Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kämpfer der Taliban in Kabul
+
Ein junger Taliban-Kämpfer zielt zum Spaß mit seinem Gewehr in Richtung Fotograf, während er vor einer Polizeistation in Kabul Wache hält.

Taliban-Regierung

Afghanistan: Taliban wollen Selbstmord-Brigade einführen

  • VonLukas Zigo
    schließen

Die Taliban ehren Selbstmordattentäter aus eigenen Reihen – Eine „Selbstmord-Brigade“ soll Teil der Armee werden.

Kabul – Im Kampf gegen ausländische Truppen und die von westlichen Staaten gestützte Regierung in Kabul haben sowohl die Taliban als auch der radikale Islamische Staat ausgiebig von Selbstmordattentätern Gebrauch gemacht. Stets wurde dabei in Kauf genommen, dass solche Attentate vor allem Zivilisten aus der eigenen Bevölkerung getötet und vestümmelt haben.

Und auch in Zukunft werden weder der Islamische Staat noch die Taliban-Regierung in Kabul von diesem militärischen „Werkzeug“ absehen. Nach der Machtübernahme der Taliban hat der Islamische Staat seine Terroraktivitäten gegen schiitische Einrichtungen und Moscheen in Kabul sowie in Provinzen Kundus, Nangarhar und Kandahar verstärkt. Dabei setze der IS auch besonders verheerende Selbstmordattentäter ein. Mitte November verkündete die Taliban-Regierung eine Gegenoffensive gegen den IS.

Afghanistan: Taliban ehren Selbstmordattentäter

Die Offensive gegen den Islamischen Staat ist allen voran als Versuch zu sehen, nach ihrem Sieg Legitimität bei der Bevölkerung zu erreichen und eine neue Ordnung in Afghanistan zu errichten. Dass jedoch, bedeutet nicht, dass die Taliban Führung diese Form des Kampfes ablehnen, oder ächten würde. Wie DW berichtete, war das Gegenteil der Fall, auf einer Siegesparade kurz nach der Machtübernahme wurden Einheiten potenzieller Selbstmordattentäter mitsamt ihren Sprengwesten präsentiert.

Siradschuddin Haqqani, amtierender Innenminister Afghanistans, bekräftigte Mitte Oktober deren wichtige Rolle im Sieg über die „Ungläubigen“, also die pro-westliche Kabuler Regierung und NATO. In einem Hotel in Kabul traf er sich mit Hinterbliebenen von Attentätern. „In seiner Rede lobte der Minister den Dschihad und das Opfer, welches die Märtyrer und Mudschaheddin gebracht hätten, und nannte sie Helden des Islams und des Landes“, teilte ein Sprecher des Ministeriums per Twitter mit. Laut Innenministerium wurden die Angehörigen mit 100 Dollar in Bar, Kleidung und dem Versprechen auf Landbesitz belohnt.

„Märtyrer-Brigaden“ sollen Teil der afghanischen Armee werden

Anfang November 2021 berichtete Radio Free Europe (RFE), die Taliban-Regierung habe einen neue „Märtyrerbrigade“ aus potenziellen Selbstmordattentätern ins Leben gerufen. Derzeit kursiert in den sozialen Netzwerken ein Bild aus dem Kabuler Verteidigungsministerium mit einer Tafel mit der Aufschrift „Büro der Märtyrerbrigade“.

Kurz vor dem Jahreswechsel hatte Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid in einem Interview mit RFE bestätigt, dass die Taliban Selbstmordattentäter in die afghanische Armee aufnehmen wollen. „Unsere Märtyrerbrigaden werden Teil der Armee werden und dort als Spezialeinheiten fungieren.“

Was steckt hinter den neuen „Märtyrerbrigaden“?

Laut RFE kündigte die Taliban-Führung bereits im Oktober an, die „Märtyrerbrigade“ an die Grenze zu Tadschikistan zu verlegen. Gegenüber RFE gaben Mitglieder der Brigade an, für die Verteidigung ihres Landes „zu allem bereit“ zu sein. Im Vorfeld hatte die Führung des zentralasiatischen Nachbarlandes die fast ausschließlich paschtunisch geprägte Zusammensetzung der Taliban-Regierung angeprangert.

Auf Nachfrage der DW wollte das Kabuler Verteidigungsministerium die Aufnahme von Selbstmordattentätern in die afghanische Armee nicht bestätigen. „Eine Spezialeinheit von Selbstmordattentätern wird es nicht geben. Sie werden in die Armee aufgenommen. Sie sind bereit, ihr Leben für Afghanistan zu opfern, wie alle anderen Soldaten“, so der Taliban-Sprecher Enayatullah Khwarizmi.

Afghanische Armee soll 100.000 Mann stark werden

Eine Analyse des von RFE zitierten afghanischen Journalisten und Taliban-Kenner Sami Yousufzai entspricht der unklaren offiziellen Haltung der Taliban-Regierung in Bezug auf die Rolle von Selbstmordattentätern: Gemäßigte Stimmen innerhalb der Taliban seien gegen die Verherrlichung von Selbstmordanschlägen, da ihnen das die Unterstützung im Inneren und die Anerkennung des Auslands erschwere. Die derzeitige Hardliner-Führung „sonnt sich allerdings lieber in ihrem Ruhm und feiert ihren Sieg und die Taktik der Selbstmordanschläge, die viele zivile Opfer forderte, anstatt die Afghanen durch ein Narrativ des Friedens zu vereinen.“

Es ist nicht bekannt, über wie viele potenzielle Selbstmordattentäter die Taliban verfügen. Wie das afghanische Verteidigungsministerium mitteilte, soll die neue afghanische Armee eine Stärke von 100.000 Mann haben. Vor der Machtübernahme der Taliban bestand die afghanische Armee aus etwa 300.000 Soldaten, zumindest auf dem Papier. Dem ehemaligen Finanzminister Khalid Payenda zufolge waren es in Wahrheit eher 50.000 Soldaten. Im November warf er in einem BBC-Interview „korrupten“ Offizieren vor, die Regierung mit nicht vorhandenen „Geistersoldaten“ getäuscht zu haben, um Gelder zu erschwindeln. (Lukas Zigo)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare