Behandlung in Berlin

Charité: Befunde weisen auf Vergiftung von Alexej Nawalny hin

  • vonFriedrich Reinhardt
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Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny wird in der Berliner Charité behandelt. Erste Befunde deuten nun tatsächlich auf eine Vergiftung des russischen Oppositionellen hin.

  • Alexej Nawalny gilt als scharfer Kreml-Kritiker.
  • Er könnte absichtlich vergiftet worden sein. Russische Ärzte sprechen von Stoffwechselproblemen.
  • Charité: Hinweise auf Vergiftung von Nawalny

+++ 16.24 Uhr: Ärzte der Berliner Charité gehen davon aus, dass der Kremlkritiker Alexej Nawalny vergiftet wurde. Darauf wiesen klinische Befunde hin, teilte die Klinik in Berlin mit. Der Gesundheitszustand Nawalnys sei ernst, es bestehe aber keine akute Lebensgefahr.

Die konkrete Substanz sei bisher nicht bekannt. Die ersten Untersuchungen deuteten aber auf eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin, hieß es. Nawalny werde nun mit dem Gegenmittel Atropin behandelt. Die Wirkung des Giftstoffs sei mehrfach und in unabhängigen Laboren nachgewiesen worden.

Der Ausgang der Erkrankung bleibe unsicher und Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, so die Sprecherin.

+++ 13.55 Uhr: Die Bundesregierung hält den Zusammenbruch des Kreml-Kritiker Alexej Nawalny „mit einer gewissen Wahrscheinlich“ für die Folge eines Giftanschlags. Das sagte am Montagmittag der Regierungssprecher Steffen Seibert, wie die Nachrichtenabgetur AFP berichtet. Seibert habe damit begründet, dass sich das Bundeskriminalamt (BKA) um die Sicherheit Nawalnys in der Berliner Charité kümmert.

+++ 12.00 Uhr: Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny wird noch in der Berliner Charité behandelt und liegt noch im Koma. Im Krankenhaus im russischen Omsk weisen die Ärzte derweil die Vorwürfe zurück, sie seien unter politischen Druck gesetzt worden. Nawalnys Vertraute gehen davon aus, dass der Oppositionspolitiker vergiftet worden sei. Um Zeit zu schinden bis das Gift nicht mehr nachweisbar ist, so die Version von Nawalnys Umfeld, hätten die Ärzte Nawalny für nicht transportfähig erklärt. Diese Vorwürfe haben Ärzte nun zurück gewiesen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

„Wir haben den Patienten versorgt, und wir haben ihn gerettet“, sagte der Chefarzt der Klinik in Omsk, Alexander Murachowski, am Montag. „Es gab keinen Einfluss von außen auf die Behandlung des Patienten.“ Auch widersprechen die Ärzte der Annahme, Nawalny sei vergiftet worden. Sie sprechen von Stoffwechselproblemen.

Nawalnys Umfeld begründet Verschleierungsthese mit Beobachtungen im Krankenhaus in Omsk

Nawalnys Umfeld begründet seine Verschleierungsthese mit verschiedenen Beobachtungen im Krankenhaus. Zum einen wurde die Ehefrau von Alexej Nawalny, Yulia Navalnaya, von Sicherheitsbehörden der Zugang zu deutschen Ärzten verweigert, wie ein Videosequenz auf Twitter dokumentieren soll.

Zum anderen berichtete eine Mitstreiterin Nawalnys, Ljubow Sobol, dem Spiegel über die Omsker Ärzte: „Sie hatten nichts zu sagen, im Büro des Chararztes saßen Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden. Sie haben alles in Omsk gemacht, um die Spuren dieses Verbrechens zu verdecken." Auf die Männer in seinem Büro angesprochen, sagte Chef-Arzt Alexander Murachowski laut dpa: „Ich kann nicht sagen, wer das war. Ich kann nicht sagen, dass sie irgendetwas gemacht haben.“ Druck hätten die Männer nicht ausgeübt.

