Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kundgebungen nach Bluttat in Worms
+
Kundgebung gegen Rassismus in Worms

Afrozensus

Anti-Schwarzer Rassismus ist weit verbreitet

  • Jakob Maurer
    VonJakob Maurer
    schließen

Für den Afrozensus wurden erstmals mehr als 5000 Menschen dazu befragt, welche Formen der Diskriminierung sie in Deutschland erfahren. Das Ergebnis: Die Formen sind zahlreich.

Berlin – Meilenstein, Schlüsselmoment, neue Zeitrechnung – die Worte, die am Dienstag für die Online-Befragung mit dem Namen Afrozensus gefunden wurden, könnten größer kaum sein. „Der Afrozensus ist wegweisend für einen Institutionswandel auf dem Weg in eine rassismuskritische Gesellschaft“, sagte Maisha-Maureen Auma, afrodeutsche Professorin für Diversity Studies an der Universität Magdeburg-Stendal anlässlich der Vorstellung der bislang größten Befragung unter Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Menschen in Deutschland.

Die Ergebnisse zeigen, dass Anti-Schwarzer Rassismus in Deutschland weit verbreitet und in Institutionen verankert ist. Kriminalisierung, Exotisierung und Sexualisierung sind nur drei der zahlreichen Muster, die viele Befragte erleben.

Die Organisationen „Each One Teach One“ und „Citizens of Europe“ hatten vom 20. Juli bis zum 6. September 2020 Schwarze Menschen und Menschen afrikanischer Herkunft dazu aufgerufen, einen Online-Fragebogen zu ihren Lebensrealitäten und Diskriminierungserfahrungen auszufüllen. 10.000 Menschen meldeten sich laut Daniel Gyamerah, Politikwissenschaftler und Mitinitiator des Projekts, an. 5793 füllten den Fragebogen aus.

Afrozensus: Diskriminierungs-Erfahrungen aus 14 Lebenswelten

Der mehr als 300 Seiten lange Bericht beziffert Erfahrungen aus 14 Lebenswelten, darunter Arbeit, Öffentlichkeit und Freizeit oder Gesundheit. In neun davon gab demnach mehr als die Hälfte der Befragten an, manchmal, oft oder sehr häufig Diskriminierungserfahrungen zu machen. Im Kontakt mit der Polizei, auf dem Wohnungsmarkt und bei der Nutzung von Internet und Medien antwortete sogar rund jede:r Fünfte, sehr häufig Rassismus zu erleben. Nur rund drei Prozent der Befragten gaben an, nie Anti-Schwarzen Rassismus zu erleben.

„Nie zuvor wurde bisher so tiefgehend untersucht und herausgearbeitet, welche speziellen Formen Anti-Schwarzer Rassismus annehmen kann“, sagte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Dienstag. Frankes Institution hatte das Forschungsprojekt gefördert. Bisher gab es über die Bevölkerungsgruppe kaum statistische Angaben – lediglich die Schätzung des Mikrozensus, wonach in Deutschland mehr als eine Million Menschen afrikanischer Herkunft leben. Franke sagte dazu: „Wir stellen ebenfalls fest, dass die derzeit für Deutschland zu Verfügung stehenden Daten nicht ausreichen, um die strukturelle Diskriminierung von Menschen afrikanischer Herkunft sichtbar zu machen.“ Und das, obwohl EU-Staaten von der Kommission im Zuge der sogenannten UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft von 2015 bis 2024 zu einer solchen Datenerhebung aufgefordert seien.

Afrozensus: „Daten sind daher ein wirksames Instrument im Kampf gegen Rassismus“

Michaela Moua, Anti-Rassismus-Koordinatorin der Europäischen Kommission, sagte am Dienstag digital zugeschaltet: „Solche Daten sind für die Mitgliedstaaten unerlässlich, um ihre Einhaltung der Menschenrechte zu überwachen.“ Sie ermöglichten es Gesetzgeber:innen, bessere Politik zu machen. „Daten sind daher ein wirksames Instrument im Kampf gegen Rassismus“, sagte sie.

Maisha-Maureen Auma forderte, dass es von nun an nicht mehr an den Bürger:innen liegen solle, „einseitig die Beweislast zu tragen, wenn sie rassistisch geprägte Exklusion oder Gewalt erfahren“. Institutionen hätten jetzt Daten zur Verfügung, um Menschen besser zu unterstützen.

Der Afrozensus ist als langfristige Befragung angelegt. Bislang gebe es jedoch keine Förderung für Folgeprojekte und allgemein zu wenig Gelder für die Forschung in diesem Bereich, kritisierte Daniel Gyamerah: „Das sind Rahmenbedingungen, die die Bundesregierung setzen muss.“ (Jakob Maurer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare