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Afghanistan: Vereinte Nationen prangern massive Menschenrechtsverstöße der Taliban an

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Von: Delia Friess

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Die radikal-islamische Taliban sollen laut einem UN-Bericht Menschen töten und verschwinden lassen. Tausende Ortskräfte in Afghanistan sind noch immer gefährdet.

Kabul - Im Sommer 2021 haben die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen. Die Taliban geben sich gern moderater als während ihrer ersten Herrschaft in den 1990er Jahren. Allerdings nur nach außen. Seit ihrer Machtübernahme haben die radikalislamischen Taliban einem UN-Bericht zufolge wohl bereits mehr als hundert ehemalige Regierungsmitarbeiter:innen und Ortskräfte getötet.

Taliban: UN-Bericht zeigt Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan auf

Es gebe „glaubwürdige Anschuldigungen über Tötungen“ und „gewaltsames Verschwindenlassen“, heißt es in dem Bericht. Nach dem Abzug der US-Truppen hatten die Taliban zunächst angekündigt, keine Rache an Ortkräften oder Helferinnen und Helfern der Alliierten-Truppen oder afghanischen Regierung zu nehmen.

Laut dem UN-Bericht handelt es sich um „außergerichtliche Tötungen, die von den De-facto-Behörden oder ihren Verbündeten begangen wurden“. Mit „De-facto-Behörden“ bezeichnet die internationale Gemeinschaft die derzeit von keinem Land der Welt anerkannte Taliban-Regierung in Kabul.

Eine unter einer Burka verhüllte Frau in Kabul, Afghanistan.
Eine unter einer Burka verhüllte Frau in Kabul, Afghanistan. © WAKIL KOHSAR/afp

Afghanistan: UN-Bericht prangert Tötungen und Menschenrechtsverletzungen durch die Taliban an

Die Taliban hingegen wiesen die Vorwürfe am Montag (31.01.2022) zurück. „Das Islamische Emirat hat seit Verkündung der Amnestie niemanden getötet“, erklärte die Taliban auf Twitter. Bei den gemeldeten Tötungen handele es sich um Folgen „persönlicher Feindschaften“. Die Fälle würden untersucht.

Der UN-Bericht prangert jedoch auch andere massive Menschenrechtsverletzungen durch die neuen Machthaber in Afghanistan an. Menschenrechtsaktivist:innen und Medienschaffende seien glaubwürdigen Berichten zufolge „weiterhin Angriffen, Einschüchterungen, Schikanen, willkürlichen Verhaftungen, Misshandlungen und Tötungen ausgesetzt“. Die Taliban sollen außerdem friedliche Proteste verhindern und Frauen und Mädchen in Afghanistan den Zugang zu Arbeit und Bildung einschränken. „Ein komplettes soziales und ökonomisches System wird stillgelegt“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres.

Ein Taliban-Kämpfer in Kabul.
Ein Taliban-Kämpfer in Kabul. © MOHD RASFAN/afp

Taliban schränken den Zugang von Mädchen und Frauen zu Arbeit und Bildung massiv ein

Deutschland nimmt bis Mitte des Monats rund 20.400 Aufnahmen für Ortskräfte aus Afghanistan auf. Zusätzlich gibt es 8.000 Zusagen für die Aufnahme von Journalist:innen und Frauenrechtler:innen, die besonders gefährdet sind. Deutschland und der internationalen Gemeinschaft wurde vorgeworfen, einen großen Teil dieser Menschen nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht zu haben. Tausende warten immer noch in Afghanistan auf Möglichkeiten der Ausreise.

Die Bevölkerung in Afghanistan leidet außerdem unter einer Hungersnot infolge von langen Dürren. Viele Länder und Organisationen stellten nach Machtübernahme der Taliban jedoch ihre Unterstützung ein. Seit Dezember sind nach einem einstimmigen Beschluss des UN-Sicherheitsrates aber humanitäre Hilfen für Afghanistan wieder zugelassen. Die USA hatten bereits unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump beschlossen, Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Der Abzug fand dann jedoch unter dem amtierenden US-Präsidenten Joe Biden statt. (AFP, df)

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