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Alexej Nawalny: Alles zum Putin-Gegner und Kreml-Kritiker

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Alexej Nawalny gilt als der einflussreichste Oppositionsaktivist in Russland und ist heftiger Kritiker von Putin. Die Laufbahn des Kreml-Kritikers.

Moskau – In Russland wird mit dem Namen Alexej Nawalny regelrecht ein Staatsfeind assoziiert. Präsident Wladimir Putin ist der prominente Aktivist und Kreml-Kritiker ein Dorn im Auge. Im Westen dagegen gilt Nawalny als Verfechter von Menschenrechten und Demokratie. Wer ist Alexej Nawalny?

NameAlexej Nawalny
Beruf/TätigkeitPolitiker, Oppositionsaktivist
Geburtsdatum4. Juni 1976
GeburtsortButyn im westlichen Moskau, Russland
ParteiFortschrittspartei
Familienstandseit 2000 verheiratet mit Julija Nawalnaja
KinderDaria Nawalnaja (geboren 2001), Zahar Nawalny (geboren 2008)
ElternAnatoly Nawalny and Lyudmila Nawalnaja

Nawalny: Kurzbiografie des Kreml-Kritikers – Ausbildung und Familie

Der am 4. Juni 1976 im kleinen Dorf Butyn im Westen der russischen Hauptstadt Moskau geborene Alexej Nawalny ist ein führender russischer Oppositionsaktivist. Nawalny kam in einfachen Verhältnissen zur Welt und ist russisch-ukrainischer Abstammung. Seine Eltern Anatoly Nawalny and Lyudmila Nawalnaja waren im Besitz einer kleinen Fabrik im Norden von Moskau, wo sie als Korbflechter arbeiteten.

1998 schloss Nawalny sein Studium der Rechtswissenschaften an der Russischen Universität der Völkerfreundschaft ab. Darauf folgte das Studium Wertpapiere und Börsenwesen an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation in Moskau, welches er 2001 abschloss. Nach dem Abschluss seines ersten Studiums arbeitete er mehrheitlich als Anwalt für mehrere russische Firmen. 2010 erhielt er schließlich ein Stipendium für die amerikanische Yale Universität, wo er ein viermonatiges Programm absolvierte. Im Jahre 2000 heiratete er seine Frau Julija Nawalnaja, eine Wirtschaftswissenschaftlerin. Gemeinsam haben sie zwei Kinder, Daria Nawalnaja und Zahar Nawalny.

Putin-Gegner Nawalny: Politischer Aktivismus und Kampf gegen Korruption in Russland

Seine politische Karriere leitete Alexej Nawalny mit einer Mitgliedschaft in der als „Yabloko“ bekannten Russischen Demokratischen Partei ein und übernahm wichtige Aufgaben auch im Vorstand. Nachdem er 1999 in die Partei eingetreten war, war er von 2004 bis zu seinem Austritt aus der Partei 2007 unter anderem als der stellvertretende Vorsitz des Moskauer Büros der Partei tätig. Grund für seinen zwanghaften Austritt waren die ihm von der Parteispitze vorgeworfenen „nationalistischen Äußerungen“. Nawalny würde der Partei schaden, hieß es.

Bei seiner Zeit in der Yabloko organisierte Nawalny zudem politische Debatten im Fernsehen, die jedoch nach nur zwei Episoden plötzlich nicht mehr ausgestrahlt werden durften. Darüber hinaus wurde er zunehmend aktiver und setzte es sich zum Ziel, durch verschiedene Initiativen die Teilhabe von jungen Politiker:innen am politischen Geschehen auszuweiten. 2013 kandidierte er für das Amt des Bürgermeisters von Moskau, allerdings ohne Erfolg. 2018 gründete er die Oppositionspartei „Fortschrittspartei“, dessen Vorsitzender er ist. Gleichzeitig kandidierte er als Präsident und wollte gegen Putin antreten, doch die russische Wahlkommission verwies auf seine Verurteilung in Strafverfahren und schloss ihn von der Wahl aus.

Putin-Gegner Alexej Nawalny wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.
Putin-Gegner Alexej Nawalny wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. © Evgeny Feldman/Meduza/AP/dpa

Obwohl Nawalny im Westen als überzeugter Kämpfer für Demokratie gilt, schloss er sich auch oft mit Bewegungen aus der nationalistischen Szene zusammen, die zum Teil etwa auch eine Anti-Flüchtlingshaltung vertreten. So gründete er im Jahre 2007 die Bewegung „Das Volk“, welche sich mit weiteren nationalistischen Bewegungen zusammenschloss. Beim russischen Angriff auf Georgien im Jahre 2008 unterstützte Nawalny die russische Position und rief in seinem Blog dazu auf, Georgier:innen aus Russland zu vertreiben. Darüber hinaus bezeichnete er die Krim als Teil Russlands nach der Annektierung im Jahre 2014, auch wenn dies „unter ungeheuerlicher Verletzung jeglicher internationaler Normen“ geschehen sei.

Alexej Nawalny: Ein Dorn im Auge von Putin und co. mit Anti-Korruptionsstiftung

Seinen Ruhm als Oppositionsaktivist erlangte Nawalny in erster Linie durch diesen Blog, wo er die Korruption durch russische Beamte aufdeckte. Im September 2011 gründete der ehemalige Rechtsanwalt schließlich die inzwischen weltweit bekannte Anti-Korruptionsstiftung. Sein Ziel: Das Aufdecken der Veruntreuung von öffentlichen Geldern durch Beamte und Angestellte.

