Griechenland

Alexis Tsipras will zurück an die Macht

  • schließen

Der griechische Ex-Premier versucht, sein zerstrittenes Linksbündnis Syriza zu einen.

Mit einer Öffnung zur politischen Mitte will Griechenlands ehemaliger Regierungschef Alexis Tsipras sein Linksbündnis Syriza aus der Opposition in die Regierung zurückführen. An diesem Wochenende tagt das Zentralkomitee der Partei. Die Reformer um Tsipras bekommen heftigen Gegenwind aus dem kommunistischen Syriza-Flügel.

Sechseinhalb Monate nach der verlorenen Parlamentswahl ringt das griechische Bündnis der radikalen Linken (Syriza) immer noch um den künftigen Kurs. Die zweitägige Sitzung des Zentralkomitees an diesem Wochenende gilt als wichtige Weichenstellung im Vorfeld des nächsten Syriza-Parteitags, der Anfang Mai stattfinden soll. Bei der Wahl im Juli 2019 landete Syriza zwar mit acht Prozentpunkten Abstand hinter der konservativen Nea Dimokratia auf dem zweiten Platz. Gegenüber 2015 verlor das Linksbündnis aber nur vier Prozentpunkte – ein achtbares Ergebnis, das Tsipras die Option auf eine künftige Rückkehr an die Macht gibt.

Tsipras setzt dabei auf eine Erweiterung seiner Partei ins politische Zentrum. Eine Namensänderung soll die neue Verortung unterstreichen: „Syriza – Fortschrittliche Allianz“ könnte die Partei künftig heißen. Als Zusatz ist auch „Grüne Allianz“ im Gespräch – ein bewusst zweideutiger Begriff, der nicht nur eine Besinnung auf ökologische Themen benennt. Damit könnte Syriza auch Anhänger der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) umgarnen. Die sozialdemokratische Partei, deren Symbol eine grüne Sonne ist, dominierte die politische Bühne Griechenlands in den 80er Jahren, befindet sich aber im Niedergang, seit sie zu Beginn der Schuldenkrise 2010 einen harten Sparkurs einschlagen musste. Viele Pasok-Politiker sind bereits zu Syriza gewechselt.

Diesen Zulauf will der starke kommunistische Syriza-Flügel stoppen. Sie fürchten eine ideologische Kontamination mit sozialdemokratischem oder – aus ihrer Sicht noch gefährlicher – liberalem Gedankengut.

Varoufakis‘ Partei greift an

Tsipras kommt zwar, wie viele führende Syriza-Funktionäre, aus der stalinistischen kommunistischen Partei KKE. Er hat aber in seinen viereinhalb Regierungsjahren gelernt, dass er Kompromisse eingehen und Allianzen schließen muss, wenn er die Macht behalten oder, wie jetzt, zurückerobern will.

Wer sich am Ende durchsetzen wird, ist keine Frage: Tsipras. Ein anderes Zugpferd hat Syriza nicht. Ohne ihn würde die Partei schnell wieder zu einem politischen Mauerblümchen verkümmern, wie sie es vor der Krise war. Damals kam Syriza auf Stimmenanteile zwischen drei und fünf Prozent.

Tsipras‘ größte Herausforderung ist deshalb nicht, sich in den Flügelkämpfen als Vorsitzender zu behaupten, sondern die Partei zusammenzuhalten. Am linken Rand wildert bereits sein früherer Finanzminister Yanis Varoufakis. Bei der vergangenen Parlamentswahl kam der mit seiner Partei MeRA25 auf 3,4 Prozent und neun Abgeordnetensitze.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion