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Afghanistan

Taliban schränken Frauenrechte weiter massiv ein

  • Delia Friess
    VonDelia Friess
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Frauenrechte werden in Afghanistan weiter eingeschränkt: Die Taliban erlauben Reisen nur mit männlicher Begleitperson. Auch ein Radio-Verbot im Auto ist angeordnet.

Kabul – Im August 2021 sicherten sich die radikalislamischen Taliban gewaltsam wieder die Macht in Afghanistan. Obwohl die Islamisten versprachen, gemäßigter als bei ihrer ersten Herrschaft in den 1990er Jahren – vor dem Militäreinsatz der USA und den internationalen Verbündeten in Afghanistan – zu sein, schränken sie die Rechte von Frauen immer weiter ein.

Die jüngsten Anordnungen der Taliban zeigen dies nun erneut: Demnach dürfen Frauen nur noch längere Reisen unternehmen, wenn sie von einem nahen männlichen Verwandten begleitet werden. „Frauen, die eine Strecke von mehr als 72 Kilometern zurücklegen, sollten nicht mitgenommen werden, wenn sie nicht von einem engen Familienmitglied begleitet werden“, so ein Sprecher des neuen „Ministeriums für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters“.

Taliban schränken Frauenrechte in Afghanistan weiter ein

Alle Fahrzeughalter werden außerdem aufgefordert, nur Trägerinnen eines islamischen Hidschab zu transportieren. Mit Hidschab kann ein Kopftuch, aber auch eine Ganzkörperverschleierung gemeint sein. Die Taliban ließen bisher noch offen, wie sie den Hidschab definieren. Angeordnet wurde auch, dass Menschen in ihren Fahrzeugen keine Musik mehr hören dürfen.

Eine afghanische Frau verlässt einen Lebensmittelladen. Seit der chaotischen Übernahme Kabuls durch die Taliban am 15. August steht die bereits vom Krieg zerstörte Wirtschaft, die einst allein durch internationale Spenden am Leben erhalten wurde, kurz vor dem Zusammenbruch.

Frauenrechte werden in Afghanistan weiter eingeschränkt: „Lawine des Hungers“ in Afghanistan erwartet

Veröffentlicht wurden die neuen Richtlinien in den Online-Netzwerken. Bereits zuvor hatten die Taliban die Rechte von Frauen beschränkt. So dürfen keine Dramen und Seifenopern mit Schauspielerinnen mehr gezeigt werden. Zudem hat das Tugend-Ministerium auch Fernsehjournalistinnen aufgefordert, nur noch mit Hidschab aufzutreten.

Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ kritisiert gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, es handle sich um einen „eklatanten Eingriff in die Frauenrechte“. Die neuen Anordnungen zum Reiseverkehr mache Frauen noch mehr zu „Gefangenen“, sagte Heather Barr. Barr ist die für Frauenrechte zuständige Direktorin von „Human Rights Watch“. Die Maßnahme verhindere, „dass Frauen sich frei bewegen oder in eine andere Stadt fahren können, dass sie Geschäfte machen oder fliehen können, wenn sie zu Hause Gewalt erleben“, so Barr weiter.

Amena (M.), frühere Rektorin einer Schule, und Nazila (r.), ehemalige Lehrerin, verkaufen auf einem Markt Kleider, weil beide ihre Arbeit verloren haben.

Berichte über Frauen, die seit der Machtübernahme der Taliban an der Rückkehr an ihre Arbeitsplätze gehindert werden, und Mädchen, die nicht zur Schule gehen können, schüren starke Zweifel an Zusicherungen der Taliban, gemäßigter als in den 1990er Jahren zu sein.

Taliban in Afghanistan: Frauenrechte werden immer stärker eingeschränkt

Der als islamistischer Hardliner bekannte Minister für höhere Bildung, Abdul Baki Hakkani, sagte am Sonntag (26.12.2021), der Zugang von Frauen zu Bildung werde derzeit noch „diskutiert“. „Das Islamische Emirat ist nicht gegen die Ausbildung von Frauen, es ist aber gegen gemeinsamen Unterricht“, so Hakkani. Die Taliban „arbeiten an einer islamischen Umgebung, in der Frauen studieren könnten“, fügte er hinzu. Dies könne aber „eine Zeit lang dauern“.

Angaben dazu, wann Mädchen und Frauen zur Schule oder an die Universität zurückkehren können, machte er jedoch nicht. Dies erinnert an die Herrschaft der Taliban Mitte der 1990er Jahre: Mädchen durften nicht zur Schule gehen und Frauen nur mit Burka und männlicher Begleitung auf die Straße. Islamistische Gruppierungen wie die Taliban nennen die Scharia als die Grundlage ihres Handelns.

Natalie Amiri führt Tagebuch „Afghan Diary“

Die Bevölkerung leidet auch in anderen Bereichen weiter massiv unter der gewaltsamen Machtübernahme der Taliban und den Folgen. Die internationale Gemeinschaft hatte mehrfach betont, dass die Achtung von Frauenrechten eine Voraussetzung für die Wiederherstellung internationaler Hilfen für Afghanistan sei, die weitgehend eingestellt worden sind. Laut UN stehe Afghanistan eine „Lawine des Hungers“ bevor. Auch eine Dürre verschlimmert die Situation in Afghanistan.

Zwar hatte die EU 150 Hilfsleistungen im Dezember nach Afghanistan geschickt, dennoch ist die Not groß: Ein Drittel der Menschen müsse den Hungertod fürchten, sagte Dietmar Köster, SPD-Abgeordneter im Europäischen Parlament und dort seit 2019 im Außenausschuss, der internationalen Korrespondentin Natalie Amiri. Amiri hatte während eines Recherche-Aufenthaltes für ihr neues Buch (erscheint am 14.03.2022) in Afghanistan das Tagebuch „Afghan Diary“ geführt. (df/AFP)

Rubriklistenbild: © Petros Giannakouris/dpa

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