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Nawalny im Russischen Strafvollzug
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Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat erneut den russischen Präsidenten Wladimir Putin angegriffen (Archivbild).

Kreml-Kritiker

Alexej Nawalny: „Ich bin nur noch ein Skelett“ - Attacke gegen Putin vor Gericht

  • Tobias Möllers
    VonTobias Möllers
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Der inhaftierte russische Oppositionelle Alexej Nawalny ist bei einem Gerichtstermin zum ersten Mal seit dem Ende seines Hungerstreiks in der Öffentlichkeit erschienen.

Moskau - Während sich der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny einer Anhörung vor Gericht in Moskau stellte, steht sein Organisationsnetzwerk vor der Auflösung, um so einem befürchteten offiziellen Verbot zuvorzukommen.

„Ich wurde gestern in ein Badehaus gebracht (...). Dort gab es einen Spiegel, in dem ich mich gesehen habe: Ich bin nur noch ein schreckliches Skelett“, sagte der kahl rasierte, deutlich abgemagerte 44-Jährige vor dem Gericht laut einer vom Fernsehsender Doschd veröffentlichten Audioaufnahme.

Kreml-Kritiker Nawalny nutzt Gerichtstermin für Attacke auf Putin

„Ich habe nicht mehr so wenig gewogen seit ich in der siebten Klasse war“, sagte Nawalny dem Bericht zufolge. An seine Frau Julia gewandt, die im Gerichtssaal saß, sagte er dann, er bekomme jetzt einige Löffel Haferbrei pro Tag. Der Kreml-Kritiker hatte seinen Hungerstreik vor rund einer Woche beendet, den er aus Protest gegen seine Haftbedingungen begonnen hatte. Er schwebte nach Angaben seiner Unterstützer zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Nawalnys Anhörung vor Gericht war Teil seines Berufungsverfahrens gegen seine Verurteilung wegen Verleumdung eines Weltkriegsveteranen im Februar.

Nawalny nutzet den Gerichtstermin für einen weiteren Frontalangriff auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Ich möchte sagen, mein lieber Hof, dass ihr König nackt ist“, wird er von Al Jazeera zitiert. „Schon jetzt sprechen Millionen von Menschen darüber. Zwanzig Jahre inkompetentes Regieren haben zu folgendem Ergebnis geführt: Die Krone rutscht ihm von den Ohren, im Fernsehen wird gelogen, wir haben Billionen von Rubeln ausgegeben und unser Land rutscht weiter in die Armut. Es überrascht nicht, dass Ökonomen Briefe schreiben und sagen, dass die letzten Jahre als ein verlorenes Jahrzehnt bezeichnet werden sollten."

Nawalnys Netzwerk soll in Russland als „extremistisch“ eingestuft werden

Vor einem anderen Gericht fand ebenfalls am Donnerstag eine Anhörung zu einem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, die Nawalnys Anti-Korruptionsstiftung FBK und das Netzwerk regionaler Organisationen des Kreml-Kritikers als „extremistisch“ einstufen lassen will. In der Folge würde die Arbeit der Organisationen komplett verboten werden. Mitgliedern und Unterstützern würden lange Haftstrafen drohen.

Der Chef des Netzwerks der Regionalbüros, Leonid Wolkow, kam der Entscheidung am Donnerstag zuvor und erklärte in einem Video in den Online-Medien die Auflösung der Organisation. Einige der 37 Büros würden ihre Aktivitäten aber als unabhängige politische Organisationen fortsetzen. Am Montag hatte die russische Justiz bereits ein vorläufiges Tätigkeitsverbot für die Nawalny-Organisationen verhängt.

Nawalny-Organisation engagiert sich für „intelligentes Wählen“

Die Regionalbüros spielen bei Wahlen eine große Rolle, da sie immer wieder Kampagnen für „intelligentes Wählen“ führen. Dabei rufen sie dazu auf, unabhängig von der Partei für jenen Kandidaten zu stimmen, der die besten Aussichten gegen den Kreml-treuen Kandidaten hat.

Nawalny hatte im vergangenen August einen Anschlag in Russland mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe überlebt, für den er den Kreml verantwortlich macht. Nach seiner Behandlung in der Berliner Charité wurde er nach seiner Rückkehr im Januar in Russland festgenommen wegen angeblicher Verstöße gegen Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt. (Tobias Möllers mit afp)

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