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Wie Alexandria Ocasio-Cortez zum Gesicht der US-Progressiven wurde – und was sie fordert

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Von: Max Schäfer

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Alexandria Ocasio-Cortez entwickelt sich in Rekord-Zeit zum Star der Demokraten. Bei den Midterms gilt ihre Wahl als sicher. Was macht AOC aus?

New York – Alexandria Ocasio-Cortez ist erst kurz in der Bundespolitik der USA aktiv. Nach den Midterms 2018 zog die 33-Jährige in den Kongress ein. Dennoch ist AOC, wie sie häufig genannt wird, bereits eine der bekanntesten Stimmen der Demokraten. Dabei setzt sie die etablierten Politiker:innen unter Druck: Durch ihre Forderungen treibt sie die „Establishment-Demokraten“ inhaltlich vor sich her.

Alexandria Ocasio-Cortez
Initialen und SpitznameAOC
Geboren13. Oktober 1989 in New York
StudiumWirtschaft und Internationale Beziehungen
ParteiDemokraten
Weitere MitgliedschaftDemocratic Socialists of America
AmtAbgeordnete im Repräsentantenhaus
Wahlkreis14. Wahlbezirk von New York

Woher kommt Alexandria Ocasio-Cortez?

Ihre Herkunft hat Alexandria Ocasio-Cortez geprägt: Sie ist Tochter einer Einwanderin aus Puerto Rico, ihr Vater lebte bereits in der zweiten Generation im New Yorker Stadtteil Bronx. Dort hatte er laut AOC ein kleines Unternehmen. Die Familie zog jedoch aus dem berüchtigten Stadtteil weg, ins knapp 50 Kilometer nördlich gelegene Yorktown. Dort sollte Alexandria und ihrem Bruder der Besuch einer besseren öffentlichen Schule ermöglicht werden.

Den Kontakt in die Bronx hat Ocasio-Cortez danach nicht verloren. Sie besuchte immer wieder Teile ihrer Familie, die dort noch lebten, berichtet die Politikerin auf ihrer Internetseite. Bei den Besuchen habe sie die unterschiedlichen Bildungschancen je nach Postleitzahl bemerkt, berichtet AOC.

Welche Erfahrungen Alexandria Ocasio-Cortez prägen

Nach der High School studierte Alexandria Ocasio-Cortez bis 2011 an der Boston University Wirtschaft und Internationale Beziehungen. Während des Studiums arbeitete sie bereits im Büro des demokratischen Senators von Massachusetts, Edward Kennedy. Dabei kümmerte sie sich vor allem um Einwanderungsfragen. Sie habe die Schicksale von Familien kennengelernt, die durch die Einwanderungsbehörde ICE getrennt worden seien, berichtet AOC.

Alexandria Ocasio-Cortez macht im New Yorker Stadtteil Queens Wahlkampf für die anstehenden Midterms. Dabei hält sie eine Rede. Im Hintergrund stehen ihre Fans und halten Schilder mit politischen Botschaften in die Höhe.
Will die Bronx und Queens weiter im Kongress vertreten: Alexandria Ocasio-Cortez, kurz AOC, beim Wahlkampf in ihrer Heimat New York. (Archivfoto) © John Nacion/Imago

Nach dem Studium und Praktikum im Büro des Politikers strebte Ocasio-Cortez keine politischen Ämter an. Sie arbeitete als Bildungsdirektorin beim National Hispanic Institute. Dabei unterstützte sie etwa junge Einwanderer:innen, sich aufs College vorzubereiten.

So erfüllend die Arbeit mit jungen Menschen gewesen sei, habe sie die Rechnungen nicht bezahlt, erklärte Ocasio-Cortez den Podcastern Cornel West und Tricia Rose 2020. Dabei hatte AOC zu diesem Zeitpunkt noch etwa 25.000 Dollar Schulden wegen ihres Studiums. Hinzu kam, dass ihre Familie Unterstützung brauchte und etwa auf Essensmarken angewiesen war, wie das New York Magazine berichtete. Ocasio-Cortez begann deshalb als Kellnerin in New York zu arbeiten.

Von der Bar in den Kongress: Wie Ocasio-Cortez in die Politik kam

Mit ihren Kolleg:innen diskutierte Ocasio-Cortez oft über Politik. Thema waren vor allem Krankenversicherungen – Ocasio-Cortez hatte zu dieser Zeit keine – und die Ideen von Bernie Sanders. AOCs erster Wahlkampf war schließlich nicht ihr eigener, sondern die Kandidatur von Sanders bei der Präsidentschaftswahl 2016. Sie unterstützte den linken Kandidaten als ehrenamtliche Organisatorin.

2018 war Alexandria Ocasio-Cortez schließlich selbst an der Reihe. Mithilfe der „Justice Democrats“ kandidierte sie bei den Midterms. Die „Justice Democrats“ wollten demokratische Kandidierende ablösen, die von Unternehmen unterstützt wurden. AOCs jüngerer Bruder Gabriel hatte sie zuvor für das Programm vorgeschlagen.

