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Ein kongolesischer Priester bei einer Beerdigungszeremonie.
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Ein kongolesischer Priester bei einer Beerdigungszeremonie.

Völkermord

Afrikas Weltkrieg

Etwa sechs Millionen Menschen starben zwischen 1993 und 2003. Die UN verschieben den Bericht zu den Gräueltaten im Kongo, damit die betroffenen Regionen eigene Stellungnahmen dazu verfassen können.

Von Pierre Simonitsch

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat einen Bericht über teils 17 Jahre zurückliegende „schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ in der Demokratischen Republik Kongo erstellt, der schon vor seiner Veröffentlichung für ungewöhnlich viel Ärger sorgt. Der ostafrikanische Kleinstaat Ruanda droht mit dem Abzug seiner 3500 Soldaten aus der gemeinsamen Friedenstruppe der UN und der Afrikanischen Union in Darfur.

Der Grund: Ruandas Militärs werden in dem Bericht für Massaker und Gräueltaten im Kongo verantwortlich gemacht. Die Menschenrechts-Hochkommissarin Navi Pillay, eine Südafrikanerin mit indischen Wurzeln, hat jetzt die Veröffentlichung des Kongo-Berichts auf den 1. Oktober verschoben. So soll den betroffenen Regierungen die Möglichkeit gegeben werden, ihre eigene Version der Ereignisse zu verfassen. Diese Stellungnahmen sollen dann als Anhang hinten an den Bericht gehängt werden.

Das Hochkommissariat nimmt die Zeit von 1993 bis 2003 unter die Lupe. In diese Periode fällt der 1994 in Ruanda verübte Völkermord an den Tutsi. Kurz darauf eroberte eine Tutsi-Armee unter dem Kommando von Paul Kagame das Land. Sie verfolgt bis heute die in den benachbarten Kongo geflüchteten Hutu-Milizen.

Mit dem Völkermord in Ruanda, dem schätzungsweise 800.000 Menschen zum Opfer fielen, beschäftigt sich zwar ein internationales Kriegsverbrechertribunal, das in Arusha in Tansania tagt. Was nach 1994 in der Region geschah, wird dort allerdings nicht verhandelt. Dabei war der Konflikt äußerst blutig. Man spricht von einem „afrikanischen Weltkrieg“, weil nicht nur ein halbes Dutzend afrikanischer Staaten darin verwickelt waren und zum Teil noch sind, sondern auch einige Weltmächte. Etwa sechs Millionen Menschen kamen dabei um. Nun will das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte die bisher geltende Straffreiheit für die Täter aufheben.

Der UN-Bericht bezeichnet Kagames Kriegsführung indirekt als Völkermord

Der fast 600 Seiten starke Bericht stützt sich auf 1500 Dokumente. Er listet Hunderte von Massakern, Massenvergewaltigungen, Zerstörungen von Dörfern und andere Gräueltaten auf, die sich im Verlauf von zehn Jahren auf dem Territorium der Demokratischen Republik Kongo abspielten. Und er stellt die Frage, ob nicht einige dieser Vorgänge den Tatbestand des Genozids erfüllen.

Maßgeblich beteiligt war die von Kagame gegründete „Patriotische Armee Ruandas“. Sie stieß bis in die Hauptstadt Kinshasa vor. Der kürzlich als Präsident Ruandas wiedergewählte Tutsi-Führer jagt weiterhin die mit ihren Familien in den Kongo geflohenen Hutu-Militärs. Bei den Gemetzeln wird kein Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten gemacht. Auch die Hutu-Milizen achten kein Kriegsrecht. Sie waren an den jüngsten Vergewaltigungen von fast 400 Frauen und Kindern im Ort Luvungi beteiligt. Bislang haben sich 242 Opfer von UN-Ärzten behandeln lassen.

Auslöser des „afrikanischen Weltkriegs“ war nicht allein die alte Feindschaft zwischen Hutus und Tutsis. Entscheidend waren die Gier nach den reichen Bodenschätzen des Kongos und die Rivalität zwischen Frankreich und den USA in der Region. Frankreich unterstützte 1994 die damalige Hutu-Regierung in Ruanda. Die USA halfen dem nach Uganda geflohenen Kagame. Tutsis aus Ruanda, Burundi, Uganda und dem Kongo stellten im Exil eine von den USA ausgerüstete „Legion“ auf, die in mehrere afrikanische Konflikte eingriff.

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