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Acht Jahre nach dem Sturz von Langzeitmachthaber al-Gaddafi stehen die Chancen auf eine politische Lösung des Konflikts in Libyen schlecht.

Dschihadisten breiten sich aus

Sahelzone in Afrika: Im Griff des Terrors

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Dschihadisten breiten sich in der Sahelzone immer weiter aus.

Die Terrorattentate werden häufiger und blutiger: Im Nordosten Malis starben Anfang November bei einem Großangriff des „Islamischen Staates“ (IS) 49 einheimische Soldaten. Ein französischer Militär kam ums Leben, als sein gepanzertes Fahrzeug in eine Sprengfalle fuhr. Vier Wochen später wurden 13 französische Soldaten bei der Kollision zweier Kampfhubschrauber getötet, die ein Terrorkommando jagten.

In Burkina Faso erschossen Dschihadisten 37 Menschen und verletzten 60, als sie im Osten des Landes den Konvoi von Arbeitern einer Goldmine unter Feuer nahmen. Im Niger überfielen mehrere hundert Extremisten mit Selbstmordfahrzeugen ein Militärlager und massakrierten 71 Soldaten. Präsident Mahamadou Issoufou brach daraufhin eine Reise nach Ägypten ab. Er rief eine dreitägige Staatstrauer aus und forderte mehr Hilfe von der internationalen Gemeinschaft.

IS-Terror: In Libyen tobt ein Stellvertreterkrieg

„Sie sind verantwortlich für das, was uns derzeit zustößt, wegen ihrer desaströsen Entscheidung, in Libyen zu intervenieren“, sagte er. Denn mittlerweile breiten sich die Terrorzellen am Südrand Europas in der Subsahara-Region unterhalb der nordafrikanischen Maghreb-Staaten immer schneller aus. Das Dschihadisten-Problem begann 2012 in Mali, ein Jahr nach dem von der Nato herbeigebombten Sturz von Muammar al-Gaddafi. 

Die Hauptlast des militärischen Antiterrorkampfes trägt bislang Frankreich. 2014 schickte Paris im Rahmen seiner Operation „Barkhane“ 4500 Spezialkräfte in den Staatengürtel von Mauretanien, Mali, Burkina Faso und Niger bis zum Tschad. In Mali steuert die Bundeswehr 1100 Mann zu der 13 000-köpfigen Blauhelmtruppe Minusma bei, mit bisher 196 Toten die tödlichste Mission, auf die sich die Vereinten Nationen jemals in ihrer Geschichte eingelassen haben. Das französische Korps verlor 31 Soldaten.

Terror in der Sahelzone: Stellvertreterkrieg in Libyen

Die sich rapide verschlechternde Lage in der Sahelzone ist deshalb so brisant für Europa, weil auch die nordafrikanischen Pufferstaaten entlang der Mittelmeerküste immer mehr ins Wanken geraten. In Libyen herrscht Bürgerkrieg, in weiten Teilen Algeriens kommt es seit zehn Monaten zu Massenprotesten, die eine fundamentale Reform des gesamten korrupten Regierungssystems fordern. Tunesien wiederum bekommt seine wirtschaftlichen Probleme nicht in den Griff. Gleichzeitig wächst in den östlichen Grenzgebieten die Unsicherheit wegen der Nähe zu Libyen.

Denn der Bürgerkrieg in dem Post-Gaddafi-Staat wird immer mehr zu einem erbitterten Stellvertreterkampf. Türkei, Italien und Katar mischen auf der Seite der international anerkannten „Regierung der Nationalen Übereinkunft“ (GNA) von Tripolis mit. Die „Libysche Nationalarmee“ (LNA) des 76-jährigen selbsternannten Feldmarschalls Khalifa Haftar dagegen wird unterstützt von Russland, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in einem gewissen Maße auch von Frankreich.

Frankreich fordert mehr Unterstützung

Wladimir Putin schickte in den letzten drei Monaten mindestens 1000 Söldner des privaten russischen Sicherheitsunternehmens Wagner, die Haftar zum Sieg über Tripolis verhelfen sollen. Im Gegenzug bot Recep Tayyip Erdogan der bedrängten Einheitsregierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj türkisches Militär zur Verteidigung der libyschen Hauptstadt an. Ein türkischer Aufmarsch wiederum könnte Ägypten und die Emirate provozieren, ebenfalls mit Soldaten zu intervenieren. Und dann droht – wie bei Syrien im östlichen Mittelmeer – auch im zentralen Mittelmeer der nächste internationale Waffengang.

Profitieren würden von dem Chaos vor allem die Dschihadisten. Der IS in Libyen könnte wieder erstarken, die Terrorgefahr aus dem Subsahara-Gürtel bald auch die Mittelmeerregion erreichen. „Was auf dem Spiel steht, ist die Sicherheit der Südgrenze Europas“, sagte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian kürzlich vor dem Senat in Paris und forderte: „Unsere Verbündeten müssen sich dringend stärker engagieren.“

In Mali hatte das französische Militär kürzlich zahlreiche Todesopfer zu beklagen. Eine neue Kriegstaktik soll Verluste künftig verhindern: der Einsatz von Drohnen.

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