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Die letzte französische Patrouille im historischen Timbuktu Mitte Dezember 2021. Foto:
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Die letzte französische Patrouille im historischen Timbuktu Mitte Dezember 2021.

Westafrika

Afrikaforscher über Mali: „Völliger Rückzug wäre jetzt falsch“

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Afrikaforscher Basedau spricht im Interview über die Zukunft des westlichen Einsatzes in Mali, das riskante Engagement russischer Söldner im Krisenstaat und die besondere Rolle Frankreichs.

Herr Basedau, in Mali bahnt sich eine akute Krise an. Wirkt sich das auf die Sicherheit in Europa und Deutschland aus?

Mali ist sicherheitspolitisch schon wichtig. Das Land ist neben Somalia und Nigeria Ausgangspunkt der dschihadistischen Welle, die sich derzeit in Afrika ausbreitet. Auch wegen der Flüchtlinge ist das für die europäische und deutsche Außenpolitik von Bedeutung.

Die Söldnertruppe „Wagner“ zu engagieren, ist für Malis Militärregierung doch riskant, oder?

Es ist zweifellos ein Risiko, aber kein unbegründetes. Erstens bedeutet der französische Teilabzug, dass Mali Unterstützung braucht, denn alleine kann Malis Militär gegen die Dschihadisten nicht bestehen. Die Hinwendung an Russland ist auch ein Signal: „Schaut her, wir haben Alternativen.“ Es ist der Versuch, die Franzosen zum Bleiben zu bewegen, könnte aber auch zur Kurzschlusshandlung eines Totalabzugs führen.

Die russischen Söldner sind bereits da. Wie kann sich der Westen da nicht zurückziehen?

Sich jetzt völlig aus Mali zurückzuziehen, würde ich für falsch halten. Ob es möglich ist, sich mit den Russen zu koordinieren oder mit ihnen zu kooperieren sei dahingestellt. Dazu gehört wohl etwas Fantasie.

Lag der Abzug nicht ohnehin in der Luft? Das westliche Militär hat nichts gebracht, seine Präsenz war sogar kontraproduktiv.

Tatsächlich wurden die Ziele nicht alle erreicht. Aber stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn es 2013 gar keinen Einsatz gegeben hätte! Immerhin wurde ein islamistischer Staat in Mali verhindert und die Ausbreitung des Dschihadismus in Westafrika zumindest gebremst.

Dass die ehemalige Kolonialmacht Frankreich das wegen Menschenrechtsverletzungen berüchtigte malische Militär stützte, hat viele Westafrikaner den Dschihadisten zugetrieben.

Auch da wäre ich vorsichtig. Es stimmt, dass die Rolle Frankreichs in der Region schon aus geschichtlichen Gründen problematisch ist. Aber denken Sie daran, wie frenetisch der französische Einsatz von der Bevölkerung anfangs begrüßt wurde. Die Leute waren froh, dass sie von den Dschihadisten befreit wurden. Das Dilemma ist, dass Frankreich einer der wenigen Staaten ist, der sich in Mali nachhaltig zu engagieren bereit ist, aus historischen und politischen Gründen aber nicht unbedingt der ideale Partner ist. Das ist auch für Deutschland relevant: Wir sind in Mali hauptsächlich wegen des Bündnisses mit Frankreich, sind dort aber Juniorpartner, mit durchaus unterschiedlichen Interessen.

Was würden Sie der deutschen Regierung raten: die Bundeswehr jetzt abziehen oder nicht?

Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn man ‚unsere Jungs und Mädels‘ nicht unnötig einer Gefahr aussetzt. Vor einem unilateralen Abzug Deutschlands würde ich allerdings warnen. Das würde Ärger mit Paris bedeuten und die außenpolitische Reputation Berlins beschädigen. Aber wenn Frankreich sich komplett zurückzieht, wird zweifellos auch Deutschland gehen.

Alles sieht danach aus, dass der Westen in Mali scheitert. Wie könnte das verhindert werden?

Wir dürfen keine zu hohen Erwartungen haben. Wir meinen, mit einem mäßigen Mitteleinsatz von außen die Verhältnisse in Afrika schnell und nachhaltig verändern zu können. Das funktioniert nicht. Ein realistisches Ziel ist, den militanten Dschihadismus zu bremsen, seine Finanzierung zu stoppen und mit ziviler Unterstützung der Regierung der Attraktivität der Islamisten zu begegnen.

Also ist beides nötig, sowohl militärische wie zivile Hilfe?

Exakt. Langfristig ist die Entwicklung das Wichtigste, die dem Dschihadismus den Boden entzieht. Gleichzeitig muss man aber militärisch präsent sein, um die Entwicklung abzusichern. Die Verzahnung dieser beiden Ansätze ist entscheidend.

Interview: Johannes Dieterich

Matthias Basedau (53) ist Direktor des Giga- Instituts für Afrikastudien in Hamburg.

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