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Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad.

Präsidenten-Wahl im Iran

Ahmadinedschad hat keine Zukunft mehr im Iran

Vom Liebling zum Buhmann der Nation: Wenn Ahmadinedschad im Sommer sein Amt abgibt, ist er 57. Für den Ruhestand ist das zu jung, doch eine politische Zukunft für ihn ist derzeit schwer vorstellbar.

Von Ulrich von Schwerin

Als im Juni 2005 ein kleiner Mann im Anorak mit dem typischen Dreitagebart der Regimeanhänger die Präsidentenwahl im Iran gewann, waren nicht nur im Ausland viele überrascht. Zwar war Mahmud Ahmadinedschad da bereits zwei Jahre Bürgermeister von Teheran, doch landesweit fehlte es ihm lange an der nötigen Popularität. Selbst seine eigene Partei hob zunächst einen anderen Kandidaten aufs Schild. Nun, da er nach acht Jahren die Macht abgibt, ist er erneut isoliert. Doch seinen Namen kennt inzwischen die ganze Welt.

Wesentlich dazu bei trug seine angebliche Äußerung von 2005, wonach „Israel von der Landkarte radiert werden muss“. Inmitten der Debatte um das Atomprogramm klang dies von einem Mann, der als radikal und irrational galt, als wolle der Iran aktiv in den Nahost-Konflikt eingreifen. Zwar hatte er eigentlich gesagt, dass „das Besatzungsregime Jerusalems von den Seiten der Geschichte verschwinden muss“. Doch die falsche Übersetzung ließ sich nicht mehr einfangen.

Ahmadinedschad tat jedoch wenig, die internationale Empörung zu mindern. Vielmehr goss er weiter Öl ins Feuer und wiederholte bei jeder Gelegenheit seine Angriffe auf Israel. So bezeichnete er im Dezember 2005 den Holocaust als Mythos. Zunächst ging sein Kalkül, sich damit als Wortführer der arabischen Straße zu positionieren, auf. Doch als er ein Jahr später eine Konferenz notorischer Holocaust-Leugner organisierte, ging das auch vielen seiner Anhänger zu weit.

Im Kontakt mit dem Messias

Selbst Konservative kritisierten, dass er damit unnötig die internationale Isolation verschärfe. Auch sonst mehrte sich die Kritik am Präsidenten. Seine Behauptung, in direktem Kontakt mit dem Mahdi, dem schiitischen Messias, zu stehen, kam bei den Geistlichen nicht gut an. Zudem mehrten sich die Konflikte mit dem Parlament und nicht zuletzt dem Geistlichen Oberhaupt, Ajatollah Ali Chamenei.

Vor der Präsidentenwahl im Juni 2009 war Ahmadinedschad für viele Konservative keineswegs erste Wahl. Als der Reformer Mir Hussein Mussawi nach einem packenden Wahlkampf zu gewinnen drohte, scharrten sie sich aber doch wieder hinter Ahmadinedschad. Mit brutaler Gewalt ließ Chamenei die Proteste niederschlagen, während Ahmadinedschad die Demonstranten als „Staub und Dreck“ verhöhnte.

Die zweite Amtszeit gestaltete sich schwierig. In den Jahren zuvor hatte er auf ausgedehnten Reisen durch die Provinzen mit beiden Händen Geld für neue Straßen, Schulen und Krankenhäuser verteilt. Doch nicht nur hatte dies den Staatshaushalt massiv belastet, sondern auch die Inflation in die Höhe getrieben. Viele kritisierten, der Präsident habe zwar sein Versprechen erfüllt, „die Öleinnahmen auf den Esstisch des Volkes“ zu bringen, doch könne sich das Volk davon auch nicht mehr kaufen.

Wenn Ahmadinedschad im Sommer sein Amt abgibt, ist er 57. Für den Ruhestand ist das zu jung, doch eine politische Zukunft für ihn ist derzeit schwer vorstellbar. (afp)

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