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Afghanistan

US-Truppenabzug: Experte warnt vor Rückkehr von Al-Quaida

  • Delia Friess
    VonDelia Friess
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Am 2. Mai 2011 tötete eine US-Spezialeinheit Al-Quaida-Chef Osama bin Laden. Doch noch immer soll Al-Quaida in Afghanistan aktiv sein. Der US-Abzug aus Afghanistan könnte nun wieder Dschihadisten anlocken.

Washington D.C. - An diesem Sonntag (02.05.2021) vor zehn Jahren wurde Al-Quaida-Chef Osama bin Laden durch die USA und ihre Verbündeten getötet. Der Anführer der Terrororganisation ist einer der Hauptverantwortlichen für die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA. US-Präsident Joe Biden wählte nun ausgerechnet den 11. September 2021 aus, um US-Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Biden folgte damit seinem Vorgänger Donald Trump, der die Truppen allerdings bereits zum Mai 2020 abziehen lassen wollte. Auch Deutschland und Großbritannien wollen den USA folgen und ihre Truppen in diesem Jahr abziehen. Insgesamt befinden sich rund 2500 Soldat:innen der USA in Afghanistan. 18.000 US-Vertragskräfte sind außerdem im Land, die verschiedene Aufgaben erfüllen. 10.000 NATO-Soldat:innen sind insgesamt im Land, darunter 1100 aus Deutschland.

Donald Trump hatte mit den radikal-islamischen Taliban ein Abkommen unterzeichnet, das den schrittweisen Rückzug aller US-Truppen bis Mai 2021 vorgesehen hatte. Dies rief Kritik aus den Reihen der Demokraten als auch der Republikaner hervor. Trump wurde vorgeworfen, mit dem Truppenabzug Wahlkampf zu machen und durch einen zu schnellen Rückzug den Frieden im Land zu gefährden. Die Taliban hatten ihrerseits mit Gewalt und Krieg gedroht, sollten US- und NATO-Soldaten nicht bis zum 1. Mai das Land verlassen haben.

Afghanistan: Joe Biden will US-Truppen abziehen

Inzwischen wird darüber spekuliert, ob der US-Truppenabzug auf den 4. Juli 2021 vorverlegt wird. Auch dies ist ein historisches Datum, nämlich der Unabhängigkeitstag der USA. Der General der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan, General Austin Scott Miller, hatte bereits angekündigt, dass Gewalt der Taliban gegen US- oder NATO-Truppen mit einer „entschiedenen Reaktion“ beantwortet werde.

Ein Fahndungsfoto von Osama bin Laden im 9/11 Memorial Museum in New York.

Afghanistan: 10 Jahre nach Osama bin Ladens Tod - USA wollen Truppen abziehen

Die Entscheidung von Joe Biden Trumps Kurs zu folgen, bleibt allerdings umstritten: Rund 20 Jahre nach dem Einmarsch der USA kommt Afghanistan noch immer nicht zur Ruhe. Die Taliban sind noch immer einflussreich und kontrolliert bis zu der Hälfte des Landes. In einem UN-Bericht von Mai 2020 wird davor gewarnt, dass auch Al-Qaida in Afghanistan heimlich an Stärke gewinne und mit den Taliban zusammenarbeite. Insgesamt sei das Terrornetzwerk in zwölf der 34 afghanischen Provinzen aktiv. Der US-Truppenabzug kann daher auch Folgen für die Sicherheit der Region haben. In der weiteren Nachbarschaft von Afghanistan liegen unter anderem die Türkei, Syrien, Iran und der Irak.

Zwar laufen Friedensverhandlungen mit der Regierung in Kabul, trotzdem warnen Expert:innen vor der Gefahr durch die Taliban. Nicht nur der Extremismus, insbesondere hinsichtlich Frauenrechten, besorgt Beobachter:innen. Die Taliban könnten ihren Einfluss auch außerhalb Afghanistans weiter ausbauen. Schon jetzt verstehen sich die Taliban auf die Macht der Propaganda und arbeiten dabei auch mit neuester Technik.

US-Truppenabzug aus Afghanistan: Al-Quaida und Taliban könnten an Einfluss gewinnen

So warnt Terrorexperte Guido Steinberg von der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ vor einem Wiederaufstieg der Dschihadisten. Die militant-islamistischen Taliban hätten nun keinen Grund, ihr Bündnis mit Al-Qaida aufzugeben und es sei davon auszugehen, dass sie ihre Macht in der Region ausbauen, sagte Sternberg der dpa.

Es werde schwer, die Extremisten in Afghanistan zu bekämpfen, so der Experte. Nach dem Tod von Osama bin Laden seien viele Dschihadisten heute orientierungslos. Osama bin Ladens Nachfolger Aiman al-Sawahiri habe die jüngere Generation nicht mehr erreichen können. Dies könne sich nach dem US-Truppenabzug nun ändern.

Auch Michael O‘Hanlon, Forschungsdirektor bei der Brookings Institution, einer Denkfabrik in Washington, bezeichnet den Truppenabzug als „großen Fehler“. Man überlasse der Taliban den Friedensprozess zu einem Zeitpunkt, als dieser erst begonnen habe und gefährde ihn damit, sagte der Experte der „Deutschen Welle“.

Caritas-Vertreter Stefan Recker sagte hingegen der „Tagesschau“, dass es auch sein könne, dass die Taliban gemäßigter werden könnten. „Wenn sie die Macht übernehmen, wird es in der ersten Zeit wahrscheinlich sehr schlimm werden. Es kann aber sein, dass sie nach einer Übergangsphase, wenn ihre Herrschaft gefestigt ist, gemäßigter agieren werden. Das haben wir gegen Ende der vorherigen Taliban-Herrschaft auch erlebt“, so Recker.

In den ersten Monaten von 2021 sind nach Angaben von internationalen Organisationen mindestens 571 Zivilisten getötet worden. (Delia Friess mit afp)

Rubriklistenbild: © SPENCER PLATT / afp

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