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Drohnen sollen Güter liefern. (Symbolbild)

Afrika

Drohnennetz für den ganzen Kontinent

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Pionier Ledgard und seine revolutionäre Idee.

Sollte irgendwann der Titel „Vater des afrikanischen Drohnenverkehrs“ ausgelobt werden, führt an Jonathan Ledgard kein Weg vorbei. Als Afrika-Korrespondent des britischen „Economist“ pflegte der 52-jährige Schotte einst kreuz und quer durch den Kontinent zu reisen und dabei auf Schritt und Tritt mit den infrastrukturellen Defiziten des unzugänglichen Erdteils konfrontiert zu werden.

Spätestens als er im abgelegenen somalischen Busch auf einen islamistischen Extremisten stieß, der seine viele Kilometer entfernten Kämpfer mit mehreren Mobilfunktelefonen befehligte, wusste Ledgard, dass die Undurchdringlichkeit des Kontinents angesichts neuer Technologien kein echtes Hindernis mehr war. Und was für die Kommunikationstechnologie galt, musste auch für das Transportwesen gelten.

Von seiner Erkenntnis befeuert, hängte der Journalist seinen Job an den Nagel und heuerte bei der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) an, wo er mit anderen Forschern ein Labor namens „Afrotech“ gründete. Dort sollte die Drohnentechnologie an afrikanische Verhältnisse angepasst werden. Ledgards Vision: den gesamten Kontinent mit einem Netz von Drohnenfluglinien zu überziehen und selbst Städte mittlerer Größe mit kleinen Flughäfen, sogenannten Droneports, auszustatten.

Ein Polizist steuert eine Drohne beim Einsatz am Toddbrook-Stausee in England.

Dabei erinnerte sich der Ex-Journalist an einen Landsmann, über den er einst ein umfangreiches Portrait geschrieben hatte: den Architekten Norman Foster, dem die Welt einige ihrer tollsten postmodernen Konstruktionen – wie den Apple Park in Cupertino, die „Gurke“ der Schweizer Rückversicherung in London oder die Kuppel des Berliner Reichstagsgebäudes – verdankt. Ledgard überfiel den Star-Architekten in seinem Schweizer Schloss mit dem Satz: „Sie haben in Peking den größten Flughafen der Welt gebaut. Wollen Sie jetzt nicht auch die kleinsten Flughäfen dieser Welt entwerfen?“ Und Foster sagte zu.

Der Architekt entwarf ein „Droneport“-Modul, das an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden konnte: Ein aus einzelnen Domen zusammengesetztes Baukastensystem, das mindestens aus einer kleinen Abfertigungshalle, dann wahlweise aus einer Lagerhalle, Kurierbüros oder sogar Schulen und Krankenstationen bestehen kann. Gebaut werden können die unkomplizierten Dome von ansässigen Handwerkern, meint Foster: Selbst die Backsteine, ihr wichtigster Baustoff, seien an Ort und Stelle herstellbar.

Als Ort für ein Pilotprojekt wählte Ledgard Ruanda aus: Die ehemalige Nation der Völkermörder gilt heute als afrikanischer Modellstaat, zumindest wenn es um digitale Technologie, schnellen Internetzugang und ein freundliches Geschäftsklima für Start-ups geht. Der Ex-Korrespondent knüpfte an seine Beziehungen zur ruandischen Regierung an. Zunächst wollte er mit dem Bluttransport-Service „Redline“ beginnen und später zum allgemeinen Drohnentransport-Service „Blueline“ übergehen. Was ihm dazu aber noch fehlte, war Geld.

Konkurrenz um Ruanda

Mittlerweile hatten sich Ledgards Absichten herumgesprochen. Er selbst lud den Zipline-Mitgründer Will Hetzler nach Europa ein, um ihm seine Pläne vorzustellen, später verschaffte er ihm sogar ein Entrée bei der ruandischen Regierung. Zu Ledgards Überraschung tauchte Hetzler wenige Monate später mit einem fast identischen Konzept eines Drohnen-Pilotprojektes in Kigali auf. Die Silicon-Valley-Firma hatte auch schon das nötige Kapital gesichert. Ruandas Regierung gab Zipline den Zuschlag, während Ledgard leer ausging.

Der Drohnen-Vater ist trotzdem nicht sauer auf die Konkurrenz: Hauptsache, seine Idee werde verwirklicht, sagt Ledgard gelassen. Misstrauisch ist er allerdings gegenüber Ziplines eigentlicher Absicht. Der US-Firma käme es mehr auf den Zugang zu den großen globalen Märkten an als auf Afrikas Entwicklung: Sowohl in Asien als auch in den USA versucht Zipline derzeit Lizenzen für Bluttransporte zu ergattern.

In den Sternen steht dagegen, was aus dem über den Kontinent gespannten Drohnennetz sowie aus Fosters genialen Droneports wird – womöglich muss die Verwirklichung von Ledgards Vision auch noch auf das endgültige Ausreifen der motorisierten Fluggeräte warten.

Drohnen weltweit

In Deutschland erfreuen sich Drohnen einer wachsenden Beliebtheit bei Hobbypiloten. Sie machen Urlaubsbilder aus einer ungewohnten Perspektive oder erkunden mit den eingebauten Kameras die Umgebung.

Firmen und Behörden nutzen die Fluggeräte ebenfalls. So setzt die Bundespolizei sie mitunter bei Kontrollen gegen Schleuserkriminalität zur Überprüfung von LKW-Planen ein. Das Berliner Landeskriminalamt erfasst Tatorte mit einer eigens dafür konzipierten Kameradrohne.

In Großbritannien setzte die Polizei eine Drohne ein, als Anfang August ein Damm am Toddbrook-Stausee in Whaley Bridge zu brechen drohte. Einerseits konnten so Schäden begutachtet werden. Zudem sollten per Luftaufklärung auch die evakuierten Gebäude vor Plünderern beschützt werden.

Auch Feuerwehren haben Drohnen im Bestand, um sich bei Großbränden ein genaues Bild von der Lage zu machen. An unübersichtlichen Einsatzstellen kann auf diese Weise genau geplant werden, wo gelöscht wird.

Landwirte nutzen Drohnen, um Schäden an Feldern nach Hagelschauern genau zu erfassen. Aber auch zur Schädlingsbekämpfung heben Drohnen ab: Gegen den Maiszünsler werfen sie gezielt Schlupfwespen ab. Diese Parasiten legen ihre eigene Brut in die Eier des Maiszünslers, dessen Nachwuchs dadurch abstirbt.

Drohnen finden aber auch bei der Inspektionen von Gebäuden Anwendung. Präzise können sie auch in schwer erreichbare Winkel oder in Schächte hineingeflogen werden.

Der Onlinehändler Amazon will nach einer langen Testphase mit der Auslieferung per Drohne loslegen – jedenfalls in den USA. Bei der Luftaufsichtsbehörde FAA wurden nun Genehmigungen beantragt, die den Transport von Sendungen mit einem Gewicht bis 2,5 Kilogramm erlauben sollen.

In Deutschland sind mit dem Drohnenbetrieb strenge Auflagen verbunden. Eine Haftpflichtversicherung ist vorgeschrieben, ein Schild am Gerät muss den Besitzer und seine Anschrift kenntlich machen. Ab zwei Kilogramm Gewicht ist ein Flugkundenachweis erforderlich - eine Art Führerschein.

Nahe Flughäfen sind Drohnen streng verboten. Trotzdem sorgen arglose Hobbypiloten dort immer wieder für Störungen und legen mitunter den Betrieb komplett lahm. Es drohen empfindliche Strafen. (gna)

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