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News-Ticker

Afghanistan: Ansturm auf wieder geöffnete Banken in Kabul - USA frieren Reserven ein

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
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  • Lukas Rogalla
    Lukas Rogalla
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Bis zum 31. August sollen US- und Nato-Truppen Afghanistan verlassen haben. Die letzte deutsche Evakuierungsmaschine könnte bereits am Donnerstag in Kabul starten.

  • Mehrere ausländische Botschaften warnen: Das Gelände des Flughafens in Kabul müsse „sofort“ verlassen werden.
  • Die Sorge vor Terror-Anschlägen wächst.
  • Die Bundesregierung will weiter mit den Taliban wegen Evakuierungsflügen verhandeln.

+++ 10.15 Uhr: Nach mehr als einer Woche haben in Kabul die Banken wieder die Geschäfte aufgenommen. Die Bewohner der Hauptstadt Afghanistans stürmten daraufhin die Geldhäuser, um wieder an Bargeld zu kommen. Banken und Geldautomaten waren seit der Machtübernahme der Taliban geschlossen geblieben.

Bargeld spielt im ökonomischen Alltag Afghanistans eine große Rolle. Doch ob die Banken in Afghanistan ihre Pforten überhaupt wieder öffnen werden, war lange Zeit unsicher. Die USA haben die Goldreserven über sieben Milliarden Dollar der afghanischen Zentralbank eingefroren. Auch der Internationale Währungsfonds verweigerte der Zentralbank den Zugriff auf rund 500 Millionen Dollar - aus Angst, das Geld könnte in die Taschen der Taliban fließen.

Terrorgefahr in Afghanistan: Warnung vor IS-Anschlägen

+++ 8.45 Uhr: Die Sicherheitslage rund um den Kabuler Flughafen spitzt sich weiter zu. Internationale Beobachtende warnen derzeit vor erhöhter Terrorgefahr, unter anderem hat sich die deutsche Botschaft in einem Schreiben an deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger vor Ort gewandt. Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ sei mittlerweile in Kabul gesichtet worden. Anschläge seien möglich, hieß es.

Die Bundesregierung plant zudem weitere Verhandlungen mit den Taliban. Man wolle weiterhin zivile Evakuierungsflüge ermöglichen, betonte Niels Annen, Staatsminister für Außenpolitik, im Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Bundesregierung hat seit Beginn der Evakuierung auf mehreren Ebenen nach Lösungen parallel zur Luftbrücke gesucht“, betonte Annen. „Wir sind daher im Gespräch mit den Taliban in Doha wie auch mit Nachbarländern Afghanistans - etwa Pakistan -, um die Evakuierung auf ziviler Basis auch nach dem 31. August weiterzuführen.“

Die Sicherheitslage am Flughafen Kabul spitzt sich weiter zu.

Afghanistan: Bundesregierung will erneut mit Taliban verhandeln

Update von Donnerstag, 26.08.2021, 5.00 Uhr: Die USA haben die vor dem Flughafen Kabul wartenden Menschen aufgefordert, den Bereich wegen „Sicherheitsrisiken“ zu verlassen. Die Menge vor den drei Toren zum Flughafen müsse „jetzt sofort gehen“, hieß es am Mittwochabend aus dem US-Außenministerium. Auch Australien und Großbritannien hatten wegen der Gefahr von Terroranschlägen dazu aufgerufen, das Gebiet um den Hamid-Karsai-Flughafen zu meiden.

Zum Evakuieren weiterer Menschen aus Afghanistan bleibt nicht mehr viel Zeit. Die letzte Bundeswehrmaschine könnte schon am Donnerstag Kabul verlassen.

Mehrere westliche Staaten hatten die Einstellung ihrer Evakuierungsmissionen bis Donnerstag angekündigt, wenn die USA an einem endgültigen Abzug ihrer Truppen bis nächsten Dienstag festhalten würden. Belgien stellte bereits am Mittwoch seine Rettungsflüge ein. Die Bundeswehr will ihre Mission laut Medienberichten am heutigen Donnerstag (26.08.2021) beenden.

USA versuchen Kontakt zu Bürgern aufzunehmen

+++ 22.20 Uhr: Nach Angaben des Außenministeriums der USA könnten sich noch 1500 ausreisewillige US-Bürger in Afghanistan aufhalten. „In den vergangenen 24 Stunden standen wir in direkter Verbindung zu rund 500 weiteren Amerikanern und haben ihnen genaue Anweisungen gegeben, wie sie sicher zum Flughafen gelangen können“, führte Blinken aus. Zu den verbleibenden rund tausend US-Bürgern versuchten die Behörden „mehrmals täglich über verschiedene Kommunikationswege“ Kontakt auzunehmen, „um festzustellen, ob sie noch ausreisen wollen“, sagte Außenminister Antony Blinken am Mittwoch in Washington.

Nach Blinkens Worten sagten die Taliban zu, die Ausreise von US-Bürgern, anderen Ausländern und gefährdeten Afghanen auch über den 31. August hinaus zu „ermöglichen und erlauben“. Ähnlich hatte sich zuvor bereits der deutsche Afghanistan-Botschafter Markus Potzel geäußert.

Evakuierungsflüge der Bundeswehr aus Afghanistan enden womöglich bereits am Donnerstag

+++ 21.30 Uhr: Schon am Donnerstag (26.08.2021) soll die letzte Evakuierungsmaschine der Bundeswehr den Flughafen in Kabul verlassen. Das berichtete zunächst das Nachrichtenmagazin Spiegel mit Verweis auf nicht näher benannte Informant:innen. Grund für die Entscheidung der Truppenführung sei die sich weiter verschlechternde Sicherheitslage am Flughafen in Kabul. Bereits am Mittwoch hätte es vermehrt Anschlagswarnungen des „Islamischen Staats“ in den Menschenmassen gegeben.

Deshalb sei es auch bereits am Mittwoch deutlich schwieriger gewesen, den Menschen, die evakuiert werden sollten, Zutritt zum Flughafengelände zu verschaffen. Der Spiegel berichtet von wütenden Menschenmengen, die an den Sammelpunkten für Flughafentransporte demonstrierten. Aus einem Schreiben der Botschaft in Kabul an deutsche Staatsbürger vom Mittwoch zitiert der Spiegel: „Es kommt sehr häufig zu gefährlichen Situationen und bewaffneten Auseinandersetzungen an den Gates. Dazu kommen aktuelle Terrorwarnungen.“

Afghanistan: Taliban starten Offensive in abtrünnigen Gebieten

Erstmeldung vom 25.08.2021, 18.11 Uhr: Kabul – Vor etwa zehn Tagen haben die Taliban* den Präsidentenpalast in Kabul eingenommen und die Macht in Afghanistan* ergriffen, nachdem die USA* und verbündete Nationen ihre Truppen nach einem 20 Jahre andauernden Krieg abgezogen hatten. Allein in Kabul, wo derzeit Tausende Menschen ausharren und auf eine Evakuierung hoffen, sind noch Soldatinnen und Soldaten, die den Flughafen dort allerdings in Kürze wieder verlassen werden.

Die Taliban haben ihre Beratungen zu einer neuen Regierung bereits aufgenommen. Doch vor allem in einer Region wächst der Widerstand gegen die militanten Islamisten. Kämpfer der Taliban sollen bereits in Richtung Pandschir-Tal, nördlich von Kabul, unterwegs sein.

Widerstandskämpfer im Pandschir-Tal in Afghanistan, das sie vor den Taliban verteidigen möchten.

Afghanistan: Widerstand im Pandschir-Tal – Taliban kündigen politische Lösung an

Wenige Tage nach der Einnahme von Kabul haben sich ehemalige Mudschaheddin-Kämpfer hinter Ahmad Massoud formiert und den Widerstand angekündigt. Der 32-Jährige ist Sohn des Mudschaheddin-Kommandeurs Ahmad Schah Massound, der in den 1980er-Jahren gegen sowjetische Besatzer kämpfte.

„Wir sind in diesem letzten Zufluchtsort des afghanischen Volkes und verteidigen die Legitimität und die Souveränität Afghanistans, verteidigen das Pandschir-Tal, aber auch alle Afghanen in ganz Afghanistan, die für ihre Überzeugungen einstehen“, so Massoud im Interview mit dem ARD*-Magazin Kontraste. Auch während der ersten Herrschaft der Islamisten von 1996 bis 2001 konnte das Gebiet nicht erobert werden, bedingt einerseits durch den Widerstand, andererseits auch durch die geografische Lage. Der Eingang zum Tal ist eng und gut zu verteidigen. Doch ob eine erneute Verteidigung Pandshirs gelingt, ist schwer einzuschätzen. „Ich habe meine politische Karriere gerade erst begonnen, als wir in dieses Schlamassel geraten sind. Meine Hände sind also leer und meine Mittel sind sehr begrenzt“, so Massound weiter.

Widerstand in Afghanistan: Taliban-Kämpfer auf dem Weg nach Pandschir

Derzeit befinden sich laut Angaben der sich versöhnlich gebenden Taliban* „hunderte Kämpfer“ auf dem Weg in die Provinz Pandschir, doch die Gruppierung gab auch an, die Angelegenheit politisch regeln zu wollen. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte am Dienstag (24.08.2021), dass die Taliban eine Verhandlungslösung anstrebten. Er sei sicher, dass die Kontrolle über das Gebiet ohne Kämpfe wiederhergestellt werde. „Wir wollen keinen Krieg mehr in Afghanistan.“ Die Sache sei zu 80 Prozent gelöst. Auch im Süden von Afghanistan waren die Taliban auf Widerstand von Regierungstruppen getroffen. Die Taliban konnten Gefechte für sich entscheiden.

Derweil kündigen Russland und China an, in Sachen Afghanistan zusammenarbeiten zu wollen, wie Wladimir Putin* vereinbart haben sollen. Man den zahlreichen „Gefahren durch die Machtübernahme der Taliban“ gemeinsam begegnen, teilte der Kreml mit. Beide Länder sehen sowohl den islamistischen Terror als auch den Drogenschmuggel aus Afghanistan als potenziellen Zündstoff. Laut Angaben des Kremls ging es in dem Gespräch aber auch um „die Bedeutung, Frieden im Land zu etablieren“. (lrg/tu mit dpa/AFP) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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