Alea Horst, 38
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Alea Horst, 38

Deutschland

Alea Horst, 38

  • vonPhilipp Hedemann
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„Niemand kann sagen: Das haben wir nicht gewusst.“

„Ich bin Fotografin und dokumentiere die unhaltbaren Zustände in Moria seit 2016. Ich war vier Mal mit der Kamera hier. Zuletzt im Juli. Jedes Mal, wenn ich kam, hatten die Verhältnisse sich dramatisch verschlechtert. Ich habe in Flüchtlingslagern in Jordanien und in Bangladesch gearbeitet und war während des Krieges in Syrien und in Slums in Afrika. Aber nirgendwo haben die Menschen unter so katastrophalen Bedingungen gelebt wie in Moria. Und das innerhalb der Europäischen Union! Das ist absolut inakzeptabel. Natürlich wussten die Verantwortlichen in Europa auch schon vor dem Feuer, wie schlimm die Verhältnisse hier waren. Bilder gab es ja genug. Niemand kann sagen: ,Das haben wir nicht gewusst.‘ Als ich von dem Feuer hörte, habe ich sofort beschlossen, all meine anderen Jobs aufzugeben und nach Lesbos zu fliegen. Ich bin aber nicht nur hier, um das Leid zu dokumentieren, sondern auch um den Menschen zu helfen.

Ein afghanischer Arzt, der in Moria lebt, hat mir geschrieben, was die Menschen jetzt am dringendsten brauchen. Ich habe eine Apotheke halb leer gekauft. Insulin, Blutdrucksenker, Schmerzmittel und andere Medikamente. Immerhin habe ich schon ein paar Menschen mit teilweise lebensnotwendiger Medizin versorgen können.“

Aufgezeichnet von Philipp Hedemann.

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