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Russland

Alexej Nawalny auf Krankenstation in Straflager – Wie schwer krank ist er?

  • Ulrich Krökel
    vonUlrich Krökel
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Die russische Opposition sieht ihre Gallionsfigur Alexej Nawalny in Lebensgefahr in der angeblichen „Besserungskolonie“. Nun hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Fall mit Putin erörtert.

Berlin/Moskau – Die ernstesten Worte findet der Satiriker Viktor Schenderowitsch. „Was im Straflager vor sich geht, ist ein Mord, der vor unser aller Augen verübt wird“, sagt der Autor der legendären russischen Politpuppenshow „Kukly“. In seinem Videokommentar zum inhaftierten Oppositionsführer Alexej Nawalny geht Schenderowitsch aber noch weiter. In der sogenannten Besserungskolonie 2 (IK-2) östlich von Moskau, in der Nawalny aus Protest gegen die unmenschlichen Haftbedingungen in den Hungerstreik getreten ist, vollziehe sich eine „staatlich organisierte Katastrophe“.

Schenderowitschs Auftritt ist Teil einer Videoserie mit prominenten Stimmen zum Fall Nawalny. Veröffentlicht hat die Clips das oppositionelle Portal „Meduza“. Mit dabei ist auch die international gefeierte Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja, die ähnlich deutlich wird: „Ich bin mir nicht sicher, dass man Nawalny lebend entlassen wird.“ Tatsächlich schwebt der 44-Jährige, glaubt man den Aussagen seiner Vertrauten, zunehmend in Lebensgefahr. In einem öffentlichen Aufruf wandte sich Nawalnys Ehefrau Julia an den Leiter des Straflagers: „Vergessen Sie nicht, dass Alexejs Tod, sollte ihm etwas zustoßen, nicht nur auf Putins, sondern auch auf Ihrem Gewissen lasten wird.“

Nawalnys Gesundheitszustand wohl kritisch

Doch steht es wirklich so schlimm um Nawalny? Unabhängige Einschätzungen zu seinem Gesundheitszustand gibt es nicht. Sicher ist, dass er seit Montag auf der Krankenstation liegt und über Rückenschmerzen, Taubheit in Armen und Beinen, Husten und zeitweise hohes Fieber klagt. Ein Corona-Test fiel negativ aus. Seine Anwältin Olga Michailowa berichtete zuletzt am Mittwochabend über ihre Eindrücke von Nawalny, den sie zuvor überraschend hatte besuchen dürfen: „Er sieht schlecht aus und fühlt sich auch schlecht.“ Rund 13 Kilo habe er im Lager abgenommen, auf nunmehr 80 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,89 Meter. „Idealgewicht“, spotten kremltreue Kommentatoren. Derzeit nimmt Nawalny nur Wasser zu sich.

Alexej Nawalny: Wie es derzeit um seine Gesundheit steht, ist unklar.

Hinzu kommen mögliche Spätfolgen des Mordanschlags mit dem Nervengift Nowitschok, den der Putin-Herausforderer im Sommer knapp überlebte. Hängen damit die Lähmungserscheinungen zusammen? Man weiß es nicht, die Gefängnisleitung verweigert unabhängigen Ärzt:innen den Zugang zum Patienten. Michailowa beklagte, dass es in der Krankenabteilung der Strafkolonie „überhaupt keine voll ausgebildeten Ärzte gibt, sondern nur medizinische Hilfskräfte“. Immerhin aber wurde Nawalny in einem Krankenhaus einer MRT-Untersuchung unterzogen. Dabei seien Eingeweidebrüche im Bauchraum festgestellt worden, so Michailowa. Ob eine OP geplant ist, blieb offen.

Merkel spricht per Telefon mit Putin – auch über Nawalny

Das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich „beunruhigt“. Am Donnerstag telefonierte Kanzlerin Angela Merkel mit Putin. Zentral ging es in dem Gespräch um die angespannte Lage in der Ost-Ukraine, doch auch über Nawalny sei gesprochen worden, so der Kreml. Ob das Nawalny hilft, ist fraglich. Vertreter der Kremlpartei Einiges Russland bezeichnen ihn als „Agenten des Auslands“. Die USA und ihre Verbündeten seien „entschlossen, sich in unsere Wahlen einzumischen“, warnte etwa der Sprecher der Staatsduma, Wjatscheslaw Wolodin.

Doch nicht nur im Kreml geht der Blick bereits voraus auf die Parlamentswahl im September. Auch die russische Opposition arbeitet unter Hochdruck an der politischen Mobilisierung. So bereitet das Team des inhaftierten Putin-Herausforderers derzeit neue Massenproteste vor. Auf einer Internetseite können Nutzer:innen ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklären. „Es wird die größte Kundgebung in der Geschichte Russlands“, kündigte Nawalnys Team an – voraussichtlich noch im Frühjahr. (Ulrich Krökel)

Rubriklistenbild: © -/Babuskinsky District Court/AP/

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