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Günter Nooke: „Das Entwicklungsministerium will ein Viertel seiner Mittel für die Bildung in Entwicklungsländern ausgeben, gerade auch in den ärmeren afrikanischen Ländern.“

Interview

„Afrika braucht private Investitionen“

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Merkels Afrika-Beauftragter Günter Nooke über Entwicklungstendenzen zwischen Kap und Kairo. Der erste Ansatz soll immer Bildung sein.

Herr Nooke, Bundeskanzlerin Merkel hatte am Dienstag eine große Runde afrikanischer Staats- und Regierungschefs zu Gast, um über künftige Investitionen in dem Kontinent zu sprechen. Deutschland hat dafür die Offensive „Compact with Africa“ gestartet, von der bislang aber fast ausschließlich die wirtschaftsstarken Länder wie Ägypten, Marokko, Äthiopien und Ghana profitieren. Ist das Programm falsch angelegt?
Die G20-Initiative „Compact with Africa“ der Bundesregierung ist genauso wie der Afrika-Marshallplan des Entwicklungsministeriums auf private Investitionen ausgerichtet. Die Voraussetzungen für Staaten, in denen die Initiative umgesetzt wird, sind vor allem eine gute Regierungsführung, also Investitionssicherheit für die Unternehmen und genügend ausgebildete Fachkräfte vor Ort. Außerdem sind eine gute Infrastruktur und der Zugang zu großen und interessanten Märkten von Relevanz.

Und diese Voraussetzungen schaffen nur die ohnehin stärkeren Länder?
Nein, das können auch kleine Staaten erfüllen, denn die Afrikanische Union will selbst eine große Freihandelszone in ganz Afrika einrichten – also den Handel von Waren, Dienstleistungen und die Personenfreizügigkeit stärken. Fast überall mangelt es an einer Basisinfrastruktur, wie sie der ägyptische Präsident immer fordert, an Bildung und vor allem verlässlichen Regierungen, die Investitionen berechenbar machen. Afrika braucht funktionierende und überzeugende Vorbilder für wirtschaftlichen Aufschwung und Wachstum. Darum können sich alle bemühen, nicht nur die großen Länder wie Nigeria, Ägypten, Äthiopien oder Kenia.

Fachmann für Afrika: der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke.

Wenn es fast überall an Bildung mangelt – muss Deutschland dann zumindest den armen Ländern da gezielt helfen? Schon, um Jobs zu schaffen und so die Migration zu reduzieren?
Das Entwicklungsministerium will ein Viertel seiner Mittel für die Bildung in Entwicklungsländern ausgeben, gerade auch in den ärmeren afrikanischen Ländern. Dazu gehören Projekte wie eine eLearning-Konferenz für Afrika. Derzeit wird außerdem die sogenannte Africa-Cloud aufgebaut, die neue digitale Lernangebote schaffen soll. Die Bundesregierung stellte vor allem der Afrikanischen Union selbst über 70 Millionen Euro finanzielle Mittel für Vorhaben der Beruflichen Bildung zur Verfügung. Aus diesen Vorhaben entstehen aber noch nicht zwangsläufig Jobs. Es braucht private Investitionen aus Afrika und Europa, damit besser ausgebildete Menschen in Afrika einen Job und gut bezahlte Arbeit finden können. Ansonsten wird der alternative Weg nach Europa nur wahrscheinlicher.

Die UN-Bevölkerungskonferenz in Kenia hat gerade Wege gesucht, das Bevölkerungswachstum in Afrika zu bremsen. Welche Möglichkeiten hat Deutschland dabei?
Durch bessere Bildung kann das Bevölkerungswachstum in Afrika verlangsamt werden. Wenn Frauen aber sagen, dass sie sich trotz ihrer durchschnittlich sieben Kinder eigentlich neun wünschen würden, stecken auch kulturelle Gründe dahinter. In Niger war das zum Beispiel lange der Fall und unter Männern war der Kinderwunsch häufig sogar noch größer. Ich bin fest davon überzeugt, dass wirtschaftliche Entwicklung, Wirtschaftswachstum und ein höherer Lebensstandard für alle – nicht nur für eine elitäre Schicht – den wichtigsten Beitrag leisten können. Das gilt für Afrika genauso wie fast überall auf der Welt.

Interview: Johanna Steele

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