Update vom Montag, 24.08.2020, 06.35 Uhr: Nach dem Transport des möglicherweise vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny nach Berlin könnten an diesem Montag (24.08.2020) weitere Details zu seinem Gesundheitszustand bekannt werden. Nawalny wurde am Wochenende von deutschen Ärzten in der Berliner Universitätsklinik Charité umfassend untersucht. Mit Informationen sei frühestens am Montag zu rechnen, hieß es. Die behandelnden Ärzte wollen sich erst nach Abschluss der Untersuchungen und Rücksprache mit der Familie äußern. Auch Nawalnys Mitarbeiter wollen Auskunft geben. Wann genau, war zunächst unklar.

Der Filmproduzent Jaka Bizilj, der den Flug nach Berlin organisiert hatte, geht davon aus, dass Nawalny überleben wird. Im Politik-Talk „Die richtigen Fragen“ auf „Bild live“ sagte Bizilj am Sonntagabend: „Aus meiner Sicht ist die entscheidende Frage, ob er das unbeschadet übersteht und seine Rolle weiter einnehmen kann.“ In diesem Fall sei Nawalny aber sicherlich mindestens ein, zwei Monate politisch außer Gefecht gesetzt.

Zahlreiche Journalisten stehen vor der Charité, in der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny behandelt wird.

Update vom Sonntag, 23.08.2020, 15.10 Uhr: Nachdem die Sprecher des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny angaben, sich am Sonntag (23.08.2020) über dessen mögliche Vergiftung zu äußern, wurde diese Auskunft nun verschoben. Leonid Wolkow, einer von Nawalnys engsten Vertrauen, schrieb auf Twitter, dass sie die Auskunft jedoch sobald wie möglich nachholen wollen. Einen Grund für die Verzögerung nannte er nicht.

Alexej Nawalny wird derzeit in der Berliner Universitätsklinik Charité behandelt. Sein engster Kreis geht davon aus, dass er vergiftet wurde - russische Ärzte vermuten dagegen lediglich eine Stoffwechselerkrankung. Wann sich die Sprecher des Kreml-Kritikers nun zu einer möglichen Vergiftung äußern werden, ist nicht bekannt.

Kreml-Kritiker Nawalny in Berliner Charité eingetroffen

+++ 16.53 Uhr: Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist am Samstagmorgen (22.08.2020) in der Berliner Universitätsklinik Charité eingetroffen. Dort wird er seitdem umfangreich untersucht. Nach der medizinischen Diagnostik und Rücksprache mit der Familie würden sich die Ärzte zu der Erkrankung und weiteren Behandlungsschritten äußern, erklärte die Klinik. Die Untersuchungen würden einige Zeit in Anspruch nehmen. Sobald Erkenntnisse vorlägen, werde auch die Öffentlichkeit informiert.

Nawalny wird in Berliner Charité behandelt: Bundesregierung äußert sich

Nach der Aufnahme Nawalnys setzt die Bundesregierung auf eine erfolgreiche Behandlung. „Die Bundesregierung hofft, dass die Behandlung in der Charité zu einer Besserung seines Zustands führt und eine vollständige Genesung ermöglicht“, teilte ein Regierungssprecher auf ein Anfrage der Deutschen-Presse-Agentur mit.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hofft derweil auf eine baldige Aufklärung der Erkrankung. Es sei wichtig, „dass die Frage nach der Ursache der dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes“ beantwortet werde, sagte Steinmeier am Rande seines Besuchs bei den Salzburger Festspielen. „Ich hoffe, dass alle diejenigen, die zur Klärung dieser Frage etwas beitragen können, dies tatsächlich tun.“

Bundespräsident Steinmeier wünscht Kreml-Kritiker Nawalny rasche Genesung

Steinmeier zeigte sich erleichtert, dass Nawalny „in einem Krankenhaus und von Ärzten behandelt wird, die das Vertrauen der Familie genießen“. Er wünsche dem russischen Politiker eine rasche und vollständige Genesung, „damit seine Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt wird“.

