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AFRIKA VON OBEN

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Messerscharf zeichnen sich die Schatten der Elefantenherde auf dem ausgebleichten Wüstenboden ab, durch die tief stehende Sonne gestreckt und verzerrt, als

Von THOMAS WOLFF

Messerscharf zeichnen sich die Schatten der Elefantenherde auf dem ausgebleichten Wüstenboden ab, durch die tief stehende Sonne gestreckt und verzerrt, als hätte Meister Dalí hier seinen surrealen Phantasien freien Lauf gelassen - tief in der Wüste Namibias. Für solche Momente lebt Michael Poliza. Dann hängt er sich aus der offenen Tür eines Hubschraubers, winkt dem Piloten kurz zu, er möge möglichst weit heruntergehen, und fotografiert das Schauspiel wie im Glücksrausch. Denn Afrika von oben zu erleben, ist seine Passion.

Die Vogelperspektive, erzählt der in Kapstadt residierende Deutsche, bietet einfach die überraschendsten Ansichten des Kontinents. "Plötzlich werden da Muster und Spiele der Natur sichtbar, die man von unten gar nicht sehen könnte." Dünenkämme wie riesenhafte Kreuze, die auch als Exponate eines genialen Land-Art-Künstlers durchgehen könnten. Die Trampelpfade der Elefanten im Okawango-Delta, ein helles Spinnennetz in der grünen Überschwemmungslandschaft. Und dann die Farben, die Farben Afrikas - Poliza, der schon in 140 Ländern Tiere, Menschen, Landschaften fotografiert hat, bekommt einen schwärmerischen Tonfall, wenn er sie beschreibt. "Von einem tiefen Karminrot über Orange ins Gelb hinein, dann ins Bräunliche, die wildesten Farben gibt es da", am Lake Natron in Tansania nämlich.

Dessen Mineral-gesättigtes, unter der Äquatorsonne langsam verdunstendes Wasser überflog er 2006 auf einer Helikopter-Tour durch 19 Länder des Kontinents. Die Siebeneinhalb-Wochen-Strapaze, deren Ausbeute im Herbst unter dem Titel "Eyes Over Africa" auf dem deutschen Markt erscheint, war der bisherige Höhepunkt seiner Liebe zu luftigen Perspektiven. Gerade hat er in Deutschland in der Druckerei letzte Hand an die Litho-Vorlagen gelegt, hat die Farben für den Druck des neuen, gewaltigen Werks kontrolliert - und ist in dieser Woche schon wieder unterwegs, irgendwo in Afrika, vom Bilderhunger getrieben.

Ein Überflieger ist er deshalb lange nicht. Auch, wenn der 49-Jährige schon steile Karrieren als Schauspieler und IT-Unternehmer hinter sich hat. Sehr sorgfältig plant er all seine Großunternehmungen und Safaris, nimmt sich Zeit, lässt sich von Einheimischen Ratschläge geben, wo die Wildtiere zu bestimmten Tageszeiten am ehesten anzutreffen sind, und wo er sich mit der Kamera auf die Lauer legen kann.

Auf eine salbungsvolle Message verzichtet er bei aller Leidenschaft. Vielleicht nur, "die wahnsinnige Schönheit" der afrikanischen Wildnis rüberzubringen. Um "ein positives Gefühl für Afrika zu erwecken, aus dem heraus sich die Leute vielleicht mehr um den Kontinent kümmern."

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