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Afghanistan

Taliban erobern sechste Stadt in Folge – Sicherheitskräfte geben auf

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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  • Teresa Toth
    Teresa Toth
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Die radikal-islamische Taliban nimmt weite Teile von Afghanistan ein. Die Kritik an der Bundesregierung und ihrem Umgang mit den Ortskräften wächst.

+++ 13.45 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban haben ihre Militäroffensive in Afghanistan erfolgreich fortgesetzt und die sechste Provinzhauptstadt in Folge erobert. Am Montag übernahmen sie die Kontrolle in Aibak in der Provinz Samangan im Norden des Landes, wie Provinzräte und Parlamentarier der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Die Islamisten hätten die wichtigsten Einrichtungen der Regierung in der Stadt eingenommen, darunter das Polizeihauptquartier, den Gouverneurssitz und das Gefängnis der Stadt.

Die Provinzrätin Machboba Rahmat sagte, die Sicherheitskräfte hätten die Stadt mit ihren geschätzt 120.000 Einwohnern einfach verlassen. Davor hätten sie das Verteidigungsministerium um Luftangriffe gebeten, aber dieses habe nicht auf sie gehört. „Sie dachten, wenn die Regierung ihnen keine Aufmerksamkeit schenkt, werden sie ihr Leben nicht für die Regierung riskieren“, so Rahmat. Die Sicherheitskräfte seien auf eine Anhöhe am Rande der Stadt geflohen.

Taliban erobern Städte in Afghanistan

Damit haben die Islamisten binnen vier Tagen sechs von 34 Provinzhauptstädten eingenommen. Am Sonntag fiel die wichtige Stadt Kundus an sie.

Die Taliban haben am Montag die sechste Provinzhauptstadt in Folge eingenommen: Aibak in der Provinz Samangan.

Update vom Montag, 09.08.2021, 10.00 Uhr: Die Taliban sind nach dem Abzug der internationalen Truppen in Afghanistan weiter auf dem Vormarsch. Am Sonntag (08.08.2021) eroberte die radikal-islamische Miliz die strategisch wichtige Provinzhauptstadt Kundus. Mit dem Vormarsch wächst nun auch die Kritik an der Bundesregierung und ihrem Umgang mit den einheimischen Helferinnen und Helfern. Bis zum Ende ihres Einsatzes war vor allem die Bundeswehr auf Unterstützung von Ortskräften angewiesen, die durch den Vormarsch der Taliban nun um ihr Leben und das ihrer Angehörigen fürchten.

Der Bundesregierung sei der „moralische Kompass völlig verloren gegangen“, sagte beispielsweise der Vorsitzende des Patenschaftsnetzwerks Afghanischer Ortskräfte, Marcus Grotian, der Süddeutschen Zeitung. Die selbst organisierten Ausreiseverfahren zeihen sich laut Grotian in die Länge.

Kämpfe in Afghanistan: Kritik an Bundesregierung wächst

Auch der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Wolfgang Hellmich, kritisierte das Vorgehen: „Was ist denn das für eine irrwitzige Vorstellung, dass sich die Familien auf den Weg machen, das Verfahren bewältigen und sich selbst die Flüge buchen? Wenn ich auf die Karte schaue, sehe ich, wie die Taliban die Städte einkesseln“, sagte der SPD-Politiker gegenüber der SZ. Das Verfahren sei zu bürokratisch, so Hellmich. Grünen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger betonte: „Die Bundesregierung hat dabei versagt, allen Ortskräften in Afghanistan umfassend, sicher und schnell zu helfen.“

Der Konflikt in Afghanistan spitzt sich zu, nachdem die Taliban nun auch die wichtige Stadt Kundus eingenommen haben.

Vor mehr als zwei Wochen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr Unterstützung für afghanische Ortskräfte in Aussicht gestellt und unter anderem Charterflüge ins Gespräch gebracht, um Helferinnen und Helfern mit ihren Familien auszufliegen. Dem Bericht zufolge haben nach Angaben des Innenministeriums bisher 471 Ortskräfte mit ihren Angehörigen fertige Reisedokumente - insgesamt 2851. 1796 sind nach Deutschland gekommen, davon 296 ehemalige Ortskräfte (Stand: 05.08.2021).

Kämpfe in Afghanistan: Taliban erobern dritte Provinzhauptstadt an einem Tag

Update von Sonntag, 08.08.2021, 17.00 Uhr: Die radikalislamischen Taliban haben nach der Großstadt Kundus eine weitere Stadt erobert. Die Truppen haben die Provinzhauptstadt Talokan im Nordosten Afghanistans erobert. Die staatlichen Sicherheitskräfte hätten sich aus der Stadt zurückgezogen, „nachdem die Regierung keine Hilfe geschickt hat“, sagte ein Militär-Mitglied am Sonntag (08.08.2021) der Nachrichtenagentur AFP. Ein Einwohner der Stadt berichtete, Beamte und Sicherheitskräfte hätten die Stadt in langen Fahrzeugkonvois verlassen, um zivile Opfer und Zerstörung zu vermeiden. Provinzrat Rohullah Raufi bestätigte, dass die Stadt gefallen sei.

Die Stadt mit etwa 260 000 Einwohnern war seit mehreren Wochen umzingelt. Immer wieder hatten die Islamisten die Außenbezirke angegriffen. Die Hauptstadt der Provinz Tachar ist die dritte Provinzhauptstadt, die am Sonntag von den Taliban eingenommen wurde und die fünfte, die ihnen innerhalb von drei Tagen in die Hände fiel. Die Aufständischen haben seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen im Mai bereits weite Teile des Landes erobert.

Radikalislamische Taliban nehmen Stadt in Afghanistan ein: Kundus im „totalen Chaos“

Erstmeldung von Sonntag, 08.08.2021: Dubai/Kabul – Die Taliban nehmen immer mehr Regionen in Afghanistan ein. Nachdem sie bereits in zwei Provinzstädte vordrangen, eroberten die Islamisten „nach heftigen Kämpfen“ mit Kundus nun die nächste Provinzhauptstadt innerhalb von drei Tagen. In ihrem gesamten Vormarsch ist die strategisch wichtige Stadt Kundus bislang ihr größter Erfolg. Nur wenige Stunden später nahm die Miliz auch Sar-i-Pul ein, sodass sie nun vier Provinzstädte unter ihrer Gewalt hat.

Taliban erobern weite Teile in Afghanistan: Familien müssen ihr Zuhause verlassen

Im Mai zogen die internationalen Truppen aus Afghanistan ab. Etwa ein Jahrzehnt lang waren Soldat:innen der deutschen Bundeswehr für einen Kampfeinsatz in Kundus stationiert, um die dortige Sicherheit nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 zu überprüfen. Mehrere Soldat:innen wurden bei dem Einsatz getötet. Seit dem Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan haben die radikal-islamischen Taliban weite Teile des Landes erobert – und die Kämpfe gehen weiter.

Zahlreiche Familien mussten ihre Häuser verlassen und vor den brutalen Kämpfen fliehen. Schulen und andere öffentliche Gebäude wurden nach der Besetzung geplündert – Kundus befindet sich laut einem Einwohner im „totalen Chaos“. Zudem greift die Miliz wichtige Politiker:innen und Militärangehörige an. Sie töteten Regierungssprecher Dawa Khan Menapal nach einem Moscheebesuch sowie einen Pilot der afghanischen Luftwaffe bei einem Attentat in Kabul. Die US-Luftwaffe setzte bereits Bomben ein, um die Taliban an ihrem weiteren Vormarsch zu hindern.

Afghanistan: Gebäude des nationalen Radios und Fernsehens von Taliban geräumt

„Die US-Streitkräfte haben in den vergangenen Tagen mehrere Luftangriffe zur Verteidigung unserer afghanischen Partner vorgenommen“, äußerte sich Majorin Nicole Ferrara, Sprecherin des US-Zentralkommandos in Washington, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Doch fast alle Militärbasen der USA wurden bereits an die afghanische Armee übergeben – Ende August 2021 endet der US-amerikanische Einsatz.

Nach Angaben des Verteidigungsministerium starteten die afghanischen Gruppen bereits eine Offensive, um wichtige Einrichtungen in Kundus zurückzuerobern. „Einige Gebiete, darunter jene mit den Gebäuden des nationalen Radios und Fernsehens, wurden von den terroristischen Taliban geräumt“, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Die hohe Geschwindigkeit, mit der die Taliban in die Städte eindringen, habe das afghanische Militär überrumpelt. Dennoch sei die Regierung zuversichtlich, dass die Armee die betroffenen Städte zurückgewinnen kann – auch wenn sie dies bislang kaum schaffte. (tt/iwe mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Abdullah Sahil/dpa

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