+++ 09:19 Uhr: Der im Koma liegende Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist mit einem Rettungsflugzeug am Samstagmorgen in Berlin gelandet. Die Maschine erreichte um 8.47 Uhr den Flughafen Tegel, wie es auf der Webseite Flightradar24 hieß. Das von der Initiative Cinema for Peace gecharterte Flugzeug war in der Nacht im sibirischen Omsk gestartet. Der prominente russische Oppositionelle, der nach Angaben seines Umfelds mutmaßlich vergiftet wurde und beatmet werden muss, soll in der Berliner Charité behandelt werden.

Das bange Warten ist vorbei: Alexej Nawalny auf dem Weg nach Berlin

Update vom Samstag, 22.08.2020, 6.22 Uhr: Nachdem es lange unsicher war, ob die Ärzte in Omsk die Reise des im Koma liegenden Oppositionellen Alexej Nawalny genehmigen, ist er nun auf dem Weg nach Berlin. Wie AFP meldet, ist das Flugzeug am frühen Morgen im Omsk gestartet. Der prominente russische Oppositionsführer soll nach Angaben seines Umfelds vergiftet worden sein und soll jetzt in der Berliner Charité behandelt werden.

„Das Flugzeug mit Alexej ist auf dem Weg nach Berlin“, schrieb Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch im Kurzbotschaftendienst Twitter. „Der Kampf um Alexejs Leben und seine Gesundheit hat gerade erst begonnen und es gibt noch viel zu tun, aber jetzt ist zumindest der erste Schritt getan“, fügte sie hinzu. Den Unterstützern des Oppositionspolitikers dankte sie.

Update, 22.36 Uhr: Der Abflug des prominenten Kremlkritikers Alexej Nawalny nach Deutschland wird sich nach Angaben der Behörden im sibirischen Omsk erneut um einige Stunden verzögern. Das in Berlin gecharterte Spezialflugzeug werde erst am Samstagmorgen Ortszeit starten, teilte das Gesundheitsministerium der Region mit, wie die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete. Zur Begründung hieß es, die Piloten müssten gesetzliche Ruhezeiten einhalten.

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch schrieb auf Twitter ebenfalls, dass es bis zum Abflug noch mehrere Stunden dauern könne. Sie nannte keine Details. Omsk ist der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) um vier Stunden voraus. Das Flugzeug wird jedoch noch an diesem Samstag in Berlin erwartet, wo Nawalny nach seiner möglichen Vergiftung in der Charité behandelt werden soll.

Update, 19.30 Uhr: Das Tauziehen um den Aufenthaltsort und die medizinische Behandlung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny ist offenbar beendet, die russischen Ärzte haben einer Verlegung ihres Patienten zugestimmt. Sein Team lehne „einen Transport in ein anderes Krankenhaus, das die Angehörigen uns nennen“ nicht mehr ab, sagte der stellvertretende Chefarzt des behandelnden Krankenhauses im russischen Omsk, Anatoli Kalinitschenko, am Freitag. Der Zustand des Patienten sei „stabil“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag eine Behandlung des 44-Jährigen Nawalny in einem deutschen Krankenhaus angeboten. Daraufhin schickte die Initiative Cinema for Peace ein Flugzeug nach Omsk, um Nawalny nach Berlin zu holen, wo er in der Charité behandelt werden soll. Auch die Ehefrau des Kreml-Kritikers forderte seine Behandlung in Deutschland.

Update, 18.00 Uhr: Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, der in einem Krankenhaus im russischen Omsk im Koma liegt, darf nach einem längeren Kampf seines Teams nun doch nach Deutschland ausgeflogen werden. Das teilte das Krankenhaus nach Informationen der Nachrichtenagentur afp mit. Auch Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch bestätigte das. Ein Flugzeug und deutsche Ärzte sind bereits vor Ort, die Ärzte hatten zuvor mitgeteilt, dass sie Nawalny für transportfähig halten - während das russische Ärzteteam dem widersprach.

