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Amnesty International

Afghanistan: „Unglaubliches Blutvergießen durch die Taliban“

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Nach der Eroberung Afghanistans durch die Taliban ist es im Land zu schwersten Kriegsverbrechen gekommen. Auch die USA spielen eine Rolle.

Kabul - Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat laut Amnesty International zu schweren Kriegsverbrechen geführt. Die Taliban hatten Anfang Mai eine Militäroffensive in dem Land gestartet, nachdem die USA ihren Abzug verkündet hatten. Die Islamisten eroberten erst hunderte Bezirke und ab Anfang August binnen weniger Tage fast alle Provinzhauptstädte. Mitte August war dann die Hauptstadt Kabul kampflos in die Hände der Taliban gefallen.

In der Endphase des Konflikts hätten die militant-islamistischen Taliban eine Reihe von Kriegsverbrechen verübt, darunter außergerichtliche Tötungen, hieß es in einem am Mittwoch (15.12.2021) von Amnesty International veröffentlichten Bericht. Auch durch US-Luftangriffe sowie den Beschuss mit Mörsergranaten durch die afghanische Armee seien Dutzende Menschen getötet worden.

Afghanistan: Das gesamte Ausmaß der Tötungen ist schwer zu beziffern

Amnesty International recherchierte nach eigenen Angaben vom 1. bis 15. August 2021 in Kabul. Darüber hinaus führte die Menschenrechtsorganisation von August bis November 2021 Interviews mit Opfern und Zeug:innen mittels Video- und Sprachanrufen. Das „Crisis Evidence Lab“ der Organisation überprüfte zudem Satellitenbilder, Videos und Fotos sowie medizinische und ballistische Informationen und befragte einschlägige Expert:innen.

Taliban haben Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten, ehemalige Regierungskräfte und Sympathisanten der Regierung gefoltert und getötet.

Im Zuge ihrer fortschreitenden Offensive im Juli und August hätten Taliban bei Vergeltungsanschlägen Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten, ehemalige Regierungskräfte und Sympathisanten der Regierung gefoltert und getötet, hieß es weiter. Das gesamte Ausmaß der Tötungen im Land sei schwer zu beziffern, da die Taliban den Zugang für Medien und Menschenrechtsorganisationen einschränkten und in vielen ländlichen Gebieten Mobilfunk und Internetzugang unterbrachen.

Afghanistan: Machtwechsel mit „vielen Menschenleben bezahlt“

Der Bericht dokumentiert zudem vier Luftangriffe der vergangenen Jahre, von denen drei höchstwahrscheinlich von US-Streitkräften und einer von der afghanischen Luftwaffe ausgeführt wurden. Diese seien für den Tod von Dutzenden Zivilisten verwantwortlich, da Bomben über dicht besiedelten Gebieten abgeworfen worden seien. Afghanische Bodenkräfte hätten zudem Mörsergranaten auf Wohngebiete abgefeuert, auch dabei seien Zivilisten ums Leben gekommen.

„Durch alle drei Konfliktparteien - Taliban, afghanische Streitkräfte und US-Militär - kamen Zivilistinnen und Zivilisten zu Tode“, sagte Julia Duchrow, Stellvertreterin des AI-Generalsekretärs in Deutschland. Die Recherchen belegten, dass die afghanische Bevölkerung den Machtwechsel „wieder einmal mit vielen Menschenleben bezahlt hat“.

Amnesty International appelliert an die Bundesregierung

Derweil machen die Menschenrechtler auch die US-Truppen und die afghanische Armee für den Tod von Zivilistinnen und Zivilisten verantwortlich. So dokumentiert der Bericht vier Luftangriffe zwischen 2017 und 2021 in dicht besiedelten Gebieten, bei denen 28 Menschen getötet wurden, darunter acht Kinder. Drei der Luftangriffe seien höchstwahrscheinlich von den USA und einer von der afghanischen Luftwaffen geflogen worden.

Amnesty International appelliert an die Bundesregierung, ihre angekündigte menschenrechtlich geleitete Außenpolitik jetzt so schnell wie möglich umzusetzen. Duchrow schreibt im Bericht: „Die neue Bundesregierung muss jetzt alles unternehmen, um bedrohte Afghan:innen so schnell wie möglich bei der Ausreise aus Afghanistan und den Nachbarländern zu unterstützen. Das im Koalitionsvertrag festgelegte humanitäre Aufnahmeprogramm für gefährdete Afghan:innen muss zügig umgesetzt werden. Außerdem sollte die neue Bundesregierung jetzt Druck auf die Taliban ausüben, damit sie ihre eigenen Zusagen zum Schutz der Bevölkerung auch erfüllen.“ (skr/dpa/epd)

Rubriklistenbild: © Oliver Weiken/dpa

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