Bei seiner Arbeit, die Korruption im russischen Staatsapparat aufzudecken, nahm er 2010 – schon vor der Gründung seiner Stiftung – auch erstmals den russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Visier. In seinem Blog veröffentlichte Nawalny Dokumente des staatlichen Ölkonzerns Transneft. Die Firma habe vier Milliarden Dollar veruntreut, schrieb Nawalny. Der damals als Premierminister tätige Putin soll diese Aktivitäten koordiniert und daran teilgehabt haben.

Alexej Nawalny wird zur Speerspitze der Opposition in Russland

Anhand seiner Website „RosPil“, wo er Dokumente mit Korruptionsverdacht mit der Öffentlichkeit teilte, und seinem YouTube-Kanal vergrößerte der Oppositionsaktivist sein Publikum zusätzlich. Dort veröffentliche Alexej Nawalny Dokumentarfilme zu mutmaßlichen Korruptionsfällen, die millionenfach geklickt wurden. Im Jahre 2016 versuchte der inzwischen die Speerspitze der Opposition gewordene Nawalny den russischen Präsidenten Putin wegen Korruption vor Gericht zu bringen, was ihm aber nicht gelangt. Seine Korruptionsvorwürfe erstreckten sich auch auf den damaligen Premierminister Dmitri Medwedew.

Schon 2011 nahm Nawalny an Anti-Regierungsdemonstrationen nach den Parlamentswahlen in Russland teil, wo er unter den 300 festgenommenen Demonstranten war. 2017 rief er nun persönlich zu Demonstrationen auf. Medwedew habe über dubiose Nichtregierungsorganisationen ein Immobilienimperium geschaffen und kontrolliere es, gab der Kreml-Kritiker als Grund an. Dabei wurde er erneut verhaftet und zu einer Geldstrafe sowie 15 Tagen Haft verurteilt.

Nawalny: Oppositionsaktivist mit Nowitschok vergiftet - Bericht macht russischen Staat verantwortlich

Nawalny machte sich durch seine Handlungen mehr und mehr unbeliebt beim russischen Staatsapparat, besonders im Kreml. Im August 2020 erfolgte plötzlich ein Giftanschlag auf den Oppositionsaktivisten. Bei einem Flug von Tomsk nach Moskau klagte er über Unwohlsein und verlor das Bewusstsein. Nach einer Notlandung und kurzen Behandlung in Omsk wurde er in die Berliner Charité eingeliefert, wo eine Vergiftung mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervenkampfstoff Nowitschok festgestellt wurde.

Ein Bericht des Investigativportals Bellingcat in Kooperation mit dem US-Sender CNN und dem Magazin Der Spiegel machte den russischen Geheimdienst FSB für den Anschlag verantwortlich. Dabei wurden detaillierte Beweise und Untersuchungen veröffentlicht. Der Anschlag sei seit 2017 in Vorbereitung gewesen, hieß es in dem Bericht zudem. Die USA und die EU reagierten mit neuen Sanktionen gegen hochrangige russische Offiziere und Beamte.

Am 21. Dezember 2020 veröffentlichte Nawalny auf YouTube ein Telefongespräch zwischen ihm und einem angeblichen russischen Agenten namens Konstantin Kudrjawzew. Er gab sich selbst gegenüber dem Angerufenen als Assistent des Sekretärs des russischen Sicherheitsrats aus. Sein Gegenüber schilderte Details über die Teilnehmer und die Ausführung des Nervengift-Anschlags. Demnach sei das Gift über Nawalnys Unterhose verabreicht worden. Die Kleidung sei nach dem Attentat im Krankenhaus eingesammelt und vom FSB gereinigt worden.

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny: Haft in Russland

Nach einer 5-monatigen Behandlung in Berlin kehrte Alexej Nawalny trotz einer drohenden Verhaftung am 17. Januar 2021 nach Russland zurück. Kaum war er in Moskau gelandet, schon wurde er direkt am Flughafen von russischen Sicherheitsbehörden verhaftet. Er wurde zunächst zu 30 Tagen Haft verurteilt. Am 2. Februar 2022 wurde er in einem weiteren Gerichtsprozess zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer Prozess folgte am 22. März 2022: Aufgrund von „Betrug“ und „Missachtung des Gerichts“ wurde der Putin-Gegner zu 9 Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.

Ein Jahr nach seiner Verhaftung schrieb Nawalny auf seiner Instagram-Seite, trotz seines aktuellen Zustands bereue er es nicht, nach Russland zurückgekehrt zu sein. „Habt keine Angst“, appellierte er an seine Unterstützer:innen, die besonders nach seiner Verhaftung bei Ankunft in Moskau Demonstrationen im ganzen Land organisierten. Die russische Polizei löste sie auf und ging auch hart gegen Nawalnys Anti-Korruptionsstiftung sowie dessen Mitarbeitende vor.

Alexej Nawalny: Dokumentarfilm zu mutmaßlichem Putin-Palast

Ein Tag nach der Verhaftung des Oppositionsaktivisten wurde auf seinem YouTube-Kanal ein fast 2 Stunden langes Video mit dem Titel „Ein Palast für Putin“ veröffentlicht. In dem Dokumentarfilm, den er vor seiner Rückkehr nach Russland vorbereitet und aufgenommen hat, deckte Nawalny ein Palast für Putin an der Küste des Schwarzen Meers im Wert von 1,3 Milliarden Euro auf. Der Palast sei mit illegalem Geld von Putins innerem Kreis erbaut worden. Das Video sprengte das Netz und ist mit mehr als 123 Millionen Klicks (Stand April 2022) bislang der erfolgreichste Dokumentarfilm von Nawalny. (bb)

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