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Kämpfe in Afghanistan

Geheimdienste warnen: Hauptstadt Kabul könnte Taliban schon bald in die Hände fallen

  • Ute Fiedler
    VonUte Fiedler
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Die Taliban sind in Afghanistan weiter auf dem Vormarsch. Die US-amerikanischen Geheimdienste rechnen mit dem Schlimmsten.

Washington D.C./Kabul – Mit dem Abzug internationaler Truppen rücken die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan immer weiter vor. Mittlerweile haben sie die Kontrolle über neun der 34 Provinzhauptstädte. US-Geheimdienste gehen zudem davon aus, dass Afghanistans Hauptstadt Kabul viel früher als erwartet in die Hände der Taliban fallen könnte. Ein Zusammenbruch könnte in 30 bis 90 Tagen erfolgen, berichtete die Washington Post am Dienstag (10.08.2021) und berief sich auf nicht genannte Quellen in den Geheimdiensten.  „Alles bewegt sich in die falsche Richtung“, zitierte die Washington Post einen Experten.

Noch im Juni waren US-Geheimdienstmitarbeiter:innen davon ausgegangen, dass Kabul in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nach dem Abzug des US-Militärs von den Taliban eingenommen werden könnte.

Joe Biden sieht Truppenabzug aus Afghanistan als richtige Entscheidung

Auch wenn die militant-islamistischen Taliban ihren Eroberungszug fortsetzen, die Menschen vor Ort terrorisieren, Anschläge auf Universitäten und Bildungseinrichtungen verüben, erachtet US-Präsident Joe Biden den Abzug der US-Soldat:innen aus Afghanistan weiterhin als richtig. Er bedauere seine Entscheidung nicht, sagte er laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa. Der Vormarsch der Taliban ist nach Ansicht der US-Regierung nunmehr ein Problem der Menschen in Afghanistan. Sie müssten nun „selbst kämpfen, um ihren Staat kämpfen“, sagte Biden im Weißen Haus. Auch in Bezug auf die Truppenstärke seien ihre Streitkräfte den Taliban überlegen. „Aber sie müssen auch kämpfen wollen“, sagte der US-Präsident.

Die Kämpfe in Afghanistan gehen weiter. Menschen inspizieren die Trümmer von Geschäften in Kundus, die bei Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften zerstört wurden.

Biden appellierte an die politische Führung in Kabul, an einem Strang zu ziehen. „Ich glaube, sie beginnen zu verstehen, dass sie an der Spitze politisch zusammenkommen müssen“, sagte er. Er versprach, die USA würden die afghanischen Sicherheitskräfte auch weiterhin finanziell und militärisch unterstützen.

US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Kabul bald unter Kontrolle der Taliban sein wird. US-Präsident Joe Biden erachtet den Abzug der US-Truppen weiterhin als richtige Entscheidung. (Symbolfoto)

Am Dienstag (10.08.2021) hatten die Taliban mit Faisabad in der nordöstlichen Provinz Badachschan die neunte Provinzhauptstadt in weniger als einer Woche eingenommen. Somit haben die Islamisten die Kontrolle über neun der insgesamt 34 Provinzen; seit Beginn des Truppenabzugs der USA Anfang Mai verzeichnen sie massive Gebietsgewinne. Auch Kundus ist bereits in der Hand der Islamisten.

USA haben Abzug aus Afghanistan zu mehr als 95 % abgeschlossen

Die USA haben ihren Abzug mittlerweile zu mehr als 95 % abgeschlossen. Bis zum Monatsende soll er beendet sein. Bis zum Zeitpunkt der Entscheidung waren rund 2500 US-Soldat:innen dort stationiert. Die deutsche Bundeswehr und Soldat:innen anderer Nato-Länder haben Afghanistan ebenfalls bereits verlassen. Bereits vor der US-geführten Intervention 2001 hatten die Taliban die Kontrolle über weite Teile Afghanistans.

Die USA werde die afghanischen Sicherheitskräfte weiterhin finanziell unterstützen, erläuterte Bidens Sprecherin Jen Psaki. Im Haushaltsentwurf habe man 3,3 Milliarden US-Dollar eingeplant. US-Präsident Biden habe den Abzug der Truppen aus Afghanistan befohlen, weil das ursprüngliche Ziel des Einmarschs vor fast 20 Jahren, das Zurückdrängen der Terrorgruppe Al-Kaida, längst erreicht sei, sagte Psaki. „Er hat als Oberbefehlshaber entschieden - und das sind schwierige Entscheidungen“, sagte Psaki.

Sicherheitsexperte warnt vor Eingreifen des Westens in Afghanistan

Unterdessen warnte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, vor einem erneuten Eingreifen des Westens . Ob sich in Afghanistan „künftig wieder die Schreckensherrschaft der Taliban etabliert, muss für die Nachbarn und regionalen Mächte als Gefährdung der Stabilität mindestens genauso große Besorgnisse erregen, wie für die transatlantischen Partner“, sagte Ischinger gegenüber der Rheinischen Post vom Mittwoch (11.08.2021).

Ischinger verwies insbesondere auf China, Indien, Pakistan, Russland und den Iran. Seiner Meinung nach sei in erster Linie der UN-Sicherheitsrat gefragt. Es gehe um zentrale Fragen regionaler Stabilität. (uf/dpa)

Rubriklistenbild: © Abdullah Sahil/dpa

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