Während sie noch als Kellnerin arbeitete, trat Ocasio-Cortez im 14. Wahlbezirk von New York bei den Vorwahlen der Demokraten gegen Joe Crowley an. Dieser war seit 1999 Abgeordneter, galt als enger Vertrauter von Nancy Pelosi und wurde als nächster Sprecher des Repräsentantenhauses gehandelt.

Alexandria Ocasio-Cortez wird zur jüngsten Frau im Kongress

Ocasio-Cortez und die Justice Democrats machten das laut New York Magazine zu ihrem Vorteil und betonten die Gegensätze: Ein privilegierter alter, weißer Mann sollte 700.000 Menschen vertreten, wovon über die Hälfte einen Migrationshintergrund hat, durchschnittlich 38 Jahre alt ist und der arbeitenden Klasse angehört. Alexandria Ocasio-Cortez setzte sich durch. Die tatsächliche Wahl war keine große Herausforderung mehr.

Am 3. Januar 2019 wurde Alexandria Ocasio-Cortez schließlich als Abgeordnete des Repräsentantenhauses vereidigt. Damit wurde sie die jüngste Frau überhaupt im Kongress. 2020 wurde AOC wiedergewählt.

Aller guten Dinge sind drei? Alexandria Ocasio-Cortez steht bei Midterms 2022 zur Wahl

Bei den Midterms am 8. November 2022 musste sich Alexandria Ocasio-Cortez erneut beweisen, um den 14. New Yorker Wahlbezirk weiterhin im Repräsentantenhaus vertreten zu können. Bei den Vorwahlen hatte sie keine Schwierigkeiten: Innerhalb der Demokraten gab es keine Konkurrenz.

Ocasio-Cortez setzte sich bei den Zwischenwahlen mit 70,6 Prozent deutlich gegen die Republikanerin Tina Forte (27,5 Prozent) und Desi Cuellar von der Conservative Party (1,9 Prozent) durch. AOCs Wiederwahlt galt im demokratisch dominierten New York jedoch als sicher.

Politische Ziele: Was fordert AOC?

Seit ihrer Wahl setzt sich AOC vor allem für den Klimaschutz und den Ausbau von erneuerbaren Energien ein. „Wir müssen den Klimawandel wie eine ernsthafte existenzielle Bedrohung unseres Planeten behandeln“, erklärt Ocasio-Cortez auf ihrer Webseite. Sie brachte deshalb die Gesetzesvorlage des Green New Deal in den Kongress ein.

Weitere Forderungen und Ziele von Alexandria Ocasio-Cortez sind unter anderem:

Im Bereich der Außenpolitik sorgte Alexandria Ocasio-Cortez mit Äußerungen zum Nahost-Konflikt für Aufsehen und sah sich mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert. Beispielsweise kritisierte sie Joe Bidens Erklärung, wonach Israel ein „legitimes Recht“ habe, „sich selbst und sein Volk zu verteidigen“. Biden stehe auf der „Seite der Besatzung“, erklärte Ocasio-Cortez in einer Rede im Repräsentantenhaus im Mai 2021. Die USA müssten „ihre Rolle in der Ungerechtigkeit und den Menschenrechtsverletzungen“ anerkennen. „Apartheid-Staaten sind keine Demokratien“, twitterte AOC ebenfalls im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt im Mai 2021.

Politische Influencerin: Alexandria Ocasio-Cortez zeigt sich auf Twitter und Instagram nahbar

Obwohl Alexandria Ocasio-Cortez noch verhältnismäßig neu in der amerikanischen Politik ist, hat sie bereits eine große Reichweite. Diese zeigt sich besonders in den sozialen Medien: Auf Twitter erreicht sie 13,5 Millionen Menschen, auf Instagram hat sie 8,6 Millionen Follower:innen (Stand 12. Oktober 2022).

Besonders auf Instagram pflegt AOC den Kontakt zu ihren Anhänger:innen. Immer wieder beantwortet sie in Live-Streams oder mithilfe der Story-Funktion Fragen und erklärt politische Themen, deren Auswirkungen sowie ihre persönliche Meinung. AOC unterscheidet sich laut dem Medienmagazin Fast Company von anderen Politiker:innen dadurch, dass diese ihre Texte von Mitarbeitenden schreiben ließen und professionelle Fotos verwendeten. Bei Ocasio-Cortez sei dagegen auffallend, dass sie sich wie ein „Digital Native“ verhalte, Emojis und Sticker verwende, Selfie-Videos aufnehme und auch Fragen beantworte, während sie Gemüse schneidet.

Ocasio-Cortez emotionale, strategische und praktische Unterstützung: Ihr Verlobter Riley Roberts

Gelegentlicher Gast in ihren Instagram-Videos ist Riley Roberts, mit dem sie seit April 2022 verlobt ist. Beide kennen sich seit ihrer Zeit an der Boston University, waren zwischenzeitlich getrennt. Roberts hält sich häufig im Hintergrund. Dennoch hat er laut der Dokumentarfilmerin Rachel Lears sie bedeutend im Wahlkampf vor den Midterms 2018 unterstützt. „Vom Emotionalen über das Strategische bis zum Praktischen war er ein sehr wichtiger Partner für sie“, sagte Lears. (Max Schäfer)

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