Update, 16.45 Uhr: Vertraute von Alexej Nawalny haben sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewandt. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die Antragsteller wollen demnach, dass das Gericht die russische Regierung auffordert, den Transport von Alexej Nawalny vom russischen Omsk nach Deutschland in die Berliner Charité zu erlauben. Die AFP beruft sich dabei auf „Gerichtskreise in Straßburg“. Aut Twitter bestätigte Daniel Holtgen, Sprecher des Europäischen Rats, die Meldung. Der russische Kreml-Kritiker Nawalny liegt in Omsk im Koma, nach dem er möglicherweise vergiftet wurde.

Deutsche Ärzte halten Alexej Nawalny für transportfähig

Inzwischen haben auch deutsche Ärzte Nawalny untersuchen können. Sie waren mit dem Flugzeug nach Omsk gekommen, mit dem Nawalny ausgeflogen werden soll. Anders als die russischen Ärzte halten sie den Kreml-Kritiker für fit genug, um ihn ausfliegen zu können.

Update, 16 Uhr: Wegen des möglicherweise vergifteten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny steht die deutsche Bundesregierung mit den russischen Behörden in Kontakt, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, Ziel sei es, die private Initiative für eine medizinische Behandlung Nawalnys in Deutschland politisch „zu flankieren“.

Der Regierungssprecher Steffen Seibert nannte vorsichtig diplomatisch die Forderung „nachvollziehbar“, Nawalnys Ärzte des Vertrauens hinzuzuziehen bei der Fragen, ob Nawalny transportfähig sei oder nicht. Ebenso müsse der Vorwurf einer Vergiftung „transparent aufgeklärt“ werden.

Am Umgang des Kremls mit dem Fall Nawalny gibt es internationale Kritik

Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte eine „schnelle, unabhängige, transparente“ Untersuchung, wie die dpa berichtet.  Litauens Außenminister Linas Linkevicius warf dem Kreml vor, den Transport Nawalnys absichtlich zu verhindern: „Die Behörden verzögern absichtlich die Diagnose und verweigern Alexeys Transport zur deutschen Klinik. Typisches Beispiel für die Haltung des Kremls gegenüber dem menschlichen Leben. Sieht aus wie der Versuch, Spuren zu verbergen“.

Damit schloss sich Linkevicius einer Interpretation der Sprecherin von Alexej Nawalny an. Kira Jarmysch behauptete, mit dem Transportverbot solle nur Zeit gewonnen werden, damit das Gift in Nawalnys Körper nicht mehr nachgewiesen werden könne.

Ehefrau von Alexej Nawalny fordert von Putin, ihren Mann ausfliegen zu dürfen

Update, 15.15 Uhr: Die Ehefrau des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny fordert in einen Schreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, ihren Mann nach Deutschland ausfliegen zu lassen. Dort soll er an der Berliner Charité behandelt werden. „Ich beantrage offiziell bei Ihnen die Erlaubnis, Alexej Nawalny nach Deutschland bringen zu dürfen“, schrieb Julia Nawalnaja. In dem Brief, den Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch auf Twitter veröffentlichte heißt es: „Ich bin der Ansicht, dass Alexej Nawalny qualifizierte medizinische Hilfe in Deutschland braucht“.

Mit einem Flugzeug, mit dem Nawalny nach Deutschland gebracht werden sollte, sind auch deutsche Ärzte in das Krankenhaus im russischen Omsk geflogen. Laut Nawalnys Sprecherin wurde die Ehefrau Nawalnys daran gehindert mit den deutschen Ärzten zu sprechen.

