Afrikaner? Nein, einfach nur junge Deutsche. 
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Afrikaner? Nein, einfach nur junge Deutsche. 

Prävention

Afrozensus gegen Rassismus

Erste breite Erhebung zu schwarzen Menschen kommt im Frühjahr in Deutschland.

Mit einer bundesweiten Online-Befragung sollen im Frühjahr erstmals die Lebenssituation, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven von schwarzen Menschen in Deutschland statistisch erfasst werden. Ziel des „Afrozensus“ sei es, ein möglichst umfassendes Bild davon zu erhalten, wie schwarze Menschen ihr Leben im Land einschätzten und welche Erwartungen sie an Gesellschaft und Politik hätten, sagte Daniel Gyamerah vom Verein „Each One Teach One“ (Eoto) in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Projekt, das im April startet, wird von Eoto und dem Think Tank „Citizens For Europe“ umgesetzt und von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefördert.

Die Ergebnisse des „Afrozensus“ sollen Ende des Jahres schwarzen Gemeinschaften und der Politik zur Verfügung gestellt werden. Ziel sei es, Maßnahmen vorzuschlagen, um rassistische Diskriminierung abzubauen sowie schwarze Menschen zu schützen und zu fördern, sagte der Eoto-Vorstandsvorsitzende Gyamerah. Der Verein engagiert sich in der Bildungsarbeit und Antirassismusprävention und setzt für die Stärkung schwarzer Menschen ein.

Durch die erhobenen Daten solle eine der jüngsten und stark von Diskriminierung betroffenen Bevölkerungsgruppen in Deutschland als Gruppe statistisch sichtbar werden und ihre Interessen besser vertreten können, sagte Gyamerah. Je größer der Datenbestand des „Afrozensus“ sei, desto schwieriger werde es, die Belange von schwarzen Menschen zu ignorieren. Eingeladen zur Teilnahme seien alle schwarzen Menschen in Deutschland ab 16 Jahren, mehr als 2 000 hätten sich bereits registriert. Anmeldungen sind auf der Internetseite https://afrozensus.de möglich.

Vom Bund gefördert

Seit mehr als 400 Jahren lebten schwarze Menschen in Deutschland und müssten noch immer um Anerkennung kämpfen, kritisierte Gyamerah. Noch immer seien sie etwa bei der Job- oder Wohnungssuche oder in ihren Bildungschancen benachteiligt. Schwarze Menschen seien auch von diskriminierenden Polizeikontrollen nach äußeren Merkmalen („Racial profiling“) besonders stark betroffen.

Die Arbeit schwarzer Interessenverbände müsse durch öffentliche Zuschüsse oder Stiftungen besser gefördert werden, fordert Gyamerah. Die gesellschaftliche Gleichstellung schwarzer Menschen sei ein unvollendeter Prozess, „an dem wir weiter arbeiten müssen“. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lebten 2018 eine Million Menschen in Deutschland, die selbst oder deren Eltern in Afrika geboren wurden. Hinzu kommen schwarze Deutsche oder schwarze Menschen aus anderen Staaten wie Frankreich oder USA. (epd)

Der schwarze US-Amerikaner Ahmaud Arbery wurde in Georgia beim Joggen erschossen. Zwei Weiße stehen unter dringendem Tatverdacht. Das Entsetzen in den USA ist groß.

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