechen: Mit Kuba hatte der damals 29-jährige Offizier nach seinem Putsch 1994 als erstem Land der Welt diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Trotz allem meint die Opposition, diesmal eine wirkliche Chance zu haben. Erstmals haben sich insgesamt sieben Parteien hinter einem Kandidaten, dem Geschäftsmann Adama Barrow, zusammengeschlossen. Der 51-Jährige, der einst in London als Wachmann arbeitete, ist in Gambia zwar weitgehend unbekannt, was in der von Vetternwirtschaft und Korruption zersetzten „Islamischen Republik“ allerdings von Vorteil sein kann. Barrow griff den exzentrischen Jammeh an dessen schwächster Stelle an – dem wirtschaftlichen Notstand des Landes.

Auf Platz 175 von 188 angelangt ist Gambia in Sachen Entwicklungsindex einer der ärmsten Staaten der Welt, obwohl das an Meer und Fluss gelegene Land über eine relativ entwickelte Tourismusindustrie verfügt. Unzählige Gambier sehen keine andere Zukunftschance, als den weiten und gefährlichen Weg nach Europa anzutreten: Trotz seiner geringen Einwohnerzahl steht Gambia als afrikanisches Herkunftsland europäischer Immigranten an vierter Stelle. Keiner bezweifelt, dass die Kombination aus politischer Unterdrückung und wirtschaftlicher Chancenlosigkeit für diesen Umstand verantwortlich zu machen ist. Kürzlich kamen gleich zwei bekannte gambische Sportler auf dem Weg übers Mittelmeer ums Leben: Fatima Jawara, Torhüterin des Nationalteams der Fußballerinnen, ertrank ebenso wie der 22-jährige Ringer Ali Mbengu.

Alex Vines, Chef des Afrika-Programms der britischen Denkfabrik „Chatham House“, preist zwar den Mut der Opposition, ohne ihr allerdings Hoffnung zu machen. „Eine Überraschung ist völlig ausgeschlossen“, meint der Gambia-Kenner: „Jammeh wird wiedergewählt und damit zum am längsten amtierenden Staatschef Westafrikas werden.“

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