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Kämpfer der Al-Nusra-Front in Libanon. Die Gründungen in Tunesien, Libyen und Syrien geben sich neue Namen, um ihre Bindung zu Al-Kaida zu verschleiern.

Islamistischer Terror

Al-Kaida wird immer mächtiger

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Die gesamte arabische Region versinkt in Chaos, Krieg, Diktatur – und Al-Kaida ist stärker als je zuvor. Selbst die Terrorkonkurrenz vom „Islamischen Staat“ hat den sogenannten Gotteskriegern nicht geschadet.

Noch 2011, zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September, bebte die US-Regierung vor Optimismus. „Wir sind nahe dran, Al-Kaida strategisch zu besiegen“, brüstete sich der damalige Pentagon-Chef Leon Panetta. Im Nahen Osten blühte der Arabische Frühling. Die Uhr der Bin-Laden-Terroristen schien endgültig abgelaufen, ihre hasserfüllte, islamistische Ideologie angesichts keimender Demokratiehoffnungen ein Auslaufmodell.

Doch die Prognosen vom absehbaren Ende der Terrorgruppe erwiesen sich als falsch. Fünf Jahre später versinkt die gesamte arabische Region in Chaos, Krieg, Diktatur – und Al-Kaida ist stärker als je zuvor. Selbst die neue Terrorkonkurrenz vom „Islamischen Staat“, die mit ihrer schieren Brutalität und blitzartigen Offensiven in Syrien und im Irak seit Mitte 2014 die Aufmerksamkeit des ganzen Erdballs auf sich zieht, hat den sogenannten Gotteskriegern und ihrer afghanischen Zentrale nicht geschadet.

Unbeirrt festigten sie im Windschatten des IS-Medienhypes vor allem in Syrien und im Jemen ihre Macht, umwarben Verbündete in der lokalen Bevölkerung und brachten zahlreiche Enklaven und Gebietsstreifen unter ihre Kontrolle. Im Umgang mit den Leuten vor Ort erließ die Al-Kaida-Führung unter Bin-Laden-Nachfolger Aiman Al-Sawahiri „neue Richtlinien für den Dschihad“. Diese wiesen die Kämpfer an, Gewalt gegen Minderheiten und nicht-sunnitische Muslime zu meiden, weil dies eine „Revolte der Massen“ auslösen könne. Weiter hieß es in dem Text, die eigenen Leute sollten keine Frauen und Kinder töten, Attentate auf Märkte und Moscheen stoppen sowie stärker mit anderen islamistischen Gruppen kooperieren, „selbst solchen, mit denen Al-Kaida tiefe ideologische Differenzen hat“. Gründungen in Tunesien, Libyen und Syrien gaben sich mit Ansar al-Scharia oder Dschabat al-Nusra sogar neue Namen, um ihre Bindung zu Al-Kaida zu verschleiern.

Heute stärker dezentralisiert

Vor allem im Jemen, aber auch in Pakistan, sind die USA den Terrordrahtziehern mit ihren Drohnen nach wie vor hart auf den Fersen. Im Juni 2015 wurde der langjährige jemenitische Al-Kaida-Chef Nasser al-Wuhaischi von einer Rakete getötet, der größte Verlust für das Terrornetzwerk seit dem Tod Osama bin Ladens 2011. Nach Statistiken des „Long War Journal“ blieb die Zahl der unbemannten Luftschläge im Süden der Arabischen Halbinsel in den vergangenen vier Jahren trotz des Bürgerkriegs mit 22 bis 24 konstant hoch. In Pakistan lag sie noch 2013 und 2014 etwa gleichauf, in den letzten beiden Jahren sanken die Angriffe auf elf beziehungsweise drei.

Und so gibt es für Washington keinen Grund zur Entwarnung. Al-Kaida sei stärker dezentralisiert als zu Zeiten des 11. September 2001, aber nicht minder virulent, heißt es im Weißen Haus. Die Gefahr gehe nicht mehr primär von der Führungsspitze aus, sondern von lokalen Filialen, Verbündeten und ideologisch Gleichgesinnten, erklärte Barack Obama. In seiner Rede zur Lage der Nation Anfang des Jahres bezeichnete der US-Präsident Al-Kaida ausdrücklich als „eine direkte Bedrohung für das amerikanische Volk“.

Denn die Instabilität im Mittleren Osten und in Nordafrika hält an. „Sie wird noch Jahrzehnte dauern, wahrscheinlich die nächsten ein bis zwei Generationen“, bilanzierte dieser Tage der Extremismusexperte am Middle East Institute in Washington, Charles Lister. Al-Kaida sei das langlebigste Dschihadistenprojekt, das derzeit existiere. Die Al-Kaida-Idee werde daher „noch über viele Jahre eine enorme Bedrohung bleiben für die lokale, die regionale und auch die internationale Sicherheit.“

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