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Alexander Van der Bellen: Was über Österreichs Bundespräsidenten bekannt ist

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Von: Max Schäfer

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Alexander Van der Bellen ist seit 2017 Bundespräsident Österreichs. 2022 hofft er auf die Wiederwahl. Aber woher kommt er eigentlich und was sind seine Ziele?

Wien – Alexander Van der Bellen ist seit Januar 2017 Bundespräsident der Republik Österreich. Seitdem hat er einige Krisen miterlebt, darunter die Ibiza-Affäre um den Rechtsaußen Strache und den Korruptionsskandal um den ehemaligen ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz. Kritiker:innen wie etwa Dominik Wlazny kritisieren seinen ruhigen Politikstil, viele Österreicher:innen schätzen ihn jedoch: In einer Umfrage der österreichischen Nachrichtenagentur APA im Juli 2022 war Van der Bellen der vertrauenswürdigste Politiker.

NameAlexander Van der Bellen
SpitznamenSascha, VdB
Geboren18. Januar 1944 in Wien
StudiumVolkswirtschaftslehre (habilitiert)
Ehemalige ParteiDie Grünen
AmtBundespräsident (seit 2017)

Woher kommt Alexander Van der Bellen?

Angesichts seines Status als Bundespräsident Österreichs hat Alexander Van der Bellen einen eher ungewöhnlichen Lebenslauf. Das 2016 gewählte Staatsoberhaupt der Alpenrepublik hat einen Flucht- und Migrationshintergrund. Darauf deutet unter anderem einer seiner Rufnamen hin: Van der Bellen wird – neben der Abkürzung „VdB“ – auch Sascha genannt.

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen geht laut eigener Aussage gerne wandern.
Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen geht laut eigener Aussage gerne wandern. (Archivfoto) © Johann Groder/dpa

Van der Bellens Vorfahren sollen im 18. Jahrhundert aus den Niederlanden nach Russland übergesiedelt sein. Der Großvater des späteren österreichischen Bundespräsidenten war dort laut der Wochenzeitung Zeit Leiter der bürgerlichen Lokalregierung in Pskow. Kurz vor der Oktoberrevolution trat dieser dann zurück. 1919 floh die Familie Van der Bellen schließlich nach Estland, wo Alexanders Vater studierte, eine Holzexportfirma leitete und schließlich als Manager der British Overseas Bank arbeitete. Nach Einmarsch der Roten Armee in Estland folgte jedoch Anfang 1941 die zweite Flucht nach Wien. Dort wurde Alexander Van der Bellen am 18. Januar 1944 geboren.

Alexander Van der Bellens Weg zum VWL-Professor

Anschließend zog es die Familie jedoch nach Tirol. Nach seiner Schulzeit in Innsbruck begann Alexander Van der Bellen schließlich sein Studium der Volkswirtschaftslehre an der dortigen Universität. Nach dem Abschluss als Diplom Volkswirt setzte der spätere Politiker seine akademische Karriere jedoch fort und wurde nach der Habilitation 1975 schließlich Professor an den Universitäten in Innsbruck und Wien. Alle Stationen in der akademischen Laufbahn Van der Bellens im Überblick:

Alexander Van der Bellen konzentrierte sich bei seiner Forschung vor allem auf die Themen Steuerpolitik, Infrastruktur, Umwelt- und Verkehrspolitik sowie staatliche Regulierungen.

Der politische Werdegang von Alexander Van der Bellen

Alexander Van der Bellen war ab Mitte der 70er-Jahre Mitglied der SPÖ. Dabei beteiligte er sich jedoch nicht aktiv an der Parteiarbeit und hatte somit keine Ämter inne. Ende der 80er-Jahre kam Van der Bellen über seine „Herzensthemen“ Umweltschutz, Klimawandel und Menschenrechte zu den Grünen. Den Kontakt zur damals neuen Partei stellte dabei sein ehemaliger Doktorrand Peter Pilz her.

1994 zog Alexander Van der Bellen schließlich erstmals ins österreichische Parlament, den Nationalrat, ein. Drei Jahre später wurde er schließlich Parteivorsitzender der Grünen und blieb es bis 2008. 1999 übernahm der spätere Bundespräsident auch das Amt des Klubobmanns der Grünen im Nationalrat. Das Amt entspricht der Position eines Fraktionsvorsitzenden in deutschen Parlamenten. Bis 2012 war Van der Bellen im Nationalrat vertreten. Anschließend war er Abgeordneter im Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderats.

Van der Bellens Wahl zum Bundespräsidenten 2016

Alexander Van der Bellen entschied sich schließlich, bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich 2016 anzutreten. Er glaube an die Menschenrechte und -pflichten. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sollten nicht als selbstverständlich gesehen werden, sagte Van der Bellen vor seiner ersten Amtszeit. Er wolle seinen Anteil leisten, dass diese auch in Zukunft garantiert seien. Als Bundespräsident wollte Van der Bellen zudem sich aus der Tagespolitik heraushalten und stattdessen das „Parteiübergreifende des Bundespräsidenten“ betonen.

Van der Bellens Wahl zum Bundespräsidenten 2016 zog sich über knapp zehn Monate. Im ersten Wahlgang im April trat der als unabhängiger Bewerber kandidierende Van der Bellen gegen fünf weitere Kandidat:innen an und erhielt mit 21 Prozent die zweitmeisten Stimmen. Auf dem ersten Platz lag FPÖ-Politiker Norbert Hofer mit 35 Prozent. In der Stichwahl im Mai erhielt Van der Bellen eine knappe Mehrheit.

Die Stichwahl musste allerdings wegen Verstößen gegen das Wahlgesetz beim Umgang mit den Briefwahlstimmen wiederholt werden. Wegen falsch geklebten Kuverts für die Briefwahl musste auch die Wiederholung verschoben werden. Dadurch kam es erst im Dezember 2016 zur Stichwahl, in der sich Alexander Van der Bellen mit 53,8 Prozent gegen den Rechtsaußen Hofer durchsetzte. Am 26. Januar 2017 wurde Van der Bellen schließlich von der Bundesversammlung angelobt.

Österreich-Wahl 2022: Van der Bellen strebt Wiederwahl an

Auch bei der Österreich-Wahl 2022 am 9. Oktober 2022 bewirbt sich Alexander Van der Bellen um eine zweite Amtszeit als Bundespräsident. In seiner Kampagne will sich der Amtsinhaber als Ruhepol und Garant für Stabilität inszenieren. Sein Motto lautet „Vernunft und Stabilität in stürmischen Zeiten“. Durch Slogans wie „Aus ganzem Herzen Österreich“ betont VdB zudem den Heimatgedanken.

Gleich sechs Kandidaten wollen Alexander Van der Bellen als Bundespräsident Österreichs ablösen. Darunter sind gleich vier Kandidaten, die dem rechten Lager zuzuordnen sind. Größter Konkorrent ist dabei FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz.

Scheidung und zweite Ehe: Das Privatleben Van der Bellens

Bereits mit 18 Jahren heiratete Van der Bellen seine erste Frau Brigitte, mit der er zwei Söhne hat. Nach knapp 50 Jahren Ehe folgte die Scheidung. Seit Dezember 2015 ist der amtierende Bundespräsident mit der Grünen-Politikerin Doris Schmidauer verheiratet. Beide leben in Wien und im Tiroler Kaunertal. Zu seinen Hobbys gehören laut der Internetseite des Bundespräsidenten Lesen und Wandern. Zudem beginne er den Tag mit Sudokus. (Max Schäfer)

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