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Ein Friseursalon in Kabul 2018: Vor der Machtübernahme der Taliban war ein Gang zum Barbier für viele Männer selbstverständlich.
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Ein Friseursalon in Kabul 2018: Vor der Machtübernahme der Taliban war ein Gang zum Barbier für viele Männer selbstverständlich.

Afghanistan

Afghanistan: Religionspolizei der Taliban überwacht Bartschneide-Verbot

  • VonMirko Schmid
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Die Taliban beginnen mit deutlichen Einschnitten in die private Lebensgestaltung in Afghanistan. Das Bartschneiden ist mancherorts schon verboten.

Kabul – Die Taliban wollten es diesmal anders machen. Ein teilweise fast staatsmännischer Auftritt, weniger martialisches Gehabe und vor allem viele Versprechen sollten die Welt davon überzeugen, dass die streng religiösen Paramilitärs gar nicht so schlimm sind. Doch nachdem sich die Taliban in den ersten Tagen nach ihrer Machtübernahme mit Eingriffen ins Privatleben des Volkes in Afghanistan noch zurückhielten, signalisieren erste Neuregelungen erneut einen Weg zurück in einen regiden Gottesstaat.

Bekannt ist die Diskussion über die Wiedereröffnung der Mädchenschulen. Während Lehrer und Schüler bereits wieder in die Schulen geschickt werden, mussten Lehrerinnen und Schülerinnen größtenteils zu Hause bleiben. Erst auf den Druck der internationalen Gemeinschaft hin, auf deren Gelder aus Entwicklungshilfeprogrammen die Machthaber in Kabul nicht verzichten wollen, kündigten sie an, die Mädchenschulen ebenfalls wieder zu eröffnen.

In einigen Provinzen, wie etwa im nördlichen Balch, sind die Mädchenschulen bereits geöffnet, die Regionalchefs der Taliban agieren auf dem Feld der Frauen- und Mädchenrechte häufig sehr unterschiedlich. Die Frauenaktivistin Kobra Balooch fasste die Haltung der Taliban in einem Telefonat mit der Deutschen Welle zusammen: „Ich glaube, ein Teil der Taliban vermeidet momentan unnötige Provokationen und Auseinandersetzung mit der Zivilgesellschaft. Sie wollen die Anerkennung der Weltgemeinschaft gewinnen und Hilfsgelder bekommen. Aber im Kern haben die Taliban sich nicht geändert. Sie lehnen nach wie vor jede Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben ab.“

Afghanistan: Taliban verbieten Friseuren und Barbiers das Schneiden von Bärten

Doch auch Männer müssen jederzeit neue Repressionen fürchten. So verbaten die Taliban in der Provinz Helmand unlängst das Schneiden von Bärten. Einige Friseure in der Hauptstadt Kabul gaben gegenüber der britischen BBC an, ähnliche Anweisungen erhalten zu haben. Verbote wie diese legen eine Rückkehr zu den strengen Regeln der vergangenen Amtszeit der Religionskrieger nahe und widerlegen die Versprechungen einer milderen Regierungsform.

In einer Mitteilung an die Salons in der südlichen Provinz Helmand erinnerten die Taliban-Offiziere daran, dass auch Friseure die Gesetze der Scharia für Haarschnitte und Bärte befolgen müssen. „Niemand hat das Recht, sich zu beschweren“, hieß es in der Mitteilung, die der BBC vorliegt. Bereits während ihrer ersten Regierungszeit von 1996 bis 2001 verboten die islamistischen Hardliner extravagante Frisuren und bestanden darauf, dass sich Männer Bärte wachsen lassen. Nach ihrem Sturz wurde eine Glattrasur von vielen Männern vorgezogen, auch als Zeichen der neu gewonnenen Freiheit.

Afghanen verzichten aus Angst vor den Taliban von sich aus auf das Rasieren

Damit soll nun Schluss sein. Die Taliban lassen ihre Religionspartei in den betroffenen Regionen Kontrollen durchführen, bei Verstößen drohen drakonische Strafen. Denn im Bestrafen sind die Taliban nicht zimperlich. Erst kürzlich ließen die Paramilitärs vier Männer erschießen und ihre Leichen in den Straßen der Stadt Herat aufgehängt, berichtet die BBC. Ihnen soll vorgeworfen sein, an einer Entführung beteiligt gewesen zu sein.

Dementsprechend eingeschüchtert sind nun auch viele Friseure. Einer etwa sagte gegenüber dem britischen Staatsrundfunk: „Mein Salon war viele Jahre lang ein Ort, an dem sich junge Leute nach Belieben rasieren und trendy aussehen konnten, jetzt hat es keinen Sinn mehr, mein Geschäft fortzusetzen.“ Ein in Herat ansässiger Barbier berichtete, dass ein Verbot eigentlich gar nicht mehr nötig sei. Denn auch ohne blieb sein Salon seit der Machtergreifung der Taliban zumeist leer: „Meine Kunden rasieren sich den Bart nicht mehr, weil sie von den Taliban-Kämpfern nicht auf den Straßen angegriffen werden wollen.“ (Mirko Schmid)

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