Update, 14.25 Uhr: Im Fall des möglicherweise vergifteten Oppositionellen Alexej Nawalny kämpft das Team des Kreml-Kritikers für die Verlegung nach Berlin. Der stellvertretende Chef-Arzt des Krankenhauses hat laut AFP erklärt: „Der Zustand des Patienten ist instabil.“ Es sei deshalb „ratsam, jeglichen Transport abzulehnen“. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag angeboten, Nawalny in Deutschland in der Berliner Charité behandeln zulassen.

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch kritisierte die Entscheidung der Ärzte und behauptete auf Twitter an, dass es eine politische Entscheidung aus dem Kreml gewesen sei. In der Nachricht steht: Das Umfeld Nawalnys habe einen Flug nach Berlin organisiert. Als dieser bereit stand, hätten die Ärzte im letzten Moment ihre Meinung geändert. „Diese Entscheidung wurde natürlich nicht von ihnen getroffen, sondern vom Kreml.“

Der Kreml dementierte diese Darstellung. Der Kreml stehe einem Transport nicht im Weg, sagte ein russischer Regierungssprecher. Diese Frage werde nur unter medizinischen Gesichtspunkten entschieden. „Wahrscheinlich gibt es irgendwelche Formalitäten, die noch notwendig sind. Aber es gibt für niemanden irgendwelche Hindernisse. Das ist die Entscheidung des behandelnden Arztes.“

Im Blut von Alexej Nawalny haben Ärzte wohl kein Blut nachweisen können

Vor Journalistinnen und Journalisten widersprachen die behandelnden Ärzte inzwischen der Annahme, dass Alexej Nawalny vergiftet worden sei, wie die Nachrichtenagentur AFP mitteilte. „Bisher wurde kein Gift im Blut und Urin gefunden“, sagte der stellvertretende Chefarzt des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko. Es gebe eine andere Diagnose. Diese dürfe aber nicht öffentlich genannt werden. Der Familie von Alexej Nawalny sei sie aber mitgeteilt worden.

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist an Donnerstag einem Flugzeug ohnmächtig geworden und mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus in Omsk eingeliefert worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte daraufhin angeboten, Nawalny in Deutschland in der Berliner Charité behandeln zulassen.

Update von Freitag, 21.08.2020, 8.45 Uhr: Alexej Nawalny, einer der schärfsten Kritiker der Putin-Regierung, liegt noch immer auf der Intensivstation. Seine Sprecherin, Kira Jarmysch, ist sich sicher, „dass er absichtlich vergiftet wurde“. Die Familie des Kreml-Kritikers hatte sich gewünscht, Alexej Nawalny könnte von Omsk aus in ein anderes Krankenhaus ins Ausland verlagert werden. Doch dem erteilten die Ärzte nun eine Absage, der Gesundheitszustand des Patienten ließe das nicht zu.

Nawalny Sprecherin wirft Ärzten vor, keine Verlegung des Kreml-Kritikers zuzulassen.

Geplant war, dass Alexej Nawalny in Deutschland weiter behandelt wird. Ärzte des örtlichen Gesundheitsministeriums hatten seinen Gesundheitszustand als schwer aber stabil bezeichnet. Spezialisten aus Moskau prüften anschließend, ob er transportfähig war, gaben die Behörden an. Die Sprecherin von Alexej Nawalny zeigte sich auf Twitter bestürzt über das Nein zur Verlegung: „Nawalnys Leben hängt jetzt von der Tatsache ab, dass der Chefarzt der Intensivstation sich weigert, Verantwortung zu übernehmen“, warf sie dem Arzt des Kreml-Kritikers vor.

Nawalny im Krankenhaus: Ärzte in Russland kämpfen um sein Überleben

Update, 12.30 Uhr: Der russische Regierungskritiker Alexej Nawalny liegt nach einer möglichen Vergiftung in einem Krankenhaus im Koma. Das teilte seine Sprecherin Kira Jarmysch in der sibirischen Großstadt Omsk am Donnerstag mit. Er sei an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden und nicht bei Bewusstsein. „Ich bin sicher, dass er absichtlich vergiftet wurde“, sagte Jarmysch dem Radiosender Echo Moswky. Nach Angaben eines Arztes kämpfen die Ärzte in Russland aktuell um das Überleben des Kreml-Kritikers.  

Nawalny soll mit einen Tee vergiftet worden sein

Erstmeldung: Moskau/Omsk - Der russische Regierungskritiker Alexej Nawalny ist nach Angaben seiner Sprecherin mit Vergiftungserscheinungen auf einer Intensivstation in einem Krankenhaus. Er war zunächst bewusstlos. Das teilte Kira Jarmysch am Donnerstagmorgen bei Telegram mit. Er sei an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden. „Ich bin sicher, dass er absichtlich vergiftet wurde“, sagte Jarmysch dem Radiosender Echo Moswky. Sie habe die Polizei gebeten, in das Krankenhaus zu kommen. Auch das Gesundheitsministerium der Region Omsk bestätigte den Vorfall.

Russland: Nawalny wurde ins Krankenhaus gebracht

Ein Flugzeug mit dem 44-Jährigen an Bord sei in der sibirischen Großstadt Omsk zwischengelandet, dann sei Nawalny ins Krankenhaus gebracht worden, hieß es nach Angaben von Nawalnys Team. Auf den prominenten Anti-Korruptions-Kämpfer hatte es in der Vergangenheit immer wieder Anschläge gegeben.

Er war nach Angaben seiner Sprecherin Jarmysch in Sibirien auf einer politischen Rundreise und hatte am Donnerstag die Rückreise nach Moskau angetreten. Ihren Angaben zufolge hat er womöglich einen vergiften Tee getrunken. Er habe ihr während eines Fluges auf dem Weg von Tomsk nach Moskau gesagt, dass er sich nicht wohl fühle. Sie habe versucht, sich um ihn zu kümmern und ihn zu beruhigen. Als sie von der Toilette zurückkam, habe er noch an Bord das Bewusstsein verloren. Das Flugzeug sei dann in Omsk wegen des Notfalls gelandet. Tee sei das einzige gewesen, was er zu sich genommen habe.

Nawalny ist der führende Kopf der Opposition in Russland

Nawalny ist der führende Kopf der liberalen Opposition. Er musste vor einem Jahr während seiner Haftstrafe in einem Krankenhaus angeblich wegen eines Allergieschocks behandelt werden. Nawalny betonte damals, dass er vergiftet worden sein könnte. In Russland waren mutmaßliche Vergiftungen im politischen Milieu in der Vergangenheit immer wieder ein Thema.

Nawalny hat viele Feinde im Machtapparat. Nawalny wirft mit seinem Team der Regierung und Oligarchen regelmäßig Korruption und Machtmissbrauch vor. Dazu veröffentlicht er detaillierte Recherchen in den sozialen Netzwerken, wo er ein Millionenpublikum hat. Zuletzt hatte ihm auch der autoritäre Staatschef von Belarus (Weißrussland), Alexander Lukaschenko, vorgeworfen, hinter den Oppositionsprotesten in seinem Land zu stehen.

Nawalny organisierte landesweite Proteste in Russland

Nawalny organisierte in den vergangenen Jahren in Russland auch immer wieder landesweite Proteste. Seinem Aufruf folgten dabei Zehntausende - vor allem junge Menschen.

Der Oppositionelle werde dabei von den Behörden an seiner Arbeit gehindert, betonte er regelmäßig. Immer wieder gibt es Razzien in seinen Büros. 2017 wurde der Oppositionelle durch eine Farb-Attacke schwer am Auge verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und später in Spanien operiert.

Auch der Aktivist Pjotr Wersilow, Mitglied der russischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot, verdächtigte den russischen Geheimdienst, ihn 2018 in Moskau vergiftet zu haben. Er wurde in Berlin behandelt. Pussy Riot ist mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption weltweit bekannt geworden. (FR/dpa)

Rubriklistenbild: ©  Pavel Golovkin/AP